12. Januar 2017

'Von Worten berührt' von J. Vellguth

Penny hat einen Traum: Schriftstellerin werden. Das ist aber gar nicht so leicht, wenn man nicht nur eine verdammt gute Mutter für einen dreijährigen Wirbelwind sein möchte, sondern auch noch seine Brötchen als Assistentin eines bärbeißigen Bestseller-Autors verdienen muss, der einen die meiste Zeit als Fußabtreter benutzt.

Aber manchmal braucht das Schicksal nur einen kleinen Schubs, eine U-Bahn und einen Mann in Tweed.

Eine romantisch-moderne Geschichte über die Liebe, das Leben und die Macht der Worte.

Gleich lesen: Von Worten berührt: Liebesroman


Leseprobe:
Abenteuer
Ein Buchladen ist wie ein eigenes, kleines Universum. Hunderte von Welten reihen sich aneinander und bilden ein farbenfrohes Streifenmuster – den Strichcode des Lebens.
Ungeduldig warten diese Schöpfungen nur darauf, den nächsten willigen Leser mit aller Macht in ihr Gravitationsfeld zu ziehen und ihn mit ihren Worten fortzureißen, durch wilde Strömungen, plätschernde Seen und glitzernde Wasserfälle. Nur, um ihn am Ende der Reise völlig erschöpft und voller neuer Erinnerungen wieder in die Welt hinauszuspucken und ihn in sein eigenes großes Abenteuer zu entlassen.
Eric stand vor dem Eckregal in dem kleinen Laden, ließ die Finger über das sanfte Wellenmuster der Buchrücken streifen und lauschte den zarten Klängen des Klaviers hinter sich.
Amy trat neben ihn. »Heute so unentschlossen? Kann ich dir helfen«, fragte sie. Ihr blonder Bob glänzte im Schein der Frühlingssonne.
Automatisch setzte Eric sein Autorenlächeln auf und funkelte sie vielsagend an. »Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach etwas … Inspiration.«
Sie lachte. »Heb dir deinen Charme lieber für deine Fans auf.«
»Hey, ich muss im Training bleiben, die nächste Signierstunde ist noch über eine Woche hin.« Er fuhr sich demonstrativ durch sein eigenes dichtes, blondes Haar und zwinkerte ihr zu. »Ryan wird schon nichts dagegen haben.«
Der junge Mann am Klavier, mit löchriger Jeans und Lederjacke, schien irgendwie gar nicht in den schicken Laden zu passen. »Das hab ich gehört«, rief er über die Schulter und ließ seine Finger stürmisch über die Tasten springen.
»Wir unterhalten uns nur ein bisschen«, schäkerte Eric. »Spiel du lieber weiter Musik.«
Diesmal bekam er einen gefährlichen Seitenblick zugeworfen und das Klavierspiel wurde noch etwas temperamentvoller.
Eric seufzte theatralisch. »Ich hab von Büchern gesprochen, okay? Von Büchern als Inspiration.« Damit zog er ein schwarzes heraus und legte es demonstrativ auf den Stapel, den er neben sich auf dem Fußboden gebildet hatte und der ihm mittlerweile fast bis zum Knie reichte. Sich mit Fans zu unterhalten war einfacher als mit normalen Menschen. Fans mochten es, wenn er mit ihnen flirtete, obwohl er es selten richtig ernst meinte.
Leider war Amy kein richtiger Fan. Sie mochte generell alle Bücher und hatte gelegentlich etwas von einer Enzyklopädie, was das anging, sie sah nur etwas hübscher aus. Natürlich kam sie nicht an die kleine Schwarzhaarige heran.
»Was macht eigentlich deine Freundin aus der U‐Bahn?«, fragte Amy, als könnte sie Gedanken lesen. Viel zu beiläufig griff sie nach dem Buch, das Eric gerade willkürlich auf seinen Stapel gelegt hatte.
»Sie ist nicht meine Freundin«, antwortete er viel zu hastig.
Jetzt bereute er, die mysteriöse Unbekannte überhaupt vor Amy erwähnt zu haben. Aber sein Bruder hätte nur falsche Schlüsse gezogen und seine Mutter wäre ihm wochenlang damit auf dem Keks gegangen.
Seine Lieblings‐Buchhändlerin ins Vertrauen zu ziehen, hatte damals nach einer guten Idee geklungen. Nur, um herauszufinden, was das andere Geschlecht von so einer Beziehung hielt, natürlich.
Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob das wirklich so eine gute Idee gewesen war und wünschte sich, er hätte damals bloß seine Klappe gehalten.
Amy strich über ihren bunt gemusterten Rock. »Habt ihr euch immer noch nicht vorgestellt?«
»Nein«, sagte er knapp und zog einen blauen Wälzer aus dem Regal.
»Aber ihr sprecht immer noch jeden Morgen miteinander?«
Jetzt konnte er die Neugier in ihren Augen funkeln sehen, als wäre sie auf der Suche nach einer Geschichte. Nicht nach einer, die sie weitererzählen konnte, dafür war sie zu diskret. Aber nach einer Geschichte, wie man sie sonst nur in Büchern finden kann.
Das musste er im Keim ersticken. Also blieb er kurz angebunden. »Ja. Über Bücher. Sonst nichts«, das Buch aus seiner Hand wanderte ungesehen auf den Stapel. Amy sammelte es ein und betrachtete es skeptisch.
»Aha.« Sie kräuselte die Lippen. »Wenn das stimmt, dann frage ich mich nur, warum deine Leseauswahl so … eigenwillig ausfällt, während du darüber sprichst.« Sie hob eine Mützenstrickanleitung und einen Reiseführer in die Luft.
»Ich sag doch, ich suche nur nach Inspiration«, er schnappte ihr beide Bücher aus der Hand, erkannte, dass es sich um einen Reiseführer für Thailand handelte und legte trotzdem beides wieder auf seinen Stapel.
»Also, ich finde, du solltest sie nach ihrem Namen fragen«, sagte Amy.
Er seufzte beim Gedanken an die mysteriöse Unbekannte. Mehr als einmal hatte er das Thema vorsichtig angeschnitten, aber sie war immer ganz elegant ausgewichen. Hatte ihr glänzend schwarzes Haar hinter ihr Ohr gestrichen, verlegen zur Seite geblickt und das Thema gewechselt.
»Was hab ich denn davon? Höchstens ein neues Fangirl. Danke, aber davon gibt’s schon genug.«
»Nicht jede Frau, die dich nett findet, wird gleich zum schmachtenden Groupie.«
Ryan stoppte mitten im Spiel und grunzte. »Das will ich aber auch schwer hoffen.«
Schnell trat Amy hinter ihn und drückte ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange.
Wenigstens wurde sie so vom Thema abgelenkt. Es gab sowieso nicht mehr viel zu sagen. Denn Eric wusste selbst nicht so genau, was er mit der jungen Frau aus der Bahn anfangen sollte.
Er wollte ganz sicher keine feste Beziehung. Allein bei dem Gedanken bohrte sich eine lange, glühende Stricknadel in seinen Hals, durch seine Lunge hindurch bis hinunter in seinen Magen.
Nein, Danke.
Allerdings bewies allein die Tatsache, dass Amy von der dunkelhaarigen Schönheit wusste, dass er viel zu oft über sie nachdachte.
Vielleicht war es tatsächlich an der Zeit, sie sich aus dem Kopf zu schlagen.
Dafür könnte er natürlich einfach eine andere Bahn zur Arbeit nehmen. Schließlich legte er seine Zeiten selber fest. Das wäre wohl die einfachste Variante gewesen. Oder aber, er könnte das Praktische mit dem Angenehmen verbinden.
Die Nadel in seiner Brust begann zu glühen.
Auf die eine oder andere Weise war es auf jeden Fall Zeit für eine Veränderung.

Im Kindle-Shop: Von Worten berührt: Liebesroman

Mehr über und von J. Vellguth auf ihrer Website.



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