18. September 2016

'Sushi & Weißbier' von Veronika Lackerbauer

Wieder geht es auf kulinarische Reise in die bayerische Provinz. In drei Gängen serviert "Sushi & Weißbier" erneut Spannung, Überraschung, Witz und eine Prise deftige Heimatliebe.

Im zweiten Teil der Reihe "Kriminalgeschichten aus der bayerischen Provinz" gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus "Hugo & Leberkäs", aber auch viel Neues zu entdecken. Die Mischung macht's: exotisch wie Sushi & traditionsbewusst wie Weißbier!

Gleich lesen:
Für Kindle: Sushi & Weißbier: Kriminalgeschichten aus der bayerischen Provinz - Band 2
Für Tolino: Buch bei Thalia




Leseprobe:
„Magst du noch ebs von der Guacamole?“, fragte Veitls Frau, statt auf seine Ausführungen einzugehen, und hielt ihm das Schälchen mit der bräunlich-grünen Paste hin.
Veitl verzog das Gesicht, fuhr dann aber doch mit der Messerspitze in die Glasschale und strich sich die Guacamole auf sein Vollkornbrot.
„Was is'n des eigentlich, a Gurkenmole?“, fragte er, obwohl er nicht sicher war, ob er die Antwort hören wollte. Die kulinarischen Experimente seiner Frau waren ihm ebenso suspekt wie Kollege Sonnbichler.
„Eine Gu-a-ca-mole ist eine spanische Spezialität. Des Rezept hat ma d'Berndorfer Resi gegebn, des hat die direkt aus Spanien! Der ihra Tochter is doch in Barcelona verheirat“, erklärte Margarete nicht ohne Stolz.
„Aus Spanien. Aha. Also so a spanischer Schinken oder sowas, des wär mir halt lieber ...“
Veitl traf ein strafender Blick.
Schnell beeilte er sich, von seinem Brot abzubeißen. Unter heftigem Kauen erklärte er: „Naa, aber schmeckt ja a gut. Doch ehrlich, Gretel. I hab's ja immer ned so mit deinen Öko-Sachen da. Aber des Gurkenzeug is ganz okay.“
„Da is aber keine Gurke drin, sondern Avocado“, konterte Margarete.
Das Telefon unterbrach die eheliche Kabbelei.
„Wer is'n jetzt des wieder? I hob heid frei!“, knurrte Veitl mit vollem Mund. „Glaubst, des hab i vielleicht dick, wenn ma ned amoi am Wochenende sei Ruha hod!? Und dann a no beim Essen, glaubst'as.“
Margarete erhob sich, um den Anruf entgegenzunehmen. „Des kann der ja nicht wissen, dass wir grad essen. Außerdem, wenn's nach dem gehn würdt, dann kannt bei uns nie jemand anrufn, weil du bist ja allerweil am Essen!“
„Veitl?“, meldete sie sich am Apparat. „Ja, an Moment bitte, wir essen grad. Ich hol ihn.“
Veitl beeilte sich runterzuschlucken und sah seine Frau triumphierend an, die ihm das schnurlose Telefon hinhielt und ihm scherzhaft die Zunge rausstreckte.
„Polizeiinspektion eins, Schöninger“, meldete sich Veitl, immer noch feixend.
„Sei du froh, dass'd bei uns heraußen bist und ned in München drin. I weiß scho, i stör scho wieder beim Essen, gell, Flori? Tut mir leid, aber ich brauch dich ganz dringend.“
Es war Veitls Vorgesetzter Hierl.
„Was is'n scho wieder? Passt was mit dem Protokoll ned?“, fragte Veitl hörbar genervt.
„Nein, nein, des passt scho. Es is wegen der Sache vom Sonnbichler ...“
Veitls Faust knallte auf die Tischplatte, sodass sein Teller einen klappernden Sprung machte. Margarete zuckte erschrocken zusammen.
„Kreizkruzefix noch amal. Kann der Depp ned einmal was allein machen? Was is denn jetz scho wieder mit dem?“
„Des musst du dir bitte selber anschauen. Und beruhig dich, wenn du des siehst, wirst versteh, wieso i den da ned allein damit lassen will. Bitte, Flori ...“
Veitl knurrte etwas Unverständliches, dann ließ er sich die Daten durchgeben.
Im Aufstehen sagte er zu seiner Frau: „I muss noch mal weg. I kann dir gar ned sagen, wie mir des stinkt. Jetzt hab i scho wieder de Arbeit vom Sonnbichler am Hals. Als ob i sonst nix zum tun hätt. Aber des eine sag i dir, wenn de nächste Beurteilung ansteht, dann werden de Herrschaften mi endlich berücksichtigen, sonst können's mich amal kennenlernen!“
Margarete stand ebenfalls vom Tisch auf und beeilte sich, ihrem Mann seine Brotzeit einzupacken. Man wusste ja bei diesen Einsätzen nie, wie lang sie gehen würden. Und weil er sich gar so aufregte und ärgerte, packte sie ihm noch eine Scheibe von dem Geräucherten ein, das er so mochte.

Veitl traf am Seeufer ein, wo bereits ein Schlauchboot der Wasserwacht startklar gemacht wurde. Zwei Berufstaucher in Neopren standen im seichten Wasser.
Am Ufer warteten ein Kollege der Spurensicherung, der Gerichtsmediziner Mohsani und der unvermeidbare Sonnbichler. Veitl gesellte sich zu den Kollegen.
„Und? Was hamma jetzt da?“, fragte er, ohne jemanden direkt anzusprechen.
„Wie's ausschaut hamma a Leich“, erklärte Mohsani sachlich.

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Mehr über und von Veronika Lackerbauer auf ihrer Website.



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