26. Januar 2017

'Der Klang des Schweigens' von Heike Adami

Kennen Sie das Gefühl, Sie stehen kurz vor einem Ziel und erreichen es nicht? Sie beginnen, an sich zu zweifeln. Ein schwerwiegender Unfall folgt. Ihre Welt bricht zusammen. Sie fühlen sich zu jung, um zum alten Eisen zu gehören.

Heike Adami entschied sich für das Kloster. Harte Arbeit an sich selbst. Am Innersten. Gedankenmuster lösen. Glaubenssätze beleuchten. In diesem Journal berichtet Heike Adami über Entwicklungen, Sichten und Einsichten während fünf Tage im Kloster des Schweigens. Im Kloster Triefenstein bei Würzburg.

„Der Klang des Schweigens – Eine Reise zu Dir selbst“, ein Journal mit Übungen an sich selbst, für Sie.

Gleich lesen: Der Klang des Schweigens - Eine Reise zu Dir selbst

Leseprobe:
Zugfahrt
Regenwolken trüben den Tag ein. Dunkelgraue Wolken Unterbrechen eine helle Wolkenfigur. Es könnte ein Geist sein, der langsam dahinzieht. Dahinschwebt. Ein Geist. Eine Wolke, die sich von den anderen abhebt. Beleuchtet. Bestrahlt. Als verstecke sich dahinter ein sanfter Sonnenstrahl. Als befände sich dahinter das glänzende Leben. Freude. Lachen.
Der Geist verschiebt sich mit den dunklen Wolken. Regen. Grau. Nebel am Horizont, hinter den Feldern. Den braunen Feldern, auf denen der letzte Getreidehalm abgebrannt ist. Der Nebel hinter den sattgrünen Feldern, auf denen die Zuckerrüben ihre letzten Tage verbringen und das düste, todwirkende Sein des Feldes mit ihren dunkelgrünen Blättern belebt.
Das Bild verändert sich. Doch grau bleibt der Himmel.
Orangerot verfärbte Blätter der Bäume zwischen kahlen Ästen. Efeu und Brennnesseln zwischen dem Grün der Tanne und Fichte. Ein Herbstwald säumt den Weg. Schenkt die Vielfalt.
Das Farbige unter dem grauen Himmelszelt. Kein Ton der noch nicht weggezogenen Vögel. Kein Quaken der Frösche am Teich ist zu hören. Nur die Katze auf dem Feld schaut, ob sie sich vor dem umhertreibenden Fuchs in Sicherheit befindet.
Der Zug fährt seinen Weg, zielsicher an den gewünschten Ort. Während am Horizont, im Tal der Berge, ein blauer Himmelsfleck das Grau zur Seite schiebt. Als sage er, ihr wart lange genug hier.
Mein Herz saugt die Sonne auf, bevor der Nebel alles unsichtbar erscheinen lässt. Alles überdeckt. Nichts zum Vorschein bringt.
Regentropfen fallen auf das Dach. Ein heimisches Geräusch, das beruhigend wirkt. Zum Kuscheln einlädt.
Im Zug.
Regentropfen treffen am Fenster auf. Runde Tropfen bleiben an der Fläche des Fensters stehen, wie Augen, die beobachten. Sie, die Oberflächenspannung der Regentropfen, bewegt sich durch den Ruck des Zuges. Ihre innere Kraft löst sich auf. Der Zusammenhalt bricht auf, und der Tropfen läuft und fließt hinunter. Von links. Von rechts. Sie fließen sich entgegen. Vereinigen sich zu einem größeren Regentropfen. Zu einer Träne. Am Fenster des Zuges. Der Weg, der Druck löst sie auf. Das Fensterglas ist nicht mehr benetzt. Es scheint, als wäre nichts gewesen. Klar und frei wirkt das Glas. Der Blick hinaus ist untrügerisch. Weinrote Blätter säumen den Wegesrand. Kräftig leuchtend schenkt die Farbe Kraft dem Betrachter, im Moment des Seins.
Die Zugfahrt von Augsburg nach Wertheim ist lang und vergeht schnell. Einsteigen. Aussteigen. Umsteigen.
Zwischenstation.
Aufenthalt. Unfreiwillig.
Sie gehört dazu. Wo würde der Zug enden ohne Zwischenstation?
Wie würde ich das Ziel erreichen? Kleinere Strecken mit dem Bus fahren, wäre die Option. Aber dann wäre die Fahrtzeit länger. Mehr Umsteigestationen inbegriffen. Später wäre ich am Ziel. Zwischenstation – unfreiwillig!
Den Moment genießen. Die Zwischenstation als Geschenk annehmen. Darin verweilen und danken, im Hier und Jetzt sein zu dürfen. Der scheinbar kürzere Weg ist nicht immer der, der mir das gibt, was ich im Leben brauche. Entwicklung auf dem Weg, heißt auch über Umwege zum Ziel gelangen.
Ausgewachsene rote Geranien zwischen kräftig lilablühendem Heidekraut und weißen Weihnachtsglöckchen deuten den Wandel der Zeit an. Der Himmel auf vorzeitige Abendstimmung eingestellt. Dunkel, erhellt durch künstliches Licht. Der Weg wird kürzer und das Ziel kommt näher. Wie wird es aussehen, das evangelische Kloster in Franken?

Im Kindle-Shop: Der Klang des Schweigens - Eine Reise zu Dir selbst

Mehr über und von Heike Adami auf ihrer Website.



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