25. Januar 2017

'Der Schwan ist tot: Ein Rosenheim-Krimi' von Peter Brand

Landkreis Rosenheim: In einer Klinik wird ein Patient brutal ermordet – ein lange verschollener Klassenkamerad des Privatdetektivs Michael Warthens. Für Michael unfassbar: erst wenige Tage zuvor erhielt er den Auftrag, den Mann aufzuspüren! Wieso verschwand der Abiturient des Jahres 1979 vor Jahren spurlos und endet gerade jetzt als Mordopfer?

Bei seinen Recherchen nach einem Mordmotiv ahnt Michael einen möglichen Zusammenhang ihrer gemeinsamen schulischen Vergangenheit an einem Rosenheimer Gymnasium. Der spektakuläre Tod eines weiteren einstigen Schulfreunds, ein prominenter Stadtrat, erhärtet seinen Verdacht. Bis auf denselben Abitur-Jahrgang haben die Opfer nichts gemein. Oder doch? Was sonst treibt den Täter an, nach so langer Zeit, grausam zu töten?

Mysteriös: Als Michael wegen der Toten aus seiner Klasse einen Blick auf das Foto der Abschlussklasse von 1979 werfen will, scheint keines davon mehr zu existieren – und das Morden geht weiter …

Gleich lesen:
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Leseprobe:
Er wachte auf. Der Geruch von frischer Bettwäsche irritierte ihn. Aus durchsichtigen Schläuchen tropften Flüssigkeiten in seine Adern. Augenscheinlich war er in einem Krankenhaus. Er drehte sich auf die Seite. Die Infusionsnadeln pieksten unter der Haut.
Wenn das hier seine Endstation bedeutete, fragte er sich, liefen die Jahre dann wirklich wie ein Film vor einem ab? Das Auf und Ab in seinem Leben hatte ihm noch nie Angst gemacht. Doch nur die Bilder seines letzten Schuljahrs besetzten sein Gehirn. Unerlaubt, aber lebendig und aufdringlich, als wollten ihm sogar die Erinnerungen Qualen zufügen. Er wusste warum. Ergeben murmelte er vor sich hin: Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln – er weidet mich auf grüner Au …
Mit schläfrigen Augen beobachtete er, wie die Tür zum Zimmer behutsam aufging. Zwei schwarz verschleierte Gestalten betraten den Raum. In welchem verfluchten Land war er? Jemand beugte sich über ihn. Ein Augenpaar sah ihn für Momente an. Liebevoll? Nur, es ergab keinen Sinn. Wieder stachen ihn die Nadeln. Tief unter die Haut. Der Schmerz kam heftig – die grausame Erkenntnis brannte schlimmer als der Schmerz: keine dünnen Nadeln bohrten sich in sein Fleisch – Dolche!
Nacht.

1. Kapitel
Dienstag, 9. Oktober. Nördlicher Landkreis. Herbstruhe.
Die Nebelsuppe auf der Fahrt von Rosenheim nach Griesstätt zerrte an Michaels Geduldsfaden. Wenn er schon seine Tante aus der Klinik abholen musste, hätte wenigstens das Wetter mitspielen können. Welch ausgedehnte Autoschlange seinem Smart im Nacken saß, konnte er sichtbedingt nur ahnen. Erst auf der Anhöhe kurz vor Griesstätt stach die Sonne durch. Sofort zogen ein paar ganz Eilige an ihm vorbei.
„Das hätten die jetzt auch noch abwarten können“, grantelte er und bog rechts ab zur Klinik.
Tante Berti erwartete Michael in der Vorhalle. Sie hatte eine Ellbogen-OP hinter sich. Die Schwester seiner verstorbenen Mutter wirkte durch ihre gebückte Haltung erstaunlich klein. Ihre ähnlichen Gene aber waren nicht zu übersehen: Michaels einzig verbliebene Verwandte besaß die gleichen warmen, braunen Augen wie ihr Neffe.
„Grüß dich, Tante Berti, bist schon ferti’?“, reimte er.
„Schon ist gut!“, tadelte sie ihn, „ausgemacht war eine Stund’ früher.“
Michael verkniff sich eine Ausrede. Nach dem Nebel hatte er mit der Parkplatzsuche gekämpft, weil Krankenwagen und beachtlich viele Polizeiautos die Zufahrten verstellt hatten.
Tante Berti war nicht wirklich eingeschnappt.
„Ist aber nicht schlimm, weil: da hast jetzt ein bisserl was versäumt wegen deiner Verspätung.“
Vor kurzem hatte sie erfahren, was der Michi Warthens neuerdings beruflich so trieb. Ganz glaubte sie noch nicht daran, er würde seine Selbstständigkeit wirklich durchziehen. „Privatdetektiv – so ein Schmarren. Die gibt’s doch bloß im Fernsehen“, war ihr einziger Kommentar dazu gewesen. Aber jetzt …
„Michi, also echt, da war grad ein Trubel wegen einem Patienten.“ Sie senkte ihre Stimme und zischelte ihm dezent zu: „Ich glaub’, wegen einem ermordeten Patienten!“
Grundsätzlich glaubte Michael, seine Tante sei in ihrem Alter schon noch bei Verstand. Jetzt fragte er sich, ob sie nur eine blühende Fantasie oder erste Anzeichen von Demenz zeigte.
„Ist schon recht“, wiegelte er ab, „hast eigentlich schon ausgecheckt?“
„Was denkst denn du? Wegen dem Aufruhr haben die doch keine Zeit gehabt. Aber ich kriege alles nachgeschickt.“
„Ins Heim?“
Tante Berti wohnte seit ein paar Jahren in einem kleinen Apartment im Margaretenhof. Michael hatte oft mit ihr über das doch teure „Betreute Wohnen“ gesprochen. Er hätte sich freilich um sie gekümmert, wenn sie ihn gebraucht hätte – und das ohne Hintergedanken. Zu erben gab’s bei Berti sowieso nichts. Ein Zuschuss für Michi, wenn sein Konto mal wieder leer war wie der Stadtbach bei der Auskehr, war aber durchaus drin.
„Stell dir vor, noch dazu schicken sie es mit der Post!“, frotzelte sie. „Durch’s Telefon geht’s nämlich nicht.“
Michael trat von einem Bein aufs andere.
„Also, was ist jetzt?“
„Jetzt wart halt mal!“ Berti schielte zu den drei Herren, die soeben über die Treppe vom ersten Stock in die Vorhalle herabstiegen. Alle drei kamen Michael bekannt vor, und einer von ihnen ganz besonders:
„Gerald?“
Der smarte Typ in weißem Arztkittel schaute überrascht, bis ihm klar wurde, wer ihn da mit Vornamen angesprochen hatte.
„Mike?“
Michael verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. Mike hatten ihn seine Schul- und Fußballfreunde genannt. Er nickte.
„Sag bloß, du bist Arzt geworden?“
Gerald wimmelte ihn sanft ab.
„Du, könnten wir später… Wir haben ein Problem hier.“
Das sah Michael selbst. Geralds Begleitung bestand aus Kriminalhauptkommissar Obermeier, einem rotgesichtigen, schwammigen und pensionsreifen Beamten, und Piet Maurer. Piet hatte einige Jahre die Schulbank mit Michael gedrückt und war demnach im selben Alter – um die Fünfzig.

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Mehr über und von Peter Brand auf seiner Website.



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