8. April 2016

'Traumaspiel' von Mark Franley

Von einer Schreibblockade geplagt und von seinem Leben gelangweilt, wagt es der Erfolgsautor Sebastian Filmoor Kontakt zu dem verurteilten Frauenschänder Adam Voss aufzunehmen – dem Mann, dessen Geschichte ihm vor vielen Jahren als Vorlage für seinen ersten Bestseller diente.

Und nicht nur das – sein Buch lieferte damals die entscheidenden Indizien für Voss‘ Verurteilung. Nun erhofft sich Filmoor neue Inspirationen aus der persönlichen Begegnung mit dem Mehrfachmörder. Da dieser inzwischen in die Sicherungsverwahrung verlegt wurde und das Gefängnis nie wieder verlassen wird, scheint das Risiko für Sebastian überschaubar.

Zeitgleich wird Hauptkommissar Lewis Schneider aus Berlin in seine Heimatstadt Nürnberg versetzt. Nur wenige Stunden nach seiner Ankunft ereignet sich dort ein grauenhaftes Familiendrama. Auf den ersten Blick scheint der Tathergang eindeutig, wäre da nicht dieses Buch, das Sebastian Filmoor erst vor kurzem dem Frauenschänder in der JVA signiert hatte …

Gleich lesen: Traumaspiel: Psychothriller (Lewis Schneider 1)

