21. Dezember 2016

'Das Erbe des Antipatros' von Jörg Olbrich

Während einer ganz normalen Klassenfahrt nach Athen passiert es. Der Abiturient Ralf hat einen Blackout, und als er wieder zu sich kommt, traut er seinen Augen nicht: Vor ihm erhebt sich das, was wir heute als die Pyramiden von Giseh kennen. Doch wie kann das sein? Warum sperrt man ihn ins Gefängnis und bezichtigt ihn der Sabotage? Er hat doch nichts getan, war bis vor Kurzem noch nicht einmal hier. Und was hat dieser Antipatros mit all dem zu tun?

Wenn er überleben und in seine Zeit zurückkehren will, muss Ralf der Sache auf den Grund gehen und herausfinden, was gespielt wird.

Gleich lesen: Das Erbe des Antipatros



Leseprobe:
Die Stimme drang zu mir wie durch dichten Nebel und ich konnte nicht verstehen, was gesprochen wurde. Es interessierte mich auch nicht. Ich hielt die Augen fest geschlossen, aber der plötzliche Schwindel in meinem Kopf wollte nicht verschwinden. Jemand rüttelte mich an der Schulter.
»Geh zu deiner Gruppe, oder du bekommst meine Peitsche zu spüren.«
Ich öffnete langsam die Augen. Es dauerte einen Moment, bis sich der Schleier lüftete und ich erkennen konnte, wer mit mir sprach. Ausdruckslos starrte ich den fremden Mann vor mir an. Er trug nur eine Art Hemd, das ihm bis zu den Knien reichte, und keine Schuhe. Wer war der Kerl und was wollte er von mir?
»Du hältst alle Arbeiter auf. Es ist schon schlimm genug, dass du zu Arbeitsbeginn nicht hier warst. Die Strafe des Chafre wird dich treffen, wenn du meinen Anweisungen nicht sofort folgst.«
Was war mit dem Kerl los? Ich hatte immer noch das Gefühl Spinnenweben in meinem Kopf zu haben. Wo waren Tim und die anderen? Verwirrt blickte ich an dem Fremden vorbei und traute meinen Augen nicht. Von weit oben sah ich auf eine riesige Wüstenkulisse herab. Es gab keine Häuser und keine Straßen. Nur Sand, so weit das Auge reichte. Die Umgebung war mir völlig fremd und ich hatte nicht die geringste Vorstellung, wo ich mich befand.
»Ich warne dich kein weiteres Mal!«
Ein kurzer Blick in das Gesicht des Fremden reichte mir, um zu erkennen, dass er es ernst meinte. Also stand ich mühsam auf und ging mit unsicheren Schritten zu den anderen Männern, die mich bereits erwarteten und böse anschauten. Wo war ich? Und wie kam ich hier-her?
Meine Gedanken überschlugen sich, ohne dabei zu einem Ergebnis zu kommen. Wenn sich jemand einen Scherz mit mir erlaubte, hatte er sich größte Mühe damit gegeben. Jedes Detail wirkte echt. Was war hier los?
Erst einmal versuchte ich, mich in der ungewohnten Umgebung zu orientieren. Ich befand mich auf einer riesigen Rampe, die steil nach oben führte. Links von mir stand eine Mauer und auf der anderen Seite ging es senkrecht in die Tiefe.
Die Gruppe, zu der ich geschickt worden war, bestand mit mir aus vierzehn Männern, die in zwei Siebenerreihen hintereinander aufgestellt waren und an unterarmdicken Tauen zogen. Ratlos nahm ich meinen Platz am Ende der linken Reihe ein.
Die Seile waren an einem Steinblock befestigt, der fast die Größe eines Kleinwagens hatte. Ich schätzte sein Gewicht auf über eine Tonne. Die Rampe, auf der wir den Stein hochzogen, war mit Schlamm ausgegossen, den die Hitze aber ausgetrocknet und ihm somit seine Gleitwirkung entzogen hatte.
Meine innere Stimme sagte mir, dass es das Beste wäre, mich zunächst einfach ruhig zu verhalten und abzuwarten, was passierte.
Die anderen Männer waren mindestens einen Kopf kleiner als ich, hatten schwarze Haare und waren sonnengebräunt. Sie trugen keine Schuhe und nur weiße Schürzen oder Hemden. Verblüfft stellte ich fest, dass ich die gleiche Kleidung anhatte. Wie war das möglich?
Wir kamen nur sehr langsam voran. Die Taue rieben über meine Handflächen, die entsetzlich schmerzten. Die Sonnenstrahlen taten ein Übriges und trieben mir den Schweiß auf die Stirn. Das Atmen fiel mir zunehmend schwerer. Die keuchenden Laute meiner Leidensgenossen verrieten mir, dass es ihnen nicht besser ging. Um Luft ringend, zogen wir den Fels-brocken Zentimeter für Zentimeter vorwärts.
Jeder kleine Stein, auf den ich mit meinen nackten Füßen trat, ließ die Schmerzen bis zu meinen Oberschenkeln emporschießen. Hinzu kam die Angst, auf dem unebenen Boden den Halt zu verlieren und in die Tiefe zu stürzen. Was sollte das alles?
Zum Glück konnte ich fünf Meter vor mir eine Biegung erkennen und hoffte, mehr zu sehen, wenn wir sie erst einmal passiert hatten. Lange würde ich diese Strapaze nicht mehr aushalten.

Im Kindle-Shop: Das Erbe des Antipatros

Mehr über und von Jörg Olbrich auf seiner Website.



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