10. April 2017

'Der Doppelzentner-Bulle' von G. Waschbeer

Echte Polizeigeschichten, geschrieben von einem, der dabei war.

Der Autor ist seit 43 Jahren im Polizeidienst und war im Streifendienst, bei der Zivilfahndung, bei der Drogenfahndung und zur Milieu-Aufklärung eingesetzt. Seine letzten Dienstjahre verbringt er in einer Einsatzzentrale. Irgendwann begann er, seine Erlebnisse ein Erinnerungen aufzuschreiben - daraus entstand dieses Buch.

Aus dem Vorwort:
Ich erzähle in diesem Buch wie ich als junger, sportlicher Berufsanfänger begann und wie aus mir in fast 40 Dienstjahren "der Doppelzentner Bulle" wurde. Ausgelöst durch unzählige schreckliche dienstliche Erlebnisse, die ich auch erzählen werde, und private Erfahrungen, hatte ich mir zum Schutz einen Speckgürtel als Panzer zugelegt, der jetzt schwer auf meinen Hüften lastet. [...]
Ich hatte zuerst die Idee, ein Tagebuch über unsere Lebensveränderung zu schreiben. [...] Aber dann wurde mir deutlich, dass nicht nur das viele Essen Ursache für mein Übergewicht ist, sondern dass ich viel tiefer suchen muss. Ich muss also mit den dienstlichen Eindrücken beginnen. Dazu werde ich Einsätze und Geschichten der beteiligten Personen erzählen. Die handelnden Personen sind frei erfunden. Ich werde das eine oder andere dunkle Geheimnis lüften und ein wenig "aus der Schule" plaudern, denn gerade in den "Helfenden Berufen" soll es deutlich mehr übergewichtige Menschen geben.
Man darf in einem solchen Beruf die Schicksale der Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht zu sehr an sich heran lassen, denn dann würde man daran zerbrechen. Dies ist auch schon manchem Kollegen so ergangen. Oder man legt sich alternativ einen Panzer zu.


Gleich lesen: Der Doppelzentner-Bulle

Leseprobe:
[…]
Nun wurde er mit der Stirn an eine Wand gedrückt und seine Hände wurden auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Starke Hände packten ihn und führten ihn zum Tor. Er stieß gegen einen großen Wagen und wurde sofort in den Kofferraum gestoßen.
Als die Klappe zuschlug, hörte er den Motor starten, dann hörte er nur noch die Volksmusik, die aus den Lautsprechern tönte, es war Heino mit seiner schwarzen Barbara.
Jegliches Zeitgefühl war ihm verloren gegangen. Nach gefühlten Stunden stoppte das Fahrzeug.
Der Kofferraum wurde geöffnet und dieselben starken Hände zerrten ihn heraus, bis er auf seinen Füßen stand.
Er hörte die Vögel zwitschern im Morgengrauen.
Demnach befand er sich mitten im Wald.
Jetzt wurde er über einen gepflasterten Weg geführt. Das konnte er genau spüren, weil er nur Socken trug. Seine Hauslatschen hatte er verloren und seine Sportschuhe standen noch in der Garage. Vor ihm wurde eine Tür geöffnet und er wurde in ein Haus geführt.
Unter seinen Füßen spürte er harten, kalten Beton.
Nach einem langen Weg wurde wieder eine Tür geöffnet.
Nach einer kurzen Drehung wurde er unsanft auf einen Stuhl gedrückt. Dann hörte er nur noch wie die Tür wieder ins Schloss fiel und abgeschlossen wurde. Er blieb allein und hilflos zurück.
Zunächst versuchte er den Raum zu erkunden. Es war hier eiskalt. Weil er keine Schuhe trug, kroch die Kälte von den Füßen hoch in seinen Körper.
Zeitweise nahm er die Füße hoch, aber das konnte er auch nicht lange durchhalten.
Er überlegte, ob er durch den Raum gehen sollte, um die Größe zu erkunden, entschied sich aber sitzen zu bleiben, weil er befürchtete zu stolpern oder sich den Kopf zu stoßen.
Er war sich noch nicht ganz im Klaren darüber, wer ihn, zu welchem Zweck auch immer, entführt hatte.
Als Vorstandsmitglied einer großen Bank in Frankfurt verfügte er natürlich über genügend Kapital, um auch eine größere Summe Lösegeld zu zahlen. War das der Grund? Wollte man seine Frau erpressen?
Die kehrte aber erst in sechs Tagen zurück und war auch dann erst wieder persönlich erreichbar.
Sollte er hier so lange verbleiben? In dieser Zeit konnte er verdursten, verhungern oder erfrieren.
Oder war sein Leben für die Entführer jetzt völlig unwichtig?
Er hatte einmal gelesen, dass die Hälfte der Entführungsopfer bereits vor der Geldübergabe getötet werden. Plötzlich überkam ihn schreckliche Angst. Obwohl er sonst vor Nichts und Niemandem Angst hatte.
Er hatte genug Geld, um sich Alles und Jeden zu kaufen oder zu erkaufen.
Aber in Todesangst sind alle Menschen gleich. Egal ob mit oder ohne Geld. Wieder vergingen gefühlte Stunden, bis die Tür wieder geöffnet wurde.
Er wurde wieder hinausgebracht und wieder gewaltsam in den Kofferraum gesperrt. Diesmal dauerte die Fahrt nicht sehr lange.
Nach kurzer Zeit musste er wieder aussteigen und wurde an beiden Armen gepackt und in den Wald geführt. Seine Arme wurden nun zur Seite mit Handschellen und Ketten an je einem Baum stramm befestigt. Er musste zwischen den Bäumen stehen und konnte sich kaum bewegen.
Er hatte keine Ahnung was weiter geschehen sollte.
Wollte man ihn hier erschießen, um ein Zeichen zu setzen?
Handelte es sich bei den Entführern um Terroristen?
Sicherlich hatte er sich in seinem Job auch genug Feinde gemacht, aber diesen Leuten traute er keinen Mord zu.
Und wieder überkam ihn Todesangst. Es regnete leicht.
Er fror und schwitzte zugleich. Ein weiteres Fahrzeug hielt neben ihm an und plötzlich war ihm klar, was hier mit ihm geschah.

Im Kindle-Shop: Der Doppelzentner-Bulle

Mehr über und von G. Waschbeer auf seiner Autorenseite beim Verlag.



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