22. Oktober 2016

'Neun Monate' von Jaqueline Spexard

"Was ist nur los mit ihr? Ständig antwortet sie nur mit 'nichts'!" Chris merkt, dass Zoe, seine Freundin, sich nicht wohl fühlt. Doch Zoe verrät nicht ihr wahres Problem, stattdessen holt sie nur ihre attraktive Freundin Teresa in die gemeinsame Wohnung. Ein Spiel aus Lügen, Intrigen und Machenschaften beginnt. Jede Figur glaubt das Schicksal auf ihrer Seite zu haben ...

Eine Geschichte mit Wendungen und überraschendem Ausgang. Nichts ist wie es scheint ...

Die Kurzgeschichte spielt in Berlin und in den Köpfen der drei Figuren. Sie regt zum Nachdenken an und zeigt auf, wozu Menschen fähig sind. Lassen Sie sich entführen in die Welt dreier Liebender, die glauben alles richtig zu machen und dadurch nur alles verschlimmern.

Lesermeinung: "Wie in einem guten Krimi weiß man bis zum Schluss nicht, was wirklich passiert. Spannung pur!"

Gleich lesen: Neun Monate

Leseprobe:
Was ist nur los mit ihr? In letzter Zeit hat sie diesen nachdenklichen Blick. Immer mal wieder. Ich hasst es, wenn Frauen das haben. Wenn ich sie dann frage was los ist, kommt das obligatorische "Nichts".
Machen wir doch einfach mal den Test. Ich frage vorsichtig: "Ist alles gut Zoe, Schatz?"
Sie schaut immer noch nachdenklich. Hat mich nicht gehört. Hm..., wir haben es hier wohl mit einem schwereren Fall als sonst zu tun. Ich frage noch mal: "Schatz?"
Endlich sagt sie: "Ja?!"
"Was hast du Schatz? Was ist los?", frage ich erneut.
Sie schaut aus ihren Gedanken erwachend auf. Irgendwie wirkt sie aufgewühlt, doch überdeckt sie es mit einem schiefen Lächeln. Endlich sagt sie: "Nichts. Es ist nichts."
Bingo! Da haben wir es. Als Mann habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder nehme ich ihr "Nichts" an und warte 5 bis maximal 24 Stunden. In dieser Zeit wird sie sich leise wie ein Luftballon im Chemieunterricht mit Wasserstoffgas füllen. Eine gefährliche Situation. Denn ohne es zu wissen, werde ich die kleine Flamme sein, die alles zur Explosion bringen wird, wenn ich nämlich ungewollt in dieser Zeit wieder etwas "Falsches" tue oder sage. Die Explosion wird dann immens. Gerade zu atombombengleich. Natürlich gelten auch hier die physikalischen Gesetze. Umso länger die Wartezeit, umso schlimmer dei Explosion.
Selbstverständlich habe ich noch die Option zwei. Diese verlangt eine gewisse Ausdauer und das Akzeptieren, dass die Wissenschaft viel Phänomene noch nicht erklären kann. Oder besser gesagt: das Denken einer Frau noch nicht erklären kann. Bei dieser Option entscheidet der Mann sich dafür bis um Umfallen nach dem Grund für das "Nichts" zu fragen. Diese Methode führt zu einem schnelleren Ergebnis, doch leider bleibt die Explosion nicht aus. Sie ist wie das Amen in der Kirche schon garantiert. Allerdings fallen diese Explosionen meist deutlich schwächer aus, denn die Auffüllzeit wird hier auf maximal 1-3 Stunden minimiert. Die Anstrengung des Fragens ist jedoch purer Stress für mich und daher nicht unbedingt angenehmer.
Bringen wir es also auf den Punkt: In maximal 24 Stunden werden wir uns streiten. Da aber in ziemlich genau 23 Stunden das Finalspiel der Champions-League auf dem Plan steht und ich dieses Spiel einfach nicht verpassen möchte, entscheide ich mich für Option zwei.
Los geht's... Ich hole tief Luft, um Zoe geduldig Löcher in den Bauch zu fragen. Doch plötzlich schaut sie mich an. Sie sieht aus, als hätte sie etwas entschieden. Kommt auf mich zu. Umarmt mich. Schaut mir sehr tief in die Augen und spricht:
"Chris, Lieblind, ich muss noch einige Sachen für Paris kaufen. Du weißt ja: aus so einer französischen Vernissage muss man auch französisch wirken, sonst wird man nicht ernst genommen.", sie lacht.
"Achso... bevor ich es vergesse, wenn ich aus Paris wiederkomme, holen wir gleich Teresa vom Bahnhof ab. Sie kommt uns besuchen und bleibt für 3 Monate. Ich werde ihr gleich mal das Bett im Gästezimmer einrichten. Ich hoffe, das ist ok für dich?"
Äh... wie jetzt? Mein Kopf muss diese Information erst einmal verarbeiten. Wie Teresa? Reden wir von der Teresa, der besten, braunhaarigen Freundin von Zoe? Die Teresa, die eine Figur hat, die einfach jeden Mann in Wallung bringt? Die Teresa, - halb Polin, halb Kubanerin - die kurz gesagt einfach nur rassig ist? Diese Information allein entfacht in mir eine Dynamit-Zündschnur. Gerade jetzt soll sie kommen. Jetzt, wo Zoe in letzter Zeit schlecht gelaunt ist und wir im Bett eine leichte Flaute haben?
Eines ist sicher. Ich liebe meine Freundin. Ich bin stolz sie vorzuzeigen, denn sie ist nicht nur hübsch. Sie ist auch eine starke und intelligente Frau. Eine Künstlerin, die sich in der Szene einen Namen gemacht hat. Oft in den Medien betitelt als: "Blonder Engel: Zoe Arden!" Das ist sie auch. Eine starke Persönlichkeit, die weiß was sie will und hinter ihrem Mann steht, also mir. Mit ihr kann ich lachen und einfach nur ich sein. Das Schicksal muss es gut mir mir meinen: Sie ist die Frau, die ich heiraten und mit der ich Kinder zeugen werde.
"Warum soll Teresa hier wohnen? Die ist doch Ärztin. Gibt es in Berlin keine Hotels mehr oder was?, frage ich schließlich.
"Es ist doch schöner, wenn sie bei Freunden wohnen kann."
"Aber was wird sie denn hier machen? Du weißt doch, dass ich jetzt die Projektphase vorbereite. Gerade für diesen Kunden wird die Unternehmensberatung stressig. Ich werde meine Ruhe brauchen.", erwidere ich, um hoffentlich doch noch die Gefahr abzuwenden.

Im Kindle-Shop: Neun Monate

Mehr über und von Jaqueline Spexard auf ihrer Website.



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