17. Juni 2017

'Welt aus Sand: Die Chroniken von Pathaar I' von M.P. Anderfeld

In einer Welt, die von riesigen, insektenähnlichen Wesen beherrscht wird, wächst Mira in relativer Sicherheit auf.

Als Kronprinzessin von Bedivere, eines mächtigen Stadtstaats in der großen Ebene, lebt sie privilegiert, wenn auch in einem „goldenen Käfig". Ihr sorgenfreies Leben findet ein jähes Ende, als ihre einzige Freundin durch eine Intrige unter Verdacht gerät und ihr die Todesstrafe droht. Wenn Mira sie retten will, muss sie selbst aktiv werden.

Auf dem Spiel steht nicht nur das Schicksal der Prinzessin, sondern das der ganzen Menschheit.

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Leseprobe:
Die Hitze ließ die Luft über der Wüste wabern. Eine gewaltige Staubwolke hinter sich herziehend, bewegte sich ein riesiges Gebilde über die Ebene. Jupiter rollte, stakte, schritt, auf einem Gewirr aus Beinen, Rädern und Raupenketten, immer wieder fuhren aus dem Bauch des Ungetüms Rohre und Stützarme und wurden wieder eingezogen. Bewegten, stabilisierten, betasteten. Dampf trat zischend aus Gelenken, Scharniere quietschten und Ketten rasselten.
Hoch über all dem erhob sich die Stadt auf einer großen runden Plattform. Dicht gedrängt standen die Häuser, dazwischen enge Gassen und einige breitere Straßen. Vom Rand der Plattform hingen Kabel und Ketten herunter, darüber erhoben sich zahlreiche Kräne.
Von einem wurde gerade ein kleines Fahrzeug herabgelassen, das sich in Bewegung setzte, kaum dass es den Boden berührte.
Sie waren zu viert im Dampfroller – Frau Kornheim, er selbst und zwei andere, die Kato noch nicht kannte.
Ein junger Mann steuerte das Gefährt, während Frau Kornheim letzte Instruktionen gab: »Wir vermuten eine größere Bibliothek in Ruinen nicht weit entfernt und wir wissen nicht, wann wir wieder hierher kommen. Das könnte also eine Chance sein, die nicht so schnell wiederkommt. Ihr wisst, dass wir nicht viel Zeit haben. Impact ist in …« sie versuchte, auf ihre Armbanduhr zu schauen, aber der Staub nahm ihr die Sicht, »… na, jedenfalls bald. Aber das macht nichts. Wir gehen rein, holen was Interessantes und verschwinden wieder. In drei Stunden sind wir wieder zurück.«
»Zur Rollenverteilung: Lenko und ich gehen rein. Kato und Jenn, ihr sichert. Beim geringsten Zeichen irgendeiner Gefahr gebt ihr Signal und wir hauen ab. Ist das klar?«
Alle nickten. Lenko musste der arrogant wirkende junge Mann am Steuer sein und das grimmig dreinblickende Mädchen war dann wohl Jenn. Reizende Gesellschaft.
Nachdem sie etwa eine Stunde durch die Wüste gefahren waren, erreichten sie eine verlassene Stadt. Obwohl der Sand bereits einen großen Teil der Bauten erobert hatte – Kato sah eingestürzte Dächer, aus manchen der fensterlosen Öffnungen quoll gelber Sand und von nicht wenigen Häusern standen nur noch die Grundmauern – bot sie noch immer einen imposanten Anblick. Kato wäre gerne länger geblieben und hätte sich alles genauer angesehen.
»Ist was anderes als Ketten schmieren, was?«, sagte Frau Kornheim, ohne ihn anzusehen und grinste.
Die Bibliothek lag an einem weiten, leeren Platz, über den der Wind ungehindert hinwegfegte. Sie stellten ihr Fahrzeug direkt davor ab.
Das Eingangstor war verschlossen, sie brachen es mit einem kleinen Rammbock auf. Dann machten sie sich an die Arbeit. Kato wartete im Bereich des Eingangs, Jenn war auf der Straße, hielt den Kessel unter Feuer und hielt Ausschau nach Ynsekti.
Nachdem Frau Kornheim und Lenko verschwunden waren und sich seine Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten, konnte auch Kato sich umsehen. Er befand sich in einem großen Raum, von dem eine breite Treppe nach oben führte. Still war es hier und überraschend kühl. Und so friedlich, dass es ihn nervös machte. Erst nach einer Weile wurde ihm klar, was ihm fehlte: Der Boden war völlig still. Er war in Jupiter aufgewachsen und daran gewöhnt, dass der Boden zumindest leicht schwankte, dass immer wieder schwache Vibrationen zu spüren waren. Hier aber war nichts. Er stampfte auf den Boden. Ein wenig Staub flog auf. Alles fühlte sich falsch an, tot und statisch.

Im Kindle-Shop: Welt aus Sand: Die Chroniken von Pathaar I

Mehr über und von M.P. Anderfeld auf seiner Website.



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