13. Juli 2016

'Neetokar: Der Weg in eine andere Welt. Die Suche' von Reinhard Kratzl

Die wunderbare Geschichte von Sarah geht weiter.

Zusammen mit ihrem treuen Freund, dem Wolf Ajax, stürzt sie sich wieder in aktuelle Abenteuer und stellt sich den vielen Gefahren, die lauern. Neue Gefährten stoßen zu der Gruppe und bereichern diese. Neue Gegner tauchen auf: Riesenspinnen, Skelettkrieger, um nur einige zu nennen.

Wird es Sarah gelingen, ihre Freundin Tyna aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien?

Dieser Band schließt nahtlos an Band 1: "Die Reise" an.

Gleich lesen: Neetokar: Der Weg in eine andere Welt (Die Suche 2)


Leseprobe:
Ajax stupste Sarah an und sagte: »Wir haben keine Zeit zu verlieren! Noch wittere ich die Spur, also sollten wir schnellstens aufbrechen.«
Betrübt stand Sarah auf, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und gab Ajax nickend recht. »Weißt du, wer so etwas Schreckliches macht?«, fragte sie mit trauriger Stimme.
»Ich habe das schon einmal gesehen, es sind Sklavenhändler. Sie ziehen durch die Welt von Nee, auf der Suche nach Wesen, die sie dann auf dem Sklavenmarkt in den Lavaebenen, verkaufen können. Die Schwachen und Gebrechlichen werden getötet, der Rest in Käfige gesteckt und mitgeschleppt«, antwortete Ajax mit ernster Stimme.
»Oh nein! Wir sollten sofort aufbrechen«, sagte Sarah und sprang auf den pelzigen Rücken von Ajax.
Ajax hielt seine Schnauze in die Luft. »Sie laufen Richtung Nordwesten und haben circa zwei Stunden Vorsprung.« Dann lief er los, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her.
Sarah hatte Mühe sich auf seinem Rücken festzuhalten. Sie dachte nur an Tyna und hoffte, dass ihr nichts passiert war. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie sie Tyna befreien konnten, aber das Wichtigste im Moment war, Sie zu finden.
Die Felder der Woogans waren recht eintönig. Weit und breit nur Getreide und verschiedene Gewächse, die Sarah nicht kannte. Es lag ein wunderbarer Duft in der Luft, aber Sarah konnte ihn nicht zuordnen.
Ajax stoppte und drehte seinen Kopf zu Sarah. »Wir kommen näher. Ich denke, in ungefähr einer Stunde haben wir sie eingeholt. Du solltest dir schon mal etwas überlegen, mit diesen Sklavenhändlern ist nicht zu spaßen.«
Sarah schaute in die Augen von Ajax und sagte dann etwas schnippisch: »Lass das nur meine Sorge sein. Wenn es soweit ist, werde ich schon wissen, was zu tun ist.«
Ajax gefiel diese Antwort zwar nicht, aber er musste es wohl akzeptieren. Mit einem unruhigen Gefühl im Magen lief er weiter. Der Geruch der Sklavenhändler lag in der Luft und Ajax hatte keine Probleme diesem Geruch zu folgen.
Der Wolf hetzte über die staubigen Felder, während Sarah – die auf seinem Rücken saß – in Gedanken versunken war. Sie dachte an die schöne Zeit mit Tyna und wollte diese wunderbare Freundin auf keinen Fall verlieren. Um sie endlich wieder in die Arme schließen zu können, musste Sarah sich das Ziel vor Augen halten: Tyna zu befreien.
Als Ajax abrupt stoppte, wurde Sarah aus ihren Gedanken gerissen. »Wir sind fast da. Etwa fünfhundert Meter vor uns, haben die Sklavenhändler Rast gemacht. Der Geruch der Feuerstellen liegt in der Luft.«
»Ich rieche gar nichts, aber ich bin auch kein Wolf!«, stellte Sarah fest und sprang von Ajax Rücken. Als ihre Füße den Boden berührten, staubte es leicht und Sarah musste niesen.
»Sei leise! Vermutlich haben sie Wachposten aufgestellt.«
»Ich kann doch nichts dafür, dass der Boden hier so staubig ist!«, erwiderte Sarah etwas genervt.
Geduckt schlich sie so leise, wie es ging, in die Richtung, die Ajax ihr gezeigt hatte. Als sie ganz in der Nähe des Rastplatzes angekommen waren, hörten sie raue Stimmen. Die Sklavenhändler hatten ihr Lager unter einem kleinen Abhang aufgeschlagen. Sarah kroch langsam zum Rand des Abhanges und schaute angestrengt hinunter. In der Mitte des Platzes brannten einige Lagerfeuer und rundherum saßen sie. Tranken, aßen und unterhielten sich lautstark.
Am äußeren rechten Rand konnte Sarah Wagen mit Käfigen sehen, in denen die Gefangenen zusammengedrängt lagen. Zwei Wachen gingen abwechselnd an den Wagen auf und ab. Diese Sklavenhändler waren wirklich furchteinflößend anzusehen. Sie waren mindestens zwei Meter groß, hatten dunkle – fast schwarze – Hautfarbe. Kahle Köpfe, allerlei Tätowierungen und vor allem viele Muskeln, ließen sie gefährlich erscheinen. Bekleidet waren sie mit roten Lederrüstungen und einige von ihnen hatten Bögen um den Oberkörper geschnallt. Die zwei Wachen hatten jeweils eine mächtige Holzkeule in der Hand, die im vorderen Bereich glänzende Metallstücke eingearbeitet hatten und gefährlich blitzten.
»Was machen wir nun?«, wollte Sarah wissen und drehte sich zu Ajax um.
»Gute Frage! Mit diesen Keulen und Pfeilen möchte ich nicht unbedingt Bekanntschaft machen. Wir sollten uns etwas überlegen, wo wir einen direkten Angriff vermeiden können.«
»Da hast du sicher recht, aber ...«
Als sich Sarah zu Ajax umdrehte, um zu ihm zu schleichen, verlor sie das Gleichgewicht, konnte sich nicht mehr rechtzeitig festhalten und rutschte mit lautem Getöse den Abhang hinunter. Wie eine Lawine aus Steinen und Wurzeln, bahnte sie sich ungewollt ihren Weg. Unten angekommen überschlug sie sich noch einmal und kam vor einem Lagerfeuer zum Liegen. Die Sklavenhändler sprangen hektisch auf. Einer von ihnen packte Sarah unsanft am Arm und hob sie gewaltsam hoch.
»Wen haben wir denn da? Eine freiwillige Sklavin!«, schrie er und alle begannen lauthals zu lachen. Der Anführer der Sklavenhändler kam heran und musterte Sarah von oben bis unten. Er wirkte noch riesiger, als die anderen und hatte einen spitzen Knochen in seiner Nase. Glänzende goldene Ringe hingen an seinem Ohr, die so groß wie Sarahs Handfläche waren.
»Viel ist an der aber nicht dran, aber egal. Putzen und kochen wird sie schon können.« Hämisch lachend grinste er Sarah an. »Sperrt die Kleine zu den anderen in den Käfig«, befahl er schließlich.
»Moment mal! Ich bin keine Sklavin und ich bin schon gar nicht hier, um in einen Käfig gesperrt zu werden«, zischte Sarah lautstark. Sie war wütend. Ihre eigene Dummheit hatte sie in diese ungute Situation gebracht. Der Anblick der Sklavenhändler flößte ihr Angst ein, aber das wollte sie diesen miesen Typen nicht zeigen. »Nein? Warum bist du dann hier? Willst du es alleine mit uns allen aufnehmen?«, fragte der Anführer lachend und steckte damit die anderen an.
»Ich bin hier um die Sklaven zu befreien und wenn es sein muss … dann ja, dann nehme ich es mit euch allen auf!«
Den Anführer schien das nicht wirklich zu beeindrucken. Er konnte dieses Mädchen nicht ernst nehmen, also drehte er sich um und wollte zurück in sein Zelt. Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Sarah ihm einen Tritt in seinen Hintern gab. Wütend drehte er sich wieder um und schlug Sarah mit dem Handrücken ins Gesicht. Diese wurde durch den wuchtigen Schlag bewusstlos und sackte zusammen.
»Sperrt diese dreiste Göre endlich in den Käfig!«, schrie er vor Wut und ging in sein Zelt.
Als Sarah langsam wieder zu sich kam und die Augen aufschlug, schmerzte ihr ganzer Kopf. Dieser brutale Typ hatte ihr wirklich einen ordentlichen Schlag verpasst. Eine der gefangenen Woogans, die mit ihr im Käfig saß, sagte respektvoll: »Ohh, du mutig sein, aber das sein sehr dumm!«
Sarah schaute sich um. Tyna war nicht in diesem Käfig, also musste sie in einem der anderen Käfige sein. In ihr brodelte die Wut über diese Sklavenhändler. Wie konnte man es nur zum Geschäft machen, Menschen zu jagen, deren Häuser zu verbrennen und diese dann als Sklaven zu verkaufen.
In diesem Moment sah Sarah aus dem Augenwinkel, wie Ajax heranstürmte und die Wache vor ihrem Käfig mit einem kräftigen Sprung anfiel. Die Wache landete mit einem dumpfen Schlag am Boden und Ajax biss zu – direkt in seine Kehle. Die letzten Laute der Wache verstummten sehr schnell. Die zweite Wache stürmte heran und ließ die Keule auf Ajax heruntersausen. Blitzschnell sprang er zur Seite und die Keule schlug ein kleines Loch in den Boden. Dann attackierte Ajax ihn und biss ihm in seinen Waffenarm. Ein lauter Schmerzensschrei war zu hören und alarmierte die anderen Sklavenhändler.
»Ein Wolf, ein riesiger Wolf«, hörte man sie schreien.
Nur einen kurzen Augenblick später spannten sie die Bögen und Pfeile flogen heran. Das Holz splittere, als einige davon in den Wagen einschlugen. Ein Pfeil traf die Woogan neben Sarah in die Schulter. Diese schrie laut auf und sackte mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Der letzte Pfeil traf Ajax, der daraufhin laut aufheulte und hinkend davonlief.

Im Kindle-Shop: Neetokar: Der Weg in eine andere Welt (Die Suche 2)

Mehr über und von Reinhard Kratzl auf seiner Website.



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