7. Juli 2017

'Das Flüstern des Dämons: Finnland-Krimi' von Kerstin Sjöberg

Helsinki, im November. Kriminalhauptkommissar Mikael Häkkinen, der nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma in den Dienst zurückkehrt, macht gemeinsam mit seinem Kollegen eine grausige Entdeckung: In einem verlassenen Keller finden sie eine tote Frau, der das Herz herausgeschnitten wurde.

Als eine weitere Frau ermordet aufgefunden wird, das Herz herausgerissen, bestätigen sich die dunklen Vorahnungen, dass es sich um einen Serienmörder handelt. Zusammen mit seinen Kollegen begibt sich Mikael auf die Jagd nach dem Täter und gerät dabei immer mehr an seine gesundheitliche und psychische Grenze, als ihn Dämonen aus der Vergangenheit heimsuchen.

Und schon bald muss er feststellen, dass der Serienmörder ihm und seiner jungen Familie näher kommt, als ihm lieb ist ...

Gleich lesen:
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Leseprobe:
Der November hatte sich über Helsinki gelegt und umgarnte die Hauptstadt mit einer traurigen, schwermütigen Stimmung. Es war kalt. Feiner Nebel hing zwischen den Häusern. Das Licht der Straßenlaternen reichte kaum aus, um die Fußgängerwege in der Nacht zu beleuchten.
Ziellos schlich die Männergestalt durch die Gassen der Stadt. Er war auf der Jagd. Der Dämon in ihm war zum Leben erwacht und lechzte nach Beute. Sein Herz schlug aufgeregt in seiner Brust und er spürte, wie sich in seinem Inneren eine Hitze freudiger Erwartung ausbreitete und ihn die unbarmherzigen Minusgrade der nordischen Winternächte vergessen ließ. Vor Aufregung zitterten seine Hände. Die Beine wurden weich und seine Gedanken überschlugen sich. Er begann, seinen jahrelangen Kampf gegen die Urgewalt in seinem Körper zu verlieren. Sie konnte nicht mehr länger in Schach gehalten werden. Die Dunkelheit in ihm wuchs und er verlor die Kontrolle über sein Handeln und Denken. Die Bilder aus seinen Träumen wurden Wirklichkeit und er sah es geradezu vor sich: reines Blut! In seinen Händen spürte er die Wärme des schlagenden Herzens. Es musste heute passieren, er konnte die Fantasien in sich nicht mehr länger zurückhalten. Schon allein der Gedanke daran drohte, ihn in den Wahnsinn zu treiben. Es musste getan werden, damit er den Dämon in sich besänftigen konnte. Zu lange hatte er den Druck in sich zurückgehalten, die Erinnerung daran verdrängt. Er drohte zu platzen! Er hatte keine Wahl, war nicht mehr stark genug, um zu widerstehen.
Plötzlich trat nur wenige Meter von ihm eine junge Frau aus einem der Häuser. Ihre Figur wurde vom Licht, das aus dem Hausflur auf die Straße schien, perfekt in Szene gesetzt. Sie trug einen blauen Wintermantel, der ihre Kurven betonte. Eine Zartheit, die ihn reizte. Der Dämon ihn ihm heulte begeistert auf. Sein lang gehegter Zweifel und seine Unentschlossenheit waren wie weggeblasen. Die Frau war wunderschön. Ihr langes, blondes Haar umrahmte ihr schmales Gesicht. Sie hatte fein geschwungene, rosa Lippen und ihre blauen Augen glitzerten im Licht der Straßenbeleuchtung.
In diesem Moment war es um ihn geschehen. Ihr Körper war so perfekt! Der Dämon in ihm tigerte nervös hin und her. Er geriet in Ekstase, war nicht mehr aufzuhalten. Sie sollte sein Opfer sein, er wollte sie und niemand anderen!
Er folgte ihr wie ein zweiter Schatten, der sich nicht abhängen ließ. Die Frau lief einige Hundert Meter die breite Hauptstraße entlang, ehe sie in eine dunkle Nebenstraße bog. Die Häuser türmten sich an den Seiten. Adrenalin pumpte durch seine Adern, befeuert von jahrelang aufgestauten Fantasien. Bilder aus seinen wilden Träumen schossen ihm durch den Kopf. Der Dämon in ihm schrie, wütete, jauchzte vor Glück. Sein Herzschlag hatte sich noch einmal beschleunigt und klopfte wild gegen die Rippen. Er wollte ihr Herz haben, er musste es haben. Vorher würde er sie nicht entkommen lassen. Sie war einfach zu perfekt! Heute würde sein großer Tag werden. Das Raubtier kämpfte sich nach oben und er konnte einen Ausruf der Freude nicht mehr zurückhalten. Und nun wurde er bemerkt. Seine Beute sah sich um und schien sofort zu begreifen, dass er hinter ihr her war. Ihr Schritt wurde schneller, doch auch er beschleunigte seinen Gang. Augenblicklich begann sie, zu rennen. Halb besinnungslos vor Begierde folgte er dem Klang der klappernden Absätze. Ihr entsetzter Hilfeschrei hallte durch die Gasse. Immer und immer wieder schrie sie. Doch keiner hörte sie oder wollte sie hören. Niemand könnte sie retten, dachte er.
Er lachte laut.
»Du wirst mir nicht entkommen!«, grölte er.
Sie knickte um, fiel zu Boden, rappelte sich wieder auf. Eine Chance hatte sie nicht mehr, der Absatz am rechten Schuh war abgebrochen und sie humpelte. Wie eine verletzte Antilope war sie leichte Beute für das Raubtier. Meter um Meter machte er gut. Er war am Ziel! Seine rechte, schweißnasse Hand griff in seine Manteltasche und er zog ein Messer heraus. Dann sprang er nach vorn, packte zu und erlegte seine Beute mit einem treffsicheren Stich.

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