28. März 2017

'Eiskalter Schlummer - Band 2: Die Rache' von Lutz Kreutzer

Die Assistentin von Hauptkommissar Völz und Kommissar Kowalski bringt Schwung in die Ermittlungen. In einer eigenwilligen russischen Bar in München haben die drei Polizisten eine merkwürdige Begegnung. Und die Frau des Wirts weiß mehr als sie zugeben kann. Was hat der organisierte Geheimbund der 'Diebe im Gesetz' mit der Sache zu tun?

Unterdessen strebt die Suche nach dem verschwundenen Mädchen auf einen nervenaufreibenden Höhepunkt zu. Immer wieder tauchen geheimnisumwitterte schwarze Gestalten auf, die eine zentrale Rolle zu spielen scheinen. Wie hängt alles zusammen? Was hat der Tote am Baum mit den entführten Mädchen zu tun? Können Völz und Kowalski am Ende den Fall klären?

Band 2 des Thrillers 'Eiskalter Schlummer' um Menschenhandel, Rauschgift und das organisierte Verbrechen, mit einem Ende, das voller Überraschungen steckt. Ein Spannungsroman, der sich an wahren Begebenheiten orientiert.

Gleich lesen: Eiskalter Schlummer - Band 2: Die Rache

Leseprobe:
Die beste Aussicht
Ivana zitterte am ganzen Körper. Ihre Augen waren von einer schwarzen Augenbinde verdeckt. Sie saß neben Igor Köbel im Heck des BMW, der auf der Stadt-Autobahn durch den Richard-Strauss-Tunnel Richtung Süden raste.
Nachdem sie in Ivanas Hotelzimmer eingedrungen waren, hatte Ivana geschrien wie am Spieß. Miro hatte sie so sehr geschlagen, dass ihr Auge angeschwollen war, ihre Wange und ihre Nase hatten geblutet. Ihre Wunden waren von Igor versorgt worden, soweit er das konnte. Ihr Auge schmerzte immer noch.
Miro, der am Steuer saß, hatte russische Punkmusik eingelegt. Die Musik hämmerte so laut, dass Ivana sich die Ohren zuhielt. Neben ihm auf dem Beifahrersitz lag Igors Colt Python.
Igor schlug Miro auf die Schulter. »Hey, leiser, du Idiot!«, schrie er. »Das ist ja nicht zum Aushalten!« Er deutete auf den Colt. »Und pack das Ding weg!«, schrie er. Miro drehte die Musik leiser, nahm den Colt und legte ihn ins Handschuhfach.
»Und fahr nicht so schnell, du Irrer. Oder willst du, dass die Polizei uns bemerkt?«
Miro nahm den Fuß vom Gas. Jetzt fuhren sie sechzig wie überall angezeigt.
»Ich brauch Bonbons!«, sagte Ivana.
Igor packte eine Papiertüte aus und bot ihr Lakritze an. Gierig stecke Ivana drei in den Mund.
»Hey nicht so viele auf einmal!«, sagte Igor und zog die Tüte zurück.
»Was macht ihr mit mir?«, fragte Ivana leise weinend. »Was habt ihr vor?«
»Wir bringen dich in ein neues Haus«, sagte Igor besänftigend.
Miro bog in die Ottobrunner Straße ein Richtung Süden.
»Ihr wollt mich umbringen! So wie Elza und Evgeniya!«, schrie sie. »Und wie die Polizistin!«
»Deine Freundinnen sind tot, weil du so böse warst und weggelaufen bist. Das war deine Schuld. Du bist ein dummes Mädchen. Eigentlich müssten wir dich bestrafen. Weißt du«, fügte er schmallippig hinzu, »anderen Mädchen wurde dafür schon ein Finger abgeschnitten!«
Ivana schreckte zurück.
»Keine Angst, Ivana. Bei dir mache ich das nicht. Weil ich weiß, dass du erkennst, wie dumm du warst. Du machst das nicht wieder, oder?«
Ivana schüttelte den Kopf wie ein kleines Mädchen.
»Gut, Ivana. Du bekommst ein neues Heim. Viel schöner als das erste. Wenn du tust, was wir dir sagen.«
Ivana war kalt. Sie krümmte sich. Dann nickte sie.
Miro bog in den Schumacherring ein und hielt das Auto vor einem riesigen Mietshaus an. Sie stiegen aus. Ivana wehrte sich nicht, sie ging einfach mit. »Wo sind wir hier?«, fragte sie.
»Das brauchst du nicht zu wissen, Ivana. Wir zeigen Dir jetzt deine Wohnung.«
Das hier war so anders als das, was sie bisher von München gesehen hatte. Sie legte den Kopf in den Nacken, um die Höhe dieses Gebäudes zu erfassen. Hier stand ein Mietshaus neben dem anderen. Sie bildeten eine Front, die jeden Betrachter zu erschlagen drohte. Wie die Waben in einem riesigen Bienenstock klebte Wohnung an Wohnung, miteinander verzahnt und längst nicht mehr in dem Zustand, wie sie vor einigen Jahrzehnten einmal gebaut worden waren.
Sie betraten einen dieser großen Wohnkomplexe und stiegen in einen Aufzug. Igor drückte auf die vierzehn. Er packte einen Schlüssel aus. Als sie die Wohnungstür aufsperrten, schlug ihnen ein muffiger Geruch entgegen. Igor öffnete die Balkontür. Er trat hinaus und winkte Ivana zu sich. »Ausblick nach Süden. Die beste Aussicht von ganz München«, sagte er und rang sich ein dünnes Lächeln ab.
Ivana verschlug es für einen Moment die Sprache. Wie schön es hier war! Ihr Blick fiel auf eine Gebirgskette, deren Gipfel von einer weißen Haube überzuckert schienen. »Die Alpen», sagte Igor.
Der Himmel war stahlblau, und die Ebene, die vor ihr lag, war makellos grün. Ein kurzes Lächeln flammte in Ivana auf, und sie spürte einen Augenblick lang so etwas wie Glück.
Dann sah sie sich die Wohnung an. In einem Zimmer stand ein riesiges Bett. Viel zu groß für nur eine Person. Sie ahnte, wozu es dienen sollte.
»Es ist gestern geliefert worden. Fühl dich hier zuhause. Und wehe, du willst weglaufen. Wir finden dich. Immer und überall!«, drohte Igor. Dann lächelte er und streichelte sie. »Sei ein gutes Mädchen.«
Ivana sah ihm traurig in die Augen und nickte vorsichtig. Ihre Furcht riet ihr, sich nicht mehr zu wehren. Sie wollte das hier alles überstehen.
»Hier wirst du leben, Ivana. Zumindest für die nächste Zeit. Und hier wirst du deine Männer empfangen.«
Ivana sah zu Boden.
Igor ging Richtung Wohnungstür. »Ivana, den Schlüssel nehme ich an mich. Ab und zu werden wir vorbeisehen. Du hast genügend Lebensmittel hier. Wir werden dir irgendwann zeigen, wie das hier mit dem Einkaufen geht. Wenn du zahm geworden bist«, lächelte er. »Und versuch nicht, andere Leute auf dich aufmerksam zu machen. Die Wohnungen rechts und links und unter dir stehen leer. Hier hört dich niemand!«, sagte er mit einem hämischen Lachen. »Und selbst wenn dich jemand hört, die Leute, die hier leben, die helfen dir nicht, wenn du schreist. Sie sind Schreie gewöhnt.«

Im Kindle-Shop: Eiskalter Schlummer - Band 2: Die Rache

Mehr über und von Lutz Kreutzer auf seiner Website zum Buch.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen