28. Juni 2016

'Die Hüterin der Welten' von Sabine Schulter

Die Weltenuhr ist ein mystisches Gebilde, das die unterschiedlichen Welten und den Schleier, der sie voneinander trennt, im Gleichgewicht hält. Die Hüter in Loreen wissen das, doch Néle, die ein völlig normales Leben auf der Erde führt, ahnt davon nichts. Doch der Schleier wird immer dünner und fremde Krieger wollen sich der anderen Welten bemächtigen.

Völlig unverhofft findet sich Néle in Loreen wieder, wo sie auf Menschen trifft, die ihre Hilfe brauchen. Denn nur sie scheint die Gabe zu besitzen, den Schleier wieder zu festigen und die Welten vor der vollständigen Vernichtung zu retten.

Nun ist es an ihr, sich zu entscheiden, ob sie ihr Schicksal annimmt oder nicht.

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Leseprobe:
Zu ihrem Glück lag der Tunnel nicht vollkommen im Dunkeln, sondern Lampen erhellten ihn in regelmäßigen Abständen. Dafür war er aber mit Schotter ausgelegt, der ihr den Weg erschwerte, was ihre angekratzten Nerven nur noch mehr reizte. Wenn sie herausfand, wer dafür verantwortlich war, würde sie ihn bei lebendigem Leibe häuten, das schwor sie sich.
Aber niemand kam.
Sie lief einfach nur immer weiter den Tunnel entlang. Nach etwa einer Stunde tauchte vor ihr ein grünes Licht auf und als Néle es erreichte, taten ihr bereits die Füße weh. Vor ihr unterbrach eine Metalltür die Eintönigkeit der kahlen Tunnelwände. Darüber leuchtete ein Schild mit der Aufschrift: Exit.
„Wie praktisch“, seufzte sie und drückte die Klinke.
Es überraschte sie, dass sie nicht abgeschlossen war und sich ohne Probleme öffnen ließ. Dankbar von diesem Schotter herunter zu kommen, betrat sie den Gang, der dahinter begann. Er bestand vollkommen aus Beton und war nur zweckmäßig hergerichtet. Auch hier zeigten ihr mehrere Lampen den Weg.
Eine Weile folgte sie ihm und als sie bereits überlegte, eine Pause zu machen, sah sie vor sich ein anderes Licht als das der Glühbirnen. Neugierig trat sie darauf zu und stellte fest, dass es sich um einen Ausgang handelte. Es war eine halbrunde Öffnung und Néle erkannte dahinter das helle Grün frisch ausgetriebener Bäume.
Dieser Anblick befremdete sie, denn eigentlich war es Herbst und die Blätter sollten in allen Rottönen leuchten.
Von dieser Tatsache abgelenkt, bemerkte sie nicht, dass sich der Boden veränderte. Erst als sie über einen Stein stolperte, blickte sie hinab und sah felsigen Untergrund. Von Beton und menschlicher Arbeit war nichts zu erkennen. Atemlos wirbelte sie herum, aber der Tunnel befand sich nicht mehr hinter ihr.
„Nein!“, rief sie und hörte ihre Stimme zittern.
Das durfte doch nicht wahr sein. Halluzinierte sie vielleicht oder träumte doch noch? Sie ließ ihre Sachen fallen und eilte zu der Wand zurück, durch die sie eigentlich gerade erst getreten war. Aber sie blieb massiv und undurchdringlich. Néle konnte es sich einfach nicht erklären.
Misstrauisch blickte sie über die Schulter zu dem Ausgang der Höhle. Aber ihr blieb keine andere Wahl. Also nahm sie ihr Gepäck wieder auf und trat hinaus.
Ein wundervoller Tag empfing sie. Vögel zwitscherten in den blühenden Bäumen, die ihr saftigstes Grün zur Schau stellten. Frühlingsblumen standen zuhauf zwischen den Stämmen und die Sonne warf zauberhafte Lichtspiele auf den Boden, die sich beständig im lauen Wind veränderten. Es hätte nicht schöner und idyllischer aussehen können, wenn Néle nicht noch immer die Tatsache beunruhigt hätte, dass es eigentlich Herbst sein sollte.
Vielleicht ein Wurmloch, dachte sie mit einem Schnauben.
Sie musste unbedingt eine Straße finden, um hier wegzukommen und ihrer Schwester Bescheid geben, dass sie später kommen würde. Sie zog ihr Handy aus der Rocktasche und stand der nächsten Überraschung gegenüber: Sie hatte keinerlei Empfang.
„War ja klar“, seufzte sie resignierend, steckte das Handy wieder weg und machte sich auf den Weg. Hier rumzustehen, würde sie auch nicht weiterbringen. Vor allem da sie sich beeilen musste. Die Sonne hatte bereits den Horizont erreicht und sie wollte nicht die Nacht im Wald verbringen. Allein bei dem Gedanken verzog sie angewidert den Mund.
Sie lief und lief, aber ein Ende des Waldes war nicht zu sehen.
„Das ist heute mit Abstand der schlimmste Tag meines Lebens“, rief sie aus und ließ ihre Tasche fallen.
Ihre Schultern taten weh, genauso ihre Füße. Zudem hatte sie Durst und auch Hunger. Wenn sie jedoch eine Pause machte, würde sie in einer halben Stunde im Dunkeln sitzen, ohne weitergekommen zu sein. Aber zumindest trinken konnte sie etwas.
Sie zog eine der Flaschen hervor und wollte sie gerade aufdrehen, als ein tiefes Knurren hinter ihr ertönte. Vor Schreck erstarrte sie.
„Oh bitte, lass es kein unheimliches Tier sein“, flüsterte sie und sah über die Schulter, um gleich darauf laut zu schreien.

Im Kindle-Shop: Die Hüterin der Welten

Mehr über und von Sabine Schulter auf ihrer Website.

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