28. Januar 2017

'Der liebe Gott und sein teuflisches Bodenpersonal' von Brigitte Teufl-Heimhilcher

Die Zustände im Vatikan rufen sogar den lieben Gott auf den Plan. Sonst ein eifriger Verfechter des freien Willens beschließt er, Papst Leo einen kleinen Hinweis zu geben, und bedient sich dabei höchst irdischer Mittel:

1. Buch: die andere Schwester des Papstes
Im Vorfeld eines Wien-Besuchs von Papst Leo XV wird bekannt, dass die geschiedene und wiederverheiratete Allergieexpertin, Dr. Katharina Bender, eine seiner Schwestern ist. Der Papst ist darüber not amused, doch körperliche Beschwerden zwingen ihn in Wien zu bleiben, und sich einer Behandlung durch seine Schwester zu unterziehen. Dabei prallen höchst unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Auch Freunde aus Jugendtagen, allen voran Erika, einst Studienkollegin und Leo sehr zugetan, beginnen sein Weltbild zu verändern.

2. Buch: Als Papst lebt man gefährlich
Seit der Papst in den Vatikan zurückgekehrt ist, hat sich die Zahl seiner Gegner drastisch erhöht. Den Konservativen zu ist er nun zu fortschrittlich, den Reformern zu konservativ, und dass er Erika, als Chefin einer neu gegründeten Reformkommission, in den Vatikan berufen hat, sorgt ebenfalls bei vielen Purpurträgern für Unmut. Wirklich gefährlich wird die Sache aber, als er beschließt, den Machenschaften in der Vatikanbank ein Ende zu setzen.

Gleich lesen: Der liebe Gott und sein teuflisches Bodenpersonal: Sammelband

Leseprobe:
Prolog aus dem Himmel
Da soll doch gleich einmal der Blitz dreinschlagen!
Irgendetwas scheine ich in meiner göttlichen Allmacht falsch gemacht zu haben. Diese Menschen haben immer noch nicht kapiert, worum es in ihrem Erdenleben geht. Vielleicht war die Sache mit dem freien Willen doch etwas übertrieben.
Dabei habe ich es doch an nichts fehlen lassen. Erst habe ich ihnen die zehn Gebote gegeben, die waren ja wohl klar und deutlich. Aber es hat nichts genützt! Also habe ich vor kurzem auch noch meinen Sohn geschickt. Mit allem Brimborium. Sogar Eltern habe ich ausgesucht, war alles gar nicht einfach. Dreiunddreißig Jahre hat er unter ihnen gelebt, ihnen alles gesagt und erklärt, dabei Kranke geheilt und den Sündern verziehen. Hat es genützt? Mitnichten.
Ja gut, ein paar Mal hat er getrickst. Übers Wasser zu gehen und aus Wasser Wein zu machen, das hätte vielleicht nicht sein müssen, das könnte den ein- oder anderen nachhaltig verwirrt haben. Manche versuchen das immer noch. Wasser zu Wein zu machen ist ihnen noch nicht vollständig gelungen, dafür machen sie aus Schimmelpilzen Erdbeeraroma – aber so war das doch nicht gemeint! Na gut, das sind Kleinigkeiten: Peanuts sagen sie neuerdings. Jedenfalls haben wir nichts ausgelassen, das volle Programm durchgezogen, inklusive Tod und Auferstehung. Damit haben wir sie allerdings auch etwas überfordert, an der Sache mit der Auferstehung kiefeln sie heute noch.
Das Unerträglichste aber ist, dass die Herrschaften aus der Kommandozentrale in Rom, besser gesagt im Vatikan - sie mussten ja gleich einen eigenen Staat haben - um nichts besser sind. Was sage ich – schlechter noch! Eine teuflische Mischung aus Ängstlichkeit und Überheblichkeit ist dort am Werk. Veränderungen fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser, dabei sind sie von einer Überheblichkeit, die ich nur schwer ertrage. Ja gut, nicht alle, natürlich nicht, das wäre ja auch noch schöner!
Vielleicht hätte ich mich beim letzten Konklave doch deutlicher zu Wort melden sollen – manche haben mich darum gebeten –, aber ich wollte ihnen ja wieder einmal ihren freien Willen lassen.
Jetzt überlege ich, doch wieder einmal ordnend einzugreifen. Nein, keine Sintflut diesmal, nur ein ganz kleiner Fingerzeig, eine Andeutung, dass etwas falsch läuft. Aber an wen soll ich mich wenden? Es müsste schon jemand sein, der klug genug ist, es zu verstehen. Unter denen, die sie großspurig „Laien“ nennen, gäbe es etliche, aber würden sie denen glauben? Vermutlich nicht. Dann also jemand, der in ihrer Hierarchie – die im Übrigen auch nicht meine Idee war - ziemlich weit oben steht.
Vielleicht sollte ich es gleich mit dem Papst versuchen. Dieser Leo ist zwar auch ziemlich überheblich, aber immerhin scheint er guten Willens zu sein, und hat nicht eine seiner Schwestern ohnehin noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen? Da war doch was …

