16. Januar 2017

'Das Geheimnis der Ronneburg' von Jörg Olbrich

Nach dem Tod seiner Mutter macht sich Julius Meyer auf die Suche nach seinem Vater. Diese führt ihn zur Ronneburg, die ein furchtbares Geheimnis birgt. Menschen werden bestialisch ermordet. Julius wird schnell in die beängstigenden Geschehnisse hineingezogen. Doch was haben die mit dem Verschwinden seines Vaters zu tun? Kann es ihm gelingen die dunklen Geheimnisse seiner Vergangenheit zu lüften?

Stück für Stück wird das tödliche Puzzle zusammengesetzt und Julius gerät in einen Abgrund von Leidenschaft, Gewalt und Hass.
Und dann erkennt er die Wahrheit.

Historischer Krimi von Jörg Olbrich.

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Leseprobe:
Julius Meyer zog die Wirtshaustür auf und kam sich auf einmal klein wie ein Zwerg vor.
»Was willst du?«, brummte der Koloss, der vor ihm stand, und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Ich suche ein Quartier für die Nacht.« Hatte Julius gerade noch ein Durcheinander von Stimmen gehört, so sprach jetzt keiner der Anwesenden mehr ein Wort.
»Wir haben geschlossen«, sagte der Wirt. Die Männer standen so nahe beieinander, dass sie sich fast berührten.
»Der Raum ist voller Gäste. Wie kann da geschlossen sein? Ich bin gerade hier angekommen und möchte die Nacht nicht draußen im Nebel verbringen.«
»Das ist dein Problem. Für Fremde haben wir keinen Platz.« Der Wirt stank nach Alkohol und Schweiß. Er wich keinen Millimeter von seinem Platz, sodass Julius nicht einmal in den Raum sehen konnte.
Julius erinnerte sich an die Reaktion des Leichenwagenkutschers, der ihn hier abgesetzt hatte. Als er ihm sagte, dass er im Gasthaus „Zur Krone“ übernachten wollte, hatte der nur gelacht, sich umgedreht, war weggefahren und hatte ihn alleine auf der Straße zurückgelassen.
»Was ist denn das für ein Wirtshaus, in dem Reisende nicht bewirtet werden?«
»Schmeiß den Kerl endlich auf die Straße, dann ist Ruhe«, ertönte eine Männerstimme aus dem Schankraum.
»Ja, Josef«, rief ein Zweiter. »Du redest doch sonst nicht rum. Zeig dem Bürschchen, wer der Herr des Hauses ist.«
»Raus!«, sagte Josef. »Und zwar augenblicklich.«
Der Wirt trat einen Schritt vor, und Julius wich zurück.
»Könnt Ihr mir bitte erklären, was das soll?«
Ohne zu antworten, zog Josef die Tür ins Schloss und verriegelte sie von innen.
»Sind denn alle hier verrückt?« Julius ging auf ein Fenster des Wirtshauses zu, das zur Straße zeigte. Bevor er aber einen Blick in den Schankraum werfen konnte, wurden die Vorhänge zugezogen. Er drehte sich um. Der Ort wirkte wie ausgestorben. Nur im Wirtshaus brannte Licht. Es war still. Ungewöhnlich still.
Ärgerlich wischte sich Julius einen Regentropfen von der Nase. Er ging ein paar Schritte, und als er gerade die Hausecke erreichte, hörte er ein Geräusch von der anderen Straßenseite.
Eine Gestalt kam auf das Wirtshaus zu. Gehörte sie zu den Männern im Schankraum? War es möglich, dass der Wirt ihn beim Aussteigen aus dem Leichenwagen beobachtet hatte, und deshalb so schnell an der Tür gewesen war? Anders konnte es sich Julius nicht erklären, dass ihn der Koloss direkt an der Tür abgefangen hatte. Kam jetzt die Person, die Josef und die anderen eigentlich erwartet hatten?
Der Schatten erreichte die Eingangstür und klopfte.
»Ich habe dir doch gesagt, dass du verschwinden sollst!«, hörte Julius von innen.
Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Josef glaubte offenbar, dass er einen zweiten Versuch unternehmen würde, ins Gasthaus zu kommen.
»Ich bin es, Eva.«
Was macht eine Frau alleine mitten in der Nacht vor einem Wirtshaus? Die Situation wurde immer verwirrender. Julius hörte, wie sich die Tür öffnete.
»Was willst du?«
»Lass mich rein, Josef.«
»Verschwinde. Das hier ist nichts für Frauen und besonders nichts für dich. Ich habe dir gestern schon gesagt, dass ich mich um alles kümmern werde. Hör endlich damit auf, dich einzumischen.«
»Die Sache geht mich genauso viel an wie euch. Lass mich rein.«
»Nein. Es gibt nichts, was du jetzt tun kannst. Denk daran, was mit deinen Eltern geschehen ist. Geh nach Hause.« Hatte die Stimme von Josef gerade noch ärgerlich geklungen, so hörte er sich jetzt an, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen.
»Ich denke an nichts anderes«, zischte Eva. »Und ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was ihr da drinnen plant.«
»Mach, dass du verschwindest. Noch einmal warne ich dich nicht.« Wieder fiel die Tür ins Schloss. Eva blieb im Regen zurück und hämmerte noch einmal mit beiden Fäusten gegen das Holz. Vergeblich.

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Mehr über und von Jörg Olbrich auf seiner Website.



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