13. April 2017

'Duft der Zypressen' von Dinah Herbst

Mit den Nerven am Ende flüchtet Jan in die Toskana, wo er hofft, seine schlimmen Erlebnisse verarbeiten zu können. Er sucht Ruhe, will den Albträumen der Nächte entfliehen. Auf der Zugfahrt kommt ihm die Idee, einen Roman zu schreiben. Eine Liebesgeschichte in Italien, dem Land der Verführungen.

Findet er hier die Inspiration für das Projekt, wird auch er eine neue Liebe finden?

Gleich lesen: Duft der Zypressen

Leseprobe:
Jan:
Der Sonntagmorgen war erfüllt von Vorfreude auf die Begegnung mit Eva. In mir tummelte sich ein Schwarm Hummeln, das Gefühl schlief die letzten zwölf Jahre. Ein Schritt zurück in die Vergangenheit.
Laura brachte das Frühstück an den Tisch im Garten. Ich bat sie, sich zu setzen.
»Hat das Aufräumen gut geklappt?«
»In einer Stunde war alles getan. Um sieben saßen wir beim Morgenkaffee.«
»Schön, ich bin nachher nicht da, sehe mir die Umgebung an. Wann ich zurückkomme, weiß ich noch nicht.«
Sie sah verschwörerisch zu mir. »Falls Giuseppe fragt, du fährst elf Uhr dreißig mit dem Bus in die Stadt. Die Haltestelle ist schräg gegenüber. Und … grüß Frau Holtensen.«
»Woher weißt du davon?«
Sie grinste. »Wir sind befreundet.«
»Aha. Gefangen in einer Absprache unter Mädels. Da habe ich wohl keine Chance. - Die Stufen neben der Käserei, komme ich da nach oben zur Kirche?«
»Die Treppen enden am Platz davor. Bitte, tut euch einen Gefallen, lasst niemanden im Dorf merken, dass ihr zusammen was unternehmt.«
»Danke für den Rat, wir geben uns Mühe.«

Um elf ließen sich die Hummeln nicht mehr beruhigen, sie zwangen zum Aufbruch. Ich überquerte die Straße und wartete einen Moment an der Bushaltestelle. Dann schlenderte ich zum Weg. Der führte zwischen Häusern steil hinauf, die mich an in den Hang geklebte Schwalbennester erinnerten. Ich sah keinen Menschen, der Ort wirkte ausgestorben. Ob die alle mit den Nachwirkungen des Festes kämpften?
Nach zweihundert Stufen legte ich eine Pause ein. Mein Atem beruhigte sich und ich bewunderte die Eingangstüren mit ihren geschmiedeten Türklopfern, jeder mit einem anderen Ornament versehen.
Der Aufstieg wurde, wie vermutet, für einen vom flachen Land nicht leicht. Endlich konnte ich das Ende der Treppe sehen. Von dem Gedanken vorangetrieben, erledigte ich die letzten Meter mit Elan, dort wartete eine faszinierende Dame. Ein Blick zur Uhr zeigte mir: Ich war vor der verabredeten Zeit oben angekommen. Der Eisverkauf öffnete am Sonntag erst um 15 Uhr, also gab es keine Erfrischung.
Enttäuscht darüber setzte ich mich auf die Mauer vor der Kirche und bewunderte die Aussicht ins Tal. Mit dem Handrücken wischte ich mir den Schweiß von der Stirn. Ein wunderschöner Tag, die Sonne gab ihr Bestes, der sanfte Wind, der sich in den Haaren verfing, erfrischte das Gesicht.
Was erwartete ich von dem Date? Diese bezaubernde Frau wiederzutreffen, mit ihr zu plaudern, beflügelte meine Fantasie. Auf Giacomos Fest war etwas mit mir geschehen. Sie hatte einen Zauber, der von mir Besitz ergriff. Liebe auf den ersten Blick?
Eva hatte darum gebeten, wollte über das Schreiben sprechen, das war Neuland für mich.
Ich saß lange, malte mir Situationen aus, bis die Stille jäh vom Motorengeräusch eines Autos unterbrochen wurde. Ein Fiat 500 wendete auf dem Kirchplatz und hielt neben mir an.
»Steigen Sie ein, Herr van den Books. Lassen Sie uns hier verschwinden.«
Ich sprang auf, lief zum Wagen und schmiss mich hinein. »Warum diese Eile?«
»Solange hier alles schläft, sieht uns niemand zusammen. Ich zeige Ihnen jetzt mein Reich, ein Eis essen wir nachher. Wir wollen doch beide nicht, dass es hier Gerüchte gibt.«
Ich schwieg auf dem Weg hinunter, durchs Tal, dann hinauf in die Einsamkeit. Auf der Kuppe bog sie mit mir in einen schmalen Weg ab, den Zypressen säumten. Sie standen wie aufgefädelt um das ganze obere Grundstück.
»Die haben dem Grund den Namen gegeben, Haus der Zypressen.«
Beeindruckend in den Hang gebaut, ein Natursteinhaus wie aus einem Prospekt. Daran hatte das Dorf also zwei Jahre gearbeitet, keine Minute davon schien verschwendet.
»Kommen Sie, ich führe Sie hinein.«
Drei Stufen führten zur Tür. Eine wunderschöne Eidechse huschte, von mir beim Sonnenbad gestört, in ihr Versteck.
»Entschuldige, ich passe auf, wohin ich trete.« Ich fühlte mich hier sofort wohl.

Im Kindle-Shop: Duft der Zypressen

Mehr über und von Dinah Herbst auf ihrer Facebook-Seite.



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