22. September 2016

'Die kleine Inselfinca' von Jana Fried

Chance ihres Lebens oder hastige Flucht? Diese Frage stellt sich Maike, als sie Deutschland von jetzt auf gleich verlässt.

Ihr Freund hat sie betrogen. Und das ausgerechnet mit ihrer besten Freundin. Deshalb nimmt sie kurzerhand die Erzieherstelle im Juniorclub eines mallorquinischen Hotels an und bucht einen Flug. Doch obwohl auf ihrer Trauminsel ständig die Sonne scheint, kommen trübe Gedanken auf. Glücklicherweise lernt sie Senora Gonzales kennen, eine alte Frau, die alleine und zufrieden auf ihrer Finca wohnt und dort den besten Ziegenkäse der Insel herstellt. Die herzliche, alte Dame zeigt ihr das wildromantische Lebensgefühl Mallorcas, abseits von Hotels und Tourismus. Bei ihr fühlt Maike sich wohl, und die Ratschläge der lebenserfahrenen Frau kann sie gut gebrauchen. Da gibt es den schönen Hoteldirektor, der Maike mit seinem spanischen Charme verführen will. Der reumütige Ex- Freund kämpft um ihre Liebe. Und da ist Jonas, ein verwitweter Schriftsteller, der mit seiner vierjährigen Tochter die Ferien im Hotel verbringt.

Schon bald bemerkt Maike, dass die Insel ihre neue Heimat werden könnte. Aber für ein dauerhaftes Glück braucht sie einen Plan, der über die Anstellung im Hotel hinausgeht.

Kurze Zeit für 2,99 erhältlich - später 3,99 Euro.

Gleich lesen:
Für Kindle: Die kleine Inselfinca: Liebesroman
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Heute pfiff ein strenger Wind über die Dünenbrücke und das Meer wirkte dunkler als sonst. Überall blitzten die weißen Schaumkronen brechender Wellen und am Himmel trieben Quellwolken vorüber.
»Das sieht nach Unwetter aus«, sagte Maike, die das Gefühl hatte, als läge der Geruch von Regen bereits im Wind.
»Kann auch ganz schnell vorbeiziehen«, sagte Jonas.
Lisa ging vorneweg, Jonas und Maike bildeten den Schluss der Gruppe. Es waren heute bloß neun Kinder, und da der Strand beinahe menschenleer war, würde es einigermaßen leicht sein, sie alle im Blick zu behalten. An einem Sommertag mit Gedränge hätte Maike es sich trotzdem nicht zugetraut, mit neun fremden Kindern an den Strand zu gehen. Wie schnell ein Kind auf die Idee kommen kann, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden, hatte sie in ihrem Job schon oft genug erlebt, und auch wenn es meist bloß ein paar Augenblicke waren, bis man das verlorene Schäfchen wieder gefunden hatte, hier am Wasser wollte sie diese Augenblicke nicht erleben. Aber Lisa hatte schon reichlich Erfahrung in dieser Umgebung. Mit einem Stock zeichnete sie ein großes Rechteck in den Sand, es war vielleicht zwanzig Meter breit und zehn Meter hoch, schätzte Maike. »Keiner verlässt diesen Raum«, sagte sie zu den Kindern. »Wenn einer von euch zur Toilette muss, oder wenn jemand Hunger hat, immer erst zu mir oder Maike gehen und Bescheid sagen. Niemand verlässt das Viereck, verstanden?« Einige Kinder nickten, bei anderen musste Lisa nochmal nachfragen, aber schließlich schien allen die Regel klar zu sein. Nach und nach bildeten sich Grüppchen. Ein paar Jungs fingen an ein Loch zu graben, während einige Mädchen Muscheln und Steine in ihren Eimern sammelten. Bloß Nora blieb, gemeinsam mit Professor Kunda, dicht bei Maike und ihrem Vater sitzen und sah nachdenklich aufs stürmische Meer hinaus.
»Du kannst ruhig mit den anderen spielen, Nora, ich gehe nicht weg, ohne mich zu verabschieden.«
Nora reagierte zuerst nicht, bloß die Nachdenkfalte zwischen ihren Augenbrauen wurde tiefer. Dann sah sie Maike direkt an und sagte: »Du sollst weg!«
»Ich soll weg?«
»Ja.«
»Aber wo soll ich denn hin, ich muss doch hier meine Arbeit machen und auf die Kinder aufpassen.«
»Du sollst nicht so mit meinem Papa hier sitzen.«
»Aber wir können doch hier sitzen und reden«, sagte Jonas und sah seine Tochter fragend an.
»Aber wenn die Mama das sieht, wird sie bestimmt ganz traurig«, sagte das Mädchen und ihre Mundwinkel bogen sich nach unten.
»Ach, mein Schatz. Nein, nein, nein, warum sollte die Mama was dagegen haben?«
»Weil sie bestimmt lieber neben dir sitzen will.«
Maike sah, wie Jonas versuchte, die Fassung zu wahren, aber sie konnte sich gut vorstellen, wie schwierig das sein musste, denn sie selbst spürte bei Noras Worten den Druck der Tränen hinter ihren Augen.
»Aber die Mama sitzt doch sowieso die ganze Zeit hier bei uns, das weißt du doch.«
Nora nickte, die Mundwinkel immer noch nach unten gebogen, kämpfte sie gegen die Tränen.
Maike spürte ihr Herz klopfen. Sie wollte nichts Falsches sagen, aber sie hatte den Drang, die Worte auszusprechen, die ihr auf der Zunge lagen. »Deine Mama wird immer deine Mama sein, ganz egal, mit wem dein Papa irgendwo sitzt, das ändert daran nichts, verstehst du?«
Nora sah sie bloß an.
»Und ich fand es wirklich toll, dass du einfach gesagt hast, was dir auf dem Herzen liegt. Das ist nämlich manchmal gar nicht so einfach, stimmt’s?«
Nora nickte.
»Aber es ist unheimlich wichtig, dass man sagt, was man fühlt. Sonst frisst man alles in sich hinein, bis man einen ganz dicken Klumpen im Bauch hat wie wenn man drei Packungen Kaugummi runterschluckt.«
Jetzt nickte Nora zaghaft und ein mildes Lächeln legte sich ihr Gesicht. »Und wenn man den Kaugummi ausspuckt, ist das besser«, sagte sie.
»Ganz genau«, sagte Maike, woraufhin Nora aufstand und zu den Muschelsammlerinnen watschelte.
Jonas sah Maike mit einem warmen Blick an.
»Das hast du schön gesagt.«
»Das mit dem Kaugummiklumpen?«
Er nickte. »Ziemlich literarisch.«

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