13. April 2016

'Verschwunden?' von Christer Tholin

Martin braucht dringend eine Auszeit, der Urlaub in einem Ferienhaus in Schweden erscheint da genau richtig. Doch dann verschwindet eine Frau aus der Nachbarschaft unter mysteriösen Umständen. Martin hatte die Frau kennengelernt und beginnt sie zu suchen. Daraus entwickelt sich ein spannendes Abenteuer, das ihn quer durch Schweden führt. Dabei lernt er so einiges über dieses ihm bis dahin unbekannte Land. Doch dann spitzen sich die Ereignisse zu und Martin gerät schließlich selbst in Gefahr. Mehr und mehr Personen werden in den Fall hineingezogen.

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Leseprobe:
Sie verließen das Haus und liefen zum Weg. Da hörten sie ein Motorengeräusch, das sich rasch näherte.
„Verdammt, da kommt jemand! Los, in den Wald!“
Sie liefen hinter das Haus und dort in den Wald hinein. Es gab einen kleinen Pfad. Martin versuchte, seine Stimme gedämpft zu halten: „Wir schlagen uns durch den Wald zu meinem Auto durch! Folgen Sie mir!“
Er folgte dem Pfad noch ein Stück in den Wald und schlug sich dann rechts durch die Bäume. Es war matschig und unwegsam, das bedeutete, dass sie nicht so schnell vorankommen würden. „Wir müssen versuchen, keinen Lärm zu machen!“ Liv nickte.
Langsam bewegten sie sich um das Haus herum. Das Auto war jetzt angekommen, es war der schwarze Pickup.
„Scheiße!“ fluchte Martin. Liv hielt ihn am Ärmel fest: „Sollen wir nicht lieber versuchen, durch den Wald zu entkommen?“
„Kennen Sie sich hier aus?“
„Nein“, Liv schaute sich um, „wie weit ist es zu meinem Sommerhaus?“
„Liv, wir sind in Dalarna, ganz in der Nähe von dem Sommerhaus Ihres Mannes.“
„Was?“ Liv riss die Augen auf und presste die Hände vor den Mund.
Martin schaute sie an: „Zu meinem Auto?“ Sie nickte.
Sie gingen bedächtig weiter durch den Wald. Sie hörten, wie der Fahrer ausstieg und zum Haus ging. Es konnte nicht lange dauern, bis er merkte, dass Livs Sachen fehlten und dann würde er in den Keller gehen und…
Langsam kamen sie weiter und näherten sich dem Weg. Martin schaute zurück und glaubte, dass sie jetzt gefahrlos aus der Deckung gehen könnten. Auf dem Weg ging es schneller, Martin tat zwar die Schulter bei jedem Schritt weh, aber jetzt hieß es, Zähne zusammenbeißen. Als er gerade den Wagen entriegelte, hörte er ein Geräusch vom Haus. Der Mann war aus der Tür gekommen und brüllte etwas, was Martin nicht verstand. Liv schaute ihn entsetzt an. So schnell sie konnten, stiegen sie ins Auto. Martin startete, leider musste er noch wenden und dazu gab es nicht viel Platz. Er musste zweimal zurücksetzen, dann konnte er endlich los fahren. Genau in diesem Augenblick hörte er hinter ihnen den Motor vom Pickup aufheulen. Er sah in den Rückspiegel, der Truck war schon auf dem Weg zu ihnen. Er gab Gas. Der Audi reagierte und fuhr mit einem Ruck an. Martin fuhr so schnell er konnte, Liv hatte Angst, sie klammerte sich an die Armstütze und sah abwechselnd nach hinten und nach vorne.
„Schneller! Bitte!“
„Ich versuch’s.“
Martin gab noch etwas mehr Stoff. Da vorne kam der Hauptweg – er wusste, in der Geschwindigkeit würde er die Kurve nicht kriegen. Er fuhr trotzdem weiter in dem Tempo, ein kurzer Blick in den Rückspiegel zeigte, dass der Pickup direkt hinter ihnen war. Der Motor war laut und die schwarzen Stahlfender vor der Motorhaube kamen bedrohlich nahe.
An der Kreuzung zum Hauptweg bremste Martin etwas ab und hoffte, dass er so auf den Sandweg kam ohne im Graben zu landen. Er hielt das Steuerrad mit aller Kraft fest, der Audi schwang herum und es sah so aus, als wenn sie es schaffen würden. Aber der Pickup hatte andere Pläne. Der wollte die Kurve nicht kriegen. Der Fahrer schlug nur leicht nach rechts ein und rammte den Audi von der Seite, als sie gerade abgebogen waren. Das Heck des Audi schleuderte Richtung Wald, Liv kreischte, beide Airbags lösten aus und Martin bremste mit voller Kraft. Der Wagen blieb quer zum Weg stehen.
Bevor Martin seine sieben Sinne wieder beisammen hatten, wurde die Tür aufgerissen und er schaute in einen Flintenlauf. Der Mann brüllte irgendetwas auf Schwedisch. Martin verstand nichts, aber es war trotzdem klar, was der Mann wollte. Martin stieg aus und hob die Arme, Liv kroch hinter ihm aus dem Auto. Sie sagte irgendetwas zu dem Mann, der brüllte kurz zurück und Liv verstummte. Der Mann hatte einen grünen Parka an und hatte den Kragen weit hochgezogen. Außerdem hatte er eine Baseballmütze auf. Daher konnte man nicht viel von seinem Gesicht sehen. Zerzauste dunkle Haare und eine große etwas rote Nase. Der Mann winkte sie mit dem Gewehr zum Pickup. Er öffnete die Klappe über der Ladefläche und sagte etwas. Liv kletterte hinein, Martin hinterher. Sie mussten sich hinlegen, dann wurde die Klappe verschlossen.
Liv tastete nach seiner Hand und hielt sie fest. Es roch nach Mörtel und Laub, die Ladefläche war kalt. Es war vollständig dunkel.
Der Pickup fuhr an, wendete und fuhr los.
Nach wenigen Minuten wurde die Ladeklappe wieder geöffnet, der Mann führte sie ins Haus, die Treppe runter und in den Kellerraum. Er bedeutete ihnen sich auf das Bett zu setzen und sah sich im Raum um. Die Flinte war weiterhin auf sie gerichtet. Der Mann fluchte, gab dem Tisch einen Tritt, sodass dieser über die Türschwelle flog, dann verließ er den Raum. Der Schlüssel drehte sich im Schloss.
Martin und Liv sahen sich an. Liv beugte den Kopf und legte ihn an Martins Schulter. Sie weinte. Martin legte den Arm um sie.
Ihm fiel nichts ein, womit er sie trösten konnte. Die Lage war ziemlich aussichtslos.

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