8. August 2017

'Mein Boss, die Liebe und andere Katastrophen' von Danielle A. Patricks

Anika ist mit ihren zweiundzwanzig Jahren mit ihrem Leben recht zufrieden. Sie arbeitet seit Abschluss der Matura in einer kleinen Firma als Chefsekretärin. Mit dem Chef kommt sie prächtig aus und die Arbeitskollegen respektieren sie. Doch als ein gewisser Mike Koller in ihr Büro schneit und sich als neuer Kollege vorstellt, bringt er das gut zurechtgelegte Gefüge durcheinander. Zumindest das, von Anika. Der Kerl geht ihr unter die Haut. Er verunsichert sie.

Nur, sie vertraut keinem Mann mehr, seit ihr erster Freund sie böse hintergangen hat. Machos können ihr gestohlen bleiben. Glaubt sie zumindest. Dazu nervt ihre Schwester Jennifer sie mit der bevorstehenden Hochzeit, auf der Anika keinesfalls alleine erscheinen wollte. Mike schlägt ihr einen unverschämten Deal vor. Soll sie sich darauf einlassen? Wird sie seinem Drängen nachgeben?

Gleich lesen: Mein Boss, die Liebe und andere Katastrophen: Herzgeschichten

Leseprobe:
Seit einer Woche nahm der Alltag bei den Neumanns wieder Raum ein. Klara fand es ungewohnt, nach so vielen Wochen der Genesung, wieder für sich selbst zu sorgen. Unterstützt wurde sie dabei noch von ihrer jüngeren Tochter Anika, sowie ihrem Gatten Gert.
Wenigstens grundlegende Dinge erledigen zu können, wie sich selbst duschen, Haare waschen, ein kleines Gericht kochen, kurze Strecken spazieren gehen, bereiteten ihr immense Freude und geben ihr Zuversicht, wieder ganz gesund zu werden. Es waren die wirklich kleinen Dinge des Lebens, die seitdem an Gewicht und Bedeutung gewonnen hatten. Schmerzen beim Gehen erinnerten sie an das unsagbare Glück, den Unfall vor vier Monaten überlebt zu haben.
Der Ex-Verlobte ihrer älteren Tochter Jennifer wollte unter allen Umständen eine Hochzeit erzwingen. Zuvor hatte er sie mit ihrer besten Freundin betrogen. Die Abfuhr, die Jenny ihm erteilte, wollte er nicht akzeptieren. Er heckte einen abscheulichen Plan aus. Peter lenkte sein Auto absichtlich in das von Jennifers Eltern. Beide wurden dabei schwer verletzt. Er selbst überlebte den Zusammenstoß nicht. Klara dachte mit Grauen daran zurück. Sie verstand Jenny in jeder Hinsicht, dass sie diesem Mann nicht hatte verzeihen können. Umso glücklicher machte sie der Umstand zu wissen, dass Jenny die große Liebe letztendlich doch noch gefunden hatte. Im Mai war die Hochzeit geplant. Max, der zukünftige Schwiegersohn besaß nicht nur das Herz am rechten Fleck, sondern auch die Mittel, seiner Frau finanziell ein gutes Leben bieten zu können. Seine beiden Kinder, Amelie und Benny, derentwegen er Jenny als Nanny angