18. Februar 2017

'Smaragdstern' von Lisa Torberg

Alles, was sie tun muss, ist, auf ihr Herz zu hören – doch sie kann ihr gegebenes Wort nicht brechen.

Die bildschöne, eiskalte Susan lebt in ihrer Heimatstadt London. Vom Schicksal hart getroffen, macht sie um ihre Mitmenschen generell einen großen Bogen. Das Einzige, was für sie zählt, ist ihre Karriere. So akzeptiert sie den Auftrag ihres Chefs und fliegt nach Sardinien, wo sie über den Verkauf des dortigen Luxusresorts entscheiden soll. Die einzige Bedingung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Hotelmanager. Ausgerechnet! Denn Mario ist oberflächlich, zynisch, selbstherrlich, behandelt sie von oben herab und stellt sie vor dem Personal bloß, wann immer er kann. Je mehr sie ihn ignoriert, umso anzüglicher wird er und setzt gnadenlos das Lächeln seiner funkensprühenden dunklen Augen ein, das ihre Knie weich werden lässt. Somit ist für Susan die Kündigung dieses arroganten Typen bereits zu Beginn der Sommersaison beschlossene Sache. Aber das Schicksal drängt in eine andere Richtung.

Die romantische, prickelnde, spannende, berührende, abenteuerliche und zärtliche Geschichte spielt an einem der schönsten Schauplätze Europas, der italienischen »Costa Smeralda«, der Smaragdküste.