Leseprobe:
Noch während sich ihr viel zu schneller Atem langsam beruhigte, begriff Lea ihren Fehler. Es hätte nicht noch einmal passieren dürfen. Ein einfaches Telefonat oder wenigstens ein Treffen auf neutralem Boden, und alles wäre so viel einfacher gewesen. Zum ersten Mal in ihrem Leben bekam sie eine Ahnung davon, was es bedeutete, süchtig zu sein. Süchtig nach einer einfachen Berührung, nach dem Geschmack eines anderen Menschen oder, wie in ihrem Fall, süchtig danach, jede Kontrolle abzugeben.
Wieder begann die Hand, die ihr auf so abartige Weise guttat, sanft über ihre Haut zu streichen. Sie fing an ihrem gefesselten rechten Knöchel an, fuhr bis über ihren Beckenknochen, dann weiter über den schmalen Spalt zwischen ihren Brüsten bis dorthin, wo ein weiteres Seidentuch an ihrem Handgelenk dafür sorgte, dass jede Interaktion ihrerseits unterbunden wurde.
Für die Dauer eines Herzschlages verdrängte die erneut aufkeimende Lust ihre Bedenken, dann presste sie die Worte heraus, welche ihr schon die ganze Zeit über auf der Seele brannten. Mühsam darauf konzentriert, es wie ihren tatsächlichen Willen klingen zu lassen, sagte sie leise: »Hör bitte damit auf und binde mich los.« Doch entgegen ihrer Hoffnung tat die Hand das Gegenteil. Nachdem sie sich kurz von ihrer Haut entfernt hatte, spürte Lea, wie sie sich knapp unterhalb der Augenbinde auf ihre Wange legte. Zwei der weichen Finger strichen dabei sanft über ihre Lippen, bevor ihr mit heißem Atem »Das werde ich nicht tun!« ins Ohr geflüstert wurde.
Lea zwang sich, die beiden aufreizend in ihren Mund eindringenden Finger zu ignorieren, und hauchte: »Bitte, es geht nicht mehr. Du zerstörst meine Ehe, die Beziehung zu meinem Sohn … einfach mein ganzes Leben. Binde mich los und wir behalten die ganze Geschichte als tolle Erinnerung im Kopf.«
»Nein!«
»Aber warum? Du findest doch jederzeit eine andere Frau. Viele stehen auf so etwas, und der Sex mit dir ist einfach etwas ganz Besonderes.«
Nun glitt die Hand ein Stück hinunter und kam über ihrer Kehle zu liegen. »Du glaubst immer noch, es geht um Sex? Hast du denn gar nichts dabei empfunden, als ich dir damals die Kontrolle überließ?«
Lea dachte zurück an den Tag, als sie zum zweiten Mal in diesem Hotelzimmer gelandet waren, und gab zu: »Doch, natürlich hatte ich etwas dabei empfunden, aber ehrlich gesagt ist es mir lieber, dich ohne diese ganzen Fesseln zu lieben.«
Nun entfernte sich die Hand und die Stimme wurde härter. »Natürlich ist dir das lieber. Du bist ein Nichts und bleibst ein Nichts. Deine Erziehung hat es dir verboten, Macht auszuüben und dies auch noch zu genießen. Bei mir ist das etwas anderes … Mir wurde von Anfang an beigebracht, dass es keine tiefer gehende Befriedigung gibt als das Gefühl, die absolute Macht über einen anderen Menschen zu haben.«
»Bitte lass mich gehen.« Es war nicht mehr als ein Flüstern, denn mit jedem der gehörten Worte wurde sich Lea bewusster, dass sie den Menschen, vor dem sie gerade nackt und wehrlos lag, nie wirklich gekannt hatte.
»Oh, deine Härchen stellen sich gerade auf«, stellte die Stimme amüsiert fest, und nach einer sanften Berührung oberhalb des Bauchnabels folgte die Frage: »Ist das jetzt Lust oder Angst?«
Lea zog an ihren Fesseln, erst möglichst unbemerkt, dann panisch, bevor sie drohte: »Mach mich los, oder ich schreie!«
»Oh, nichts wäre mir lieber, als deine Schreie zu hören, aber ich glaube nicht, dass du das tun wirst.«
Lea dachte kurz darüber nach, und da sie tatsächlich Angst hatte, eine aggressive Reaktion zu provozieren, fragte sie kleinlaut: »Was wirst du jetzt tun?« Dann schluckte sie trocken: »Wirst du mir wehtun?«
Die sanfte Berührung ihrer Kehle kam völlig unerwartet und führte zu einer weiteren Panikattacke. Nun legte sich die Hand fester auf ihre Kehle, verharrte dort aber nur kurz, fuhr langsam hinunter, bis sie auf einer ihrer Brüste zu liegen kam und die Stimme feinfühlig feststellte: »Aber, aber, warum sollte ich dir denn so etwas Böses antun? Ich muss dir nicht wehtun, damit du wiederkommst. Ich weiß doch, dass du mit jeder Faser deines Körpers nach so einer Behandlung schreist. Morgen früh wirst du nach Hause gehen und dir schwören, mich aus deinem Leben zu verbannen. Aber glaube mir, es wird nicht lange dauern, bis deine Sehnsucht zurückkehrt … Und dann werde ich da sein, um dieses Feuer zu nähren.«
Einen kurzen Augenblick lang wollte Lea widersprechen, überlegte es sich aber anders. Irgendwie musste sie sich aus dieser Situation befreien, und Widerworte würden sicher nicht dazu beitragen. Mit dem Versuch, die Angst zurückzudrängen, hob sie ihren Körper ein wenig fester gegen die Hand, bat aber gleichzeitig: »Du hast recht! Ich brauche das, brauche dich … Aber bitte lass mich schon jetzt zu meiner Familie. Mein Mann rastet aus, wenn ich schon wieder nicht nach Hause komme.« Dann ließ Lea eine kurze Pause folgen. »Du hast doch nichts davon, wenn Ralf sich von mir scheiden lässt. Ich bleibe doch auch so bei dir …«
Die Art, wie das Wort »Nein!« gesagt wurde, beendete Leas Flehen, dann spürte sie, wie ihr Unterarm gepackt wurde und sich etwas Kaltes unter ihre Haut schob. Das Letzte, was sie noch wahrnahm, waren die Worte: »Ich bin immer in deiner Nähe, mein Engel, vergiss das nie … Und jetzt wehre dich nicht dagegen.« Dann schlossen sich Leas Augen unter dem seidenen Stoffstreifen und ihre Atmung wurde ruhiger.

Im Kindle-Shop: Traumaspiel: Psychothriller (Lewis Schneider 1)

Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.

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