30. November 2016

'Meddjn: Tagebuch einer Magierin' von Selena M.

Es ist die Geschichte von Meddjn, einer jungen Lichtgestalterin von dem Zwergplaneten Áneth. Mehr als hundert Jahre sind vergangen, seit die Raumwanderin mit Meddjns Onkel Noál in die andere Welt ging und sie zurückließ. In dieser Zeit lernte das Mädchen bei der Magierin Melhanea alles, was für das weitere Schicksal Keshenjas unumgänglich war. Die Zeit drängte, da Melhanea des langen Lebens überdrüssig, der jungen Lichtgestalterin gerade einmal das Notwendigste beibrachte, um große Zauber zu meistern und sich Hilfe aus der Welt der Raumwanderer holen zu können.

Nur zwei Jahre nach dem Ableben der Meistermagierin steht Meddjn vor ihrer größten Herausforderung. Eine Blutmagierin treibt in den südlichen Gefilden ihr Unwesen und strebt nach Macht und Unterdrückung aller freien Völker. Die Situation scheint aussichtslos, und nur mit Hilfe einiger Gefährten macht sich die junge Magierin auf in den Süden, um ihrer Gegnerin die Stirn zu bieten. Ein Abenteuer beginnt, in der Magie und Fähigkeiten ebenso gefordert werden, wie die Freundschaft und Liebe, die sich unter den unterschiedlichen Gefährten zu entwickeln beginnt.

Mit Meddjn, Tagebuch einer Magierin, entstand ein Fortsetzungsroman von 'Der Raumwanderin', der in diesem Fall von Meddjn erzählt wird. Doch im Gegensatz zu Noál, dessen Ausdruck immer etwas verträumt wirkt, berichtet Meddjn über ihr Abenteuer in einem etwas lebhafteren Stil, was ihrem jüngeren Alter entspricht. Aus dem wissbegierigen, fröhlichen Mädchen ist eine junge, ernsthafte Frau geworden, deren Ausbildung zur Magierin in zu kurzer Zeit absolviert worden war. Einige kleinere Missgeschicke bleiben nicht aus, wobei es gerade diese sind, die sie nach so vielen Jahren zu der Liebe führt, nach der sie sich insgeheim schon seit langem gesehnt hat.

Gleich lesen: Meddjn: Tagebuch einer Magierin (Aus den Chroniken von Aneth 2)

Leseprobe:
Die letzten Worte hatte ich mit jenem finsteren Blick in seine Richtung gesprochen, dass sich der junge Re~Heresh wortlos in seinen Stuhl sinken ließ. Grimmig ließ ich meinen Blick von einem zum anderen wandern. Ein jeder der Ratsmitglieder ahnte, dass sich mit meinem ersten offiziellen Auftritt die Dinge von nun an ändern würden. Außer Manael und Travnéel, die mir beide anerkennend zunickten.
Vor allem Travnéel, der Majieanáll gegenüber saß, nutzte meine letzten Worte, um seinem Konkurrenten einen frostigen Blick zuzuwerfen:
„Es ist wahr. Wir brauchen eine Magierin. Die Mornothma handeln nicht eigenmächtig, sondern werden von einer dunklen Macht gelenkt, die Blutzauber wirkt. Ein Heer, wie es dazumal gegen die Enedeth gelenkt wurde, wird uns jetzt nicht ausreichen. Noch wissen wir nicht, wie erstarkt die dunkle Macht ist, und womöglich werden selbst Meddjns Kräfte allein nicht ausreichen. - Meine Frage an Euch lautet, Meisterin der Magie, werdet Ihr Euch der Gefahr stellen, oder gibt es einen anderen, einen weniger risikoreichen Plan, wie wir der Bedrohung trotzen können.“
Ich atmete tief durch. Damit war meine schlimmste Befürchtung ausgesprochen, und sie gefiel mir jetzt in diesem Moment noch weit weniger, als es noch vor einigen Tagen der Fall gewesen war.
„Ich werde gehen. Es gibt niemanden in ganz Keshenja, der diese Aufgabe für mich übernehmen könnte. Ich muss mit meinen eigenen Augen sehen, was an der Grenze der Orvallesh vor sich geht, um Näheres zu erfahren und um mich vorzubereiten. Die Morquall Narddmona hat sich erhoben, und sie ist durch und durch böse. Doch ich weiß nicht, welche Zauber sie webt und wie stark ihre Macht ist. Dies gilt es herauszufinden, und um ihre Magie zu verstehen, muss ich sie erfühlen. - Gibt es hier jemanden, der dies außer mir vermag? Dann sprecht, denn ich bin nicht gerade erpicht darauf, mich in den Süden zu begeben, um dort dunkler Magie gegenüberzustehen.“
Ratlose Gesichter! Niemand sprach. Niemand wusste, wie man eine Blutmagierin besiegen konnte, von der man nicht einmal wusste, wie mächtig sie sein mochte.
Ich bemerkte, wie Vehalladan seinen Mund grübelnd verzog, dann trat er neben Farred an den Tisch:
„Ich gehe mit dir, Meddjn. Du brauchst einen Krieger, und du brauchst ein gutes Schwert. Ich kann dir beides bieten.“
Überrascht von dem Angebot klappte mein Mund auf. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zwar hatte ich Vehalladan in guter Erinnerung von der Stadt der Lichter, aber allzu viel Umgang während meiner Ausbildung hatten wir keinen gepflegt. Allerdings hielt mich das nicht davon ab, Vehalladans Angebot anzunehmen. Diesen Luxus konnte ich mir in meiner Situation nicht leisten. Gerade wollte ich einen Schritt vortreten, als eine mir nur allzu vertraute Stimme von anderem Ende des Tisches aus zurief:
„Ich bitte ebenfalls darum, Euch begleiten zu dürfen, MeddjnShijien. Für solch eine Reise braucht es einen kühlen Verstand, sowie ich davon überzeugt bin, Euch in dem einen oder anderen unterstützen zu können.“
„Herr Travnéel,“ erhob sich sofort seine Sitznachbarin, die dem Volk der Meister der Gesteine angehörte und deren Namen mir nicht geläufig war, “Ihr seid ein Mitglied des Hohen Rates. Ihr könnt nicht einfach gehen. Ihr werdet hier gebraucht.“
„Tu ich das?“ lächelte Travnéel überheblich, “wie viele Che~Oshán leben in Nathnáal, die meiner Hilfe bedürfen? Wie viele leben überhaupt unterhalb des Grenzgebirges zum hohen Norden? Fünfzig? Hundert? Sie werden ohne mich auskommen, bis ich zurück bin. Und ich werde zurückkommen. Meine Entscheidung steht fest.“
„Was will ein Che~Oshán in der Wüste schon ausrichten?“ grinste Majieanáll von den Re~Heresh quer über den Tisch, “den Sand zu Eis gefrieren lassen, damit die Gegner auf dem glatten Boden ausrutschen?“
Travnéel überging den offensichtlichen Spott mit einem laschen Achselzucken. Seine undurchdringliche Miene war zu einer Maske aus kalter Selbstsicherheit gefroren:
„Wenn es sein muss? Ihr wisst zu wenig über die Che~Oshán, Herr Majieanáll, so, wie Ihr zu wenig über mich wisst. Ihr wisst überhaupt viel zu wenig.“

Im Kindle-Shop: Meddjn: Tagebuch einer Magierin (Aus den Chroniken von Aneth 2)

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