10. Januar 2017

'Mein Vater, der Astronaut' von Frank Moulin

»Auf dem Mond erkennt Leon, was wahres Glück für ihn bedeutet. Doch es liegt in unerreichbarer Ferne. Können ihm seine ungewöhnlichen neuen Freunde dabei helfen, es zu erreichen?«

Leon ist Astronaut und liebt das Leben auf dem Mond. Doch er liebt auch seine Frau und seinen Sohn Ben, die auf der Erde geblieben sind. Um ihnen seine Zuneigung zu zeigen, lässt er sich etwas ganz Besonderes einfallen: Alle vier Wochen lässt er den Mond hell erstrahlen. Mit den Jahren wird die Sehnsucht nach seiner Familie jedoch übermächtig. Da stellt Leon entsetzt fest, dass er mit seinem Raumschiff nicht mehr zur Erde zurückkehren kann. Er ist verzweifelt – und erlebt die größte Überraschung seines Lebens …

Eine phantasievolle und berührende Erzählung rund um Abenteuer, Freiheit, Liebe und Freundschaft für Kinder (6–8 Jahre) und Erwachsene. Als E-Book in Ausgaben mit und ohne farbige Illustrationen erhätlich.

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Leseprobe:
Als ich vier Jahre alt war, trat mein Vater, der Astronaut, seine große Reise in eine ferne, unbekannte Welt an. Er landete auf dem Mond und war von dessen Anblick dermaßen überwältigt, dass er sich augenblicklich in ihn verliebte. Ab da gab es für ihn kein Zurück mehr. Er beschloss, dort zu bleiben – da oben in diesem dunklen, unendlichen Universum.
Ich begriff damals vieles noch nicht. Doch ich war traurig, denn ich vermisste meinen Vater.

Meine Mutter erzählte mir schließlich, was es mit dem Vollmond auf sich hatte. Damit wollte mein Vater meiner Mutter und mir eindrucksvoll zeigen, wie intensiv er an uns dachte. Die Batterien in seinem Raumschiff konnten für ein bis zwei Tage eine sehr hohe Leistung erbringen. War die Energie verbraucht, dauerte das Aufladen fast vier Wochen. Und so geschah es, dass er einmal im Monat alles, was in und an seinem Raumschiff Licht abgeben konnte, zum Leuchten brachte.
Die Menschen auf der Erde waren jedes Mal fasziniert von diesem runden, hellen Mond, der die Landschaft, die Dörfer und Städte in ein silbrig schimmerndes Licht hüllte. Manche jedoch wurden unruhig, konnten nicht schlafen oder verhielten sich gereizt. Was so ein Raumschiff alles bewirken konnte!

Viele Jahre später – mittlerweile war ich ein junger Mann – erzählte ich nahezu allen Menschen, die ich kennen lernte, diese Geschichte. Spätestens dann, wenn sie fragten, was meine Eltern so machten. Stolz berichtete ich ihnen, dass mein Vater, der Astronaut, auf dem Mond lebe. Und nur durch ihn könnten wir uns jeden Monat an diesem unglaublich schönen Vollmond erfreuen.
Manche Leute schauten mich mit großen Augen an, schüttelten den Kopf oder lächelten milde. Andere wiederum drehten sich um und gingen fort. Nur wenige fanden meine Geschichte vom Vollmond glaubhaft. Diese begeisterten sich allerdings so sehr an der Vorstellung eines Mannes auf dem Mond, dass sie alles ganz genau wissen wollten und gar nicht mehr aufhören konnten zu fragen. Das war, ganz ehrlich, ein bisschen nervig.
Und so wurde die Nacht des Vollmonds zu einer außergewöhnlichen – der Nacht meines Vaters.

Dann geschah etwas, das ich mir nach der langen Zeit gar nicht mehr hatte vorstellen können. Der Monat neigte sich dem Ende entgegen und meine Mutter und ich warteten sehnsüchtig auf den Vollmond, auf das Zeichen meines Vaters. Doch es blieb aus. Zuerst dachten wir an eine Verzögerung, aus welchem Grund auch immer. Tage vergingen. In dem unendlichen Sternenhimmel fehlte der leuchtend weiße Mond.
Voller Sorge standen wir Nacht für Nacht vor unserem Haus und blickten erwartungsvoll nach oben. Nichts war mehr wie zuvor und wir konnten nichts dagegen tun. Wir glaubten fest an den Vollmond und schickten unsere Gedanken und guten Wünsche durch das Weltall zu meinem Vater.
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass er verzweifelt auf und ab ging. Die Batterien hatten mit einem Mal aufgehört, die Energie und somit den Strom für das Licht im Raumschiff zu speichern.
Er saß nun traurig vor seinem Raumschiff, stützte den Kopf in seine Hände und überlegte, was er noch tun konnte. Er hatte bereits alles versucht. Die Batterien hatten wohl ihr Lebensende erreicht. Lediglich die Notbeleuchtung im Raumschiff funktionierte noch, doch die konnte auf der Erde niemand sehen.

Gebannt schaute er zum blauen Planeten. Er hatte das Gefühl, er könnte unsere Gedanken spüren und die Erde würde ihn regelrecht anziehen. Ihn überkam tiefe Sehnsucht. Eine innere Stimme sagte ihm, dass nun die Zeit gekommen war, die Rückreise anzutreten. In diesem Augenblick wurde meinem Vater plötzlich klar, dass er mit seinem Raumschiff nicht mehr zur Erde zurückkehren konnte …

Was er nicht bemerkte, war, dass die Sterne in seiner Nähe ihm bereits eine ganze Weile zugeschaut hatten. Sie unterhielten sich mit besorgter Miene und beschlossen, den Mann auf dem Mond zu besuchen.

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Mehr über und von Frank Moulin auf seiner Website.



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