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Leseprobe:
»Dort ist ein Tisch frei«, rief Karla und deutete nach draußen auf die Gartenterrasse. »Dürfen wir?«
Mit einem Blick auf die Uhr stimmte Mario zu. Die vor allem abends so begehrten Terrassentische blieben den Hotelgästen vorbehalten. Doch wer um halb neun noch nicht erschienen war, aß entweder im Gourmetrestaurant oder auswärts.
Karla und Mira saßen bereits mit Dave und Dan am unteren Ende. Mario wies Stefano und seinem Kollegen die äußersten Plätze an den Längsseiten zu, die zuerst einmal ablehnten. »Es ist sinnvoller, wenn ihr bei uns bleibt und sonst ist nichts frei. Oder wollt ihr neben dem Tisch stehen bleiben?«, fragte er. Und so landete Susan zwischen Drew und dem Bodyguard und sah Mario geradewegs in die Augen.
Als Stefanie auf der Terrasse erschien, atmete sie dann doch noch erleichtert auf. Jedoch nur kurz. »Unter den morgigen Anreisen gibt es ein paar altbekannte Spezialfälle. Da nehme ich lieber einen Salat mit ins Büro und arbeite weiter. Sonst lässt sich mein Mann von mir scheiden!« Mit dem ihr so eigenen glucksenden Lachen wünschte sie ihnen einen angenehmen Abend und ging eilig davon. Susan schlug die Speisekarte auf und senkte den Blick.
Es kam einfach keine Stimmung auf, zumindest auf ihrer Seite des Tisches. Die beiden Personenschützer holten je einen Teller Reissalat vom Buffet, aßen rasch, entschuldigten sich und standen dann einige Meter entfernt im Halbdunkel unter einer Palme auf dem Rasen. »Da können wir unsere Arbeit besser erledigen, als sitzend«, erklärte Stefano lapidar.
Mario und Susan verputzten schweigend die Antipasti, während am anderen Ende des Tisches angeregt über Filme diskutiert wurde. Drew warf ab und zu einen Kommentar ein, bis die Pasta serviert wurde. Er löffelte die Penne all’arrabbiata genauso in sich hinein, wie der Name aussagte: Zornig. Sein Gesicht wurde dabei immer röter, was wohl am Chili lag. Susan legte ihm die Hand auf den Unterarm, er schüttelte sie ab. »Keine Ahnung, was zwischen euch beiden abläuft«, schnaufte er wütend. »Ist mir auch egal. Aber ich habe die Schnauze voll.« Er sprang auf, hob die Serviette auf, die zu Boden gefallen war und lief quer über die Wiese davon. Dan schob seinen Sessel mit einem Ruck zurück und rannte ihm nach. Konsterniert sahen ihnen Karla und Dave hinterher, während Mira kopfschüttelnd den Blick auf die andere Seite wendete. Susan starrte auf ihren Teller und stocherte mit der Gabel in der Pasta herum. »Himmel, es geht mich ja nichts an«, sagte sie mit alarmierend leiser und tiefer Stimme. »Aber Dave hat recht. Zeitweise benehmt ihr euch wie Kinder im Sandkasten und dann, so wie heute, ist euer Schweigen schneidend und vermiest allen anderen rundherum die Stimmung.«
Mario sah sie an und holte Luft, doch sie unterbrach ihn unwirsch.
»Du bist mein Chef und ich respektiere dich. Aber als Freundin darf ich es dir, nein euch beiden, sagen. Gemeinsam seid ihr einfach nicht auszuhalten.«
Die nachfolgende Stille dauerte gefühlte Stunden, bis Susan aufstand und sich Mira zuwendete. »Verzeih bitte. Auch ihr.«, dabei sah sie zu Karla und Dave. »Ich gehe auf mein Zimmer.«
»Und du denkst, das ist die Lösung? Davonrennen? Es liegen noch fast drei Monate vor uns, das ist viel Zeit. Und die müssen wir alle gemeinsam zubringen. Entweder einer von euch beiden verschwindet aus Sardinien, oder ihr redet endlich miteinander.« Mit einer endgültigen Handbewegung schob sie den Teller mit der Pasta von sich. »Mir ist der Hunger vergangen«, setzte sie hinzu und stand auf. Susan drehte immer noch, mit gesenktem Kopf, den Saum der Stoffserviette zwischen den Fingern.
»Mira warte. Es tut mir leid, wirklich.«
»Schon möglich, Susan. Aber ihr beiden habt ein Problem, wir nicht. Ich hole jetzt die Jungs zurück, denn sie haben ein Recht auf ihr Abendessen nach einem langen Arbeitstag.« Damit drehte sie sich um und ging.
Karla und Dave saßen schweigend mit gesenktem Blick nebeneinander. Susan fühlte sich schuldig, ohne zu begreifen, was der Grund für diese fürchterliche Situation war. An Enricos Auftritt und Verschwinden konnte es nicht liegen. Immer noch bearbeitete sie den Saum der Serviette, als Mario plötzlich neben ihr stand und sie am Oberarm packte.
»Komm mit.« Sie fühlte den warmen Hauch seines Atems, als er ihr ins Ohr flüsterte. Wie eine lästige Fliege wollte sie ihn abschütteln, doch er umschloss ihren Arm noch fester. »Schluss damit. Wir gehen jetzt und reden, bevor uns das Personal davonrennt.« Sie drehte den Kopf. Trübsinnig sah er sie mit glanzlosen Augen an und ließ sie los. Kommentarlos warf sie die Serviette auf den Tisch, griff nach dem Walkie-Talkie und folgte ihm.
Trotz ihrer langen Beine musste sie fast laufen, um mit seinen Schritten mitzuhalten. Vor dem Personalhaus blieb er stehen und sah sich nach den Bodyguards um. Susan tippte mittlerweile den Code ein und zog die Tür auf.
»Wollt ihr mit hereinkommen?«
»Nein, wir bleiben hier, bis wir abgelöst werden«, antwortete Stefano für beide.
»Gut. Wann übernehmt ihr wieder?«
»Das entscheidet der Chef.«
»Also dann, bis morgen.«
Er legte seine Hand auf Susans Rücken und schob sie vor sich in den Hausflur. Sie ging zur Treppe und stieg rasch hinauf. Oben angelangt blieb sie abwartend stehen.
«Zu mir oder zu dir?«, fragte er.
Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, wurde ihm der doppeldeutige Sinn klar. Er sah sie an und prustete los.

Im Kindle-Shop: Smaragdstern

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