30. September 2016

'Die Raumwanderin' von Selena M.

Dies ist die Geschichte von Noál, einem jungen Mann in einer anderen Welt, in der Telepathie und übernatürliche Fähigkeiten zum Leben dazugehören. Und es ist die Geschichte von Vivien, der Raumwanderin, die auf rätselhafte Weise von unserer Welt dorthin gelangt. Doch die Geschichte der Raumwanderer ist auf dem Zwergplaneten Áneth durchaus bekannt. Allein Vivien bereitet ihre Ankunft große Probleme, angefangen von Missverständnissen in der Sprache bis hin zu der etwas geringeren Schwerkraft. Mystik, Magie und Übernatürliches kennt sie lediglich vom Fernsehen oder Romanen.

Noál, der jüngste Sohn des Vorstehers der Lichtgestalter, selbst ein Sonderling unter seinesgleichen, zeigt sich aufgeschlossen und interessiert an der jungen Frau, bis sein Interesse in Liebe umschlägt. Gleichzeitig wird das Land von Eindringlingen bedroht, die über das Meer segeln, um neue Gebiete zu erobern. Die Friedfertigkeit der Bevölkerung in Keshenja scheint ihnen nun zum Verhängnis zu werden.

In all den Wirren trifft Noál eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend verändern wird.

Aus den Chroniken von Aneth - Band 1.

Gleich lesen: Die Raumwanderin (Aus den Chroniken von Aneth 1)

Leseprobe:
Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte ich Kenath, der mit einem Mal den Kopf hob und die Ohren spitzte. Farred verharrte ebenfalls in seiner Bewegung, als lausche er angestrengt auf etwas.
Und plötzlich fühlte ich es. Etwas oder jemand war hinter meinem Rücken, obwohl noch zu weit entfernt, um eine unmittelbare Bedrohung darzustellen. Ohne mich umzudrehen, suchte meine Hand den Griff meines Schwertes, welches direkt neben mir am Boden lag. Allein Vivien saß seelenruhig mir schräg gegenüber und spielte abwesend mit einer ihrer Haarlocken. So unwissend und unschuldig wie sie auf der Decke hockte, würde sie uns kaum eine Hilfe sein. Noch immer hörte ich nichts. Allerdings fühlte ich es nahen, und in Gedanken rief ich Farred zu, aufzuspringen.
Wir bewegten uns mit einer Geschwindigkeit, dass Vivien nicht einmal wahrnahm, dass wir überhaupt aufgesprungen waren. Dabei lagen bereits unsere Waffen in der Hand und sahen in die Richtung des vermeintlichen Angreifers. Kenath war ebenfalls auf den Beinen und knurrte drohend mit fletschenden Zähnen. Ich trat einen Schritt zurück, obwohl außer einer dichten schwarzen Wand, die langsam auf uns zukam, nichts zu sehen war.
„Sie sind hier,“ hauchte Farred, die Augen erschrocken auf diese undurchdringliche Finsternis gerichtet.
Im Hintergrund hörte ich Vivien leise aufschreien. Vor Schreck oder Furcht konnte ich nicht sagen. Konzentriert starrte ich in die Wand hinein, ohne irgendetwas darin oder dahinter zu erkennen.
Nie zuvor in meinem Leben hatte ich etwas Derartiges gesehen. Das hier war nicht die sanfte Dunkelheit einer sternlosen Nacht. Auch mit dem unheimlichen Dunkel einer Höhle ließ es sich nicht vergleichen. Diese Schwärze war so unglaublich dicht, als hätte man der unmittelbaren Umgebung jeglichen Funken Licht geraubt. Fasziniert betrachtete ich die unerklärliche Erscheinung. Neugierig überlegte ich, ob meine Hand wohl in dieser Wand versinken würde, würde ich sie dort hineinhalten. Allein die Vorsicht ließ mich einen weiteren Schritt nach hinten ausweichen, das Schwert noch immer kampfbereit in der Hand.
„Eure Waffen nützen Euch hier nichts,“ drang eine samtweiche, melodische Stimme aus dem Dunkel, “legt sie ab, denn Euch droht keine Gefahr, solange ihr freiwillig mit uns kommt.“
„Wer seid Ihr?“ richtete ich mein Wort gegen jemand, der sich in oder hinter dieser Wand versteckt hielt.
„Mein Name ist Anneâthea vom Volk der Finsternis. Dies ist unser Wald, und wir sind seine Hüter.“
„Zeige dich, so lege ich mein Schwert nieder.“
„So sei es.“
Achtsam, noch immer meinen Blick auf die Wand gerichtet, ging ich in die Hocke, um meine Waffe auf den Boden zu legen. Aus dem Dunkel schälte sich eine Gestalt, so hellen Teints und schlohweißen Haares, dass ich nahezu vergaß, mich wieder zu erheben. Die Kleidung war von erlesenen Stoffen, in hellem Blau und von einem bodenlangen, silbrig weißen Mantel umhüllt. Selbst Farred und Vivien hielten den Atem an, sobald uns der junge Mann in all seiner Pracht gegenüberstand.
Verwundert neigte ich den Kopf und starrte das Wesen unverhohlen an:
„Ihr seid ein Meister der Finsternis?“
„Was habt Ihr erwartet, Herr Noál, Sohn des Headan der Che~Lenja? Ein zähnefletschendes Ungeheuer? Wir beherrschen das Dunkel, Euer Volk das Licht. Und doch sind wir desselben Ursprungs. – Kommt, Eure Tante erwartet Euch bereits. Euer Kommen wurde heute Morgen angekündigt.“
„Von wem?“
„Dies zu sagen ist nicht meine Aufgabe. Folgt mir! Um Eure Habseligkeiten werden sich meine Begleiter kümmern.“

Im Kindle-Shop: Die Raumwanderin (Aus den Chroniken von Aneth 1)

Mehr über und von Selena M. auf ihrer Website.



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