1. Buch: Die andere Schwester des Papstes
Das Interview
Katharina blickte auf die Uhr, massierte kurz die Schläfen und drückte den Knopf der Sprechanlage: „Der Nächste, bitte!“ Es war ein langer Tag gewesen, sie war müde und freute sich auf einen gemütlichen Abend.
„Fertig für heute“, antwortete ihre Sprechstundenhilfe. „Nur ein junger Mann vom Kurier wartet noch auf Sie.“
„Ist er angemeldet?“
„Das nicht“, flüsterte die Sprechstundenhilfe, „aber ich denke, er kommt wegen Ihres Buches. Jedenfalls hat er eine Kamera dabei.“
„Dann soll er hereinkommen.“
Katharina zog rasch die Lippen nach, noch während sie den Stift wieder in ihre Handtasche gleiten ließ, rief sie: „Herein!“
Der junge Mann, er mochte etwa dreißig sein, erwiderte ihren kräftigen Händedruck, das gefiel ihr, sie konnte es nicht leiden, wenn die Hand des anderen schlaff in der ihren lag. „Mein Name ist Felix Winter. Ich komme im Auftrag des Kuriers und würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.“
„Das freut mich“, antwortete sie. „Ich habe eigentlich gedacht, mein Buch sei schon in der Rundablage gelandet. Bitte, nehmen Sie Platz.“
„Sie haben ein Buch geschrieben?“, fragte er, während er sich setzte.
Diese schlichte Frage ließ Katharinas Müdigkeit schlagartig zurückkommen.
„Über Allergiebehandlung, ich dachte, deswegen seien Sie gekommen“, antwortete sie dementsprechend gereizt.
„Leider nein“, erwiderte Felix Winter und schickte dieser Nachricht ein gewinnendes Lächeln nach. „Ich komme sozusagen in heikler Mission.“
Er machte eine Pause, sie bedeutete ihm weiterzusprechen.
„Wie Sie sicherlich wissen, findet heuer im September der Welt-Jugend-Tag in Wien statt.“
Während Katharina zustimmend nickte, spürte sie, wie ihr Puls schneller wurde. Er sah sie fragend an, doch sie hatte nicht vor, ihm entgegenzukommen.
„Aus diesem Anlass wird Papst Leo seiner Heimat einen Besuch abstatten. Ich nehme an, auch das ist Ihnen bekannt.“
Sie nickte abermals. „Es stand so etwas in der Zeitung.“
„Ich nehme weiter an, Sie sind diesbezüglich nicht auf die Informationen der Medien angewiesen.“
Da irren Sie, junger Mann.“
„Aber Sie sind doch eine Schwester des Papstes?“

Im Kindle-Shop: Der liebe Gott und sein teuflisches Bodenpersonal: Sammelband

Mehr über und von Brigitte Teufl-Heimhilcher auf ihrer Website.



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