5. August 2016

'Meine beiden Leben - Der Anfang vom Ende' von J.J. Winter

Vor zwanzig Jahren lernte Jess unter mysteriösen Umständen den faszinierenden Vampir Christoph Ledoux kennen. Mit höchster Raffinesse umgarnte er sie und rang ihr das Versprechen ab, nach ihrem Tode für immer die Seine zu werden. Eine folgenschwere Entscheidung, wie sich herausstellte, denn ihr menschliches Leben nahm daraufhin einen vollkommen anderen Verlauf.

Nun aber ist der Moment gekommen, dieses Versprechen einzulösen, denn Jess sitzt in einem Flugzeug, das unweigerlich abstürzen wird. Mit einer riskanten Aktion sorgen Christoph und der Todesengel Raphael dafür, dass sie die Wandlung tatsächlich vollziehen kann, doch ihre neue Existenz als Vampirin und die ewige Liebe zu Christoph sind von drohendem Unheil überschattet. Im Hintergrund zieht jemand sämtliche Register, um Jess zu vernichten – und dieser Jemand ist mächtig, skrupellos und äußerst gefährlich. Ein verzweifelter Kampf gegen einen gesichtslosen Feind beginnt …

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Leseprobe:
Ja, es war eine unausweichliche Tatsache, das wurde ihr in diesem Moment klar. Das Flugzeug wird abstürzen, und alle an Bord werden dabei ums Leben kommen.
Das erkannte sie an dem Blick, mit dem er sie ansah. Er war einerseits ruhig und besonnen, andererseits in freudiger Erwartung und aufgeregt. Für ihn war es das Ziel seiner Träume, das Ende einer sehr langen Wartezeit. Nun würde sie bald ihm gehören. Für immer und nur ihm.
Seine Ruhe und Gelassenheit übertrug sich auf Jess, die das Unvermeidbare zu akzeptieren begann. Ihr Blick schweifte über die Gesichter der Fluggäste in ihrer Nähe, die nicht ahnten, was auf sie zukam. Einige wirkten etwas beunruhigt wegen der schweren Turbulenzen, die ihre Maschine gerade durchflog, und andere schienen alles einfach hinzunehmen. Geradeso, als würden sie sich zurücklehnen und Frieden mit der Welt schließen.
Ihr blieb noch eine halbe Stunde. Was sollte sie tun? Toben, schreien, weinen?
Nein, so soll mein Leben nicht enden, entschied Jess ruhig .

***

Als sie vor einer Stunde in das Flugzeug gestiegen war, schien die Welt noch in Ordnung. Die letzten vier Tage waren die schönsten seit Langem gewesen.
Jess befand sich auf dem Rückflug von der Hochzeit ihrer Freundin Hetty, die mit ihrem frischgebackenen Ehemann Cloud in einem kleinen Vorort von Paris wohnte. Die Freundinnen hatten sich schon über zehn Jahre nicht mehr gesehen und entsprechend groß war die Freude über die Einladung gewesen. Es war so aufregend! Eine Hochzeit in Paris, der Stadt der Liebe ... Auch wenn ihr selbst nicht so viel Glück beschieden gewesen war; ihr Ehemann hatte sie vor dreizehn Jahren wegen einer Jüngeren verlassen.
Alle hatten bezweifelt, dass Hetty, die schon siebenundvierzig war, jemals in den Stand der Ehe treten würde, und nun war sie als Einzige der vier ehemals besten Freundinnen glücklich verheiratet.
Maria lebte zwar mit ihrem Mann Peter im selben Haus, aber mehr verband die beiden nicht mehr miteinander. Als die Kinder größer wurden und schließlich ihre eigenen Wege gingen, zog er in eines der leeren Kinderzimmer. Aus dem anderen wurde ein Fernsehzimmer, für ihn ganz allein. Er vergaß einfach, dass er verheiratet war, und Maria nahm es hin.
Sarah ließ sich nach nur drei Jahren Ehe von ihrem Mann Robert scheiden. Wegen „unüberbrückbarer Differenzen“, wie es offiziell hieß. In Wahrheit war der Zauber im Schlafzimmer verschwunden. Anfangs stellte Sarah es sich herrlich vor, immer nur mit demselben Mann zusammen zu sein. Sie würde seine Vorlieben kennen, seine Bedürfnisse, und könnte sich vollkommen auf ihn einstellen. Schon bald aber verlor sie das Interesse an dem stetig gleichen Trott und suchte anderweitig Abwechslung. Die Scheidung der beiden war für alle eine Erlösung, auch für die Freundinnen.
Und Jess? Ja, sie war noch verheiratet, aber nur auf dem Papier. Bald nachdem ihr Mann Alex einen unerwarteten beruflichen Aufschwung erlebt hatte, musste sie feststellen, dass er sie betrog. Nicht nur das eine Mal, als sie ihn in flagranti mit seiner rothaarigen Sekretärin im Büro erwischt hatte, sondern schon all die Jahre zuvor nutzte er jede Gelegenheit, die sich für ein Abenteuer bot.
Vor dreizehn Jahren war er dann ausgezogen. Er wohnte jetzt in einem netten kleinen Haus auf der anderen Seite der Stadt, mit seiner neuen, fünfundzwanzig Jahre jüngeren Freundin. Die Scheidung wurde nie eingereicht. Dazu fehlte ihnen der Mut. Aber sie wussten beide, dass es nie wieder ein „Jess und Alex“ geben würde. Das war völlig klar.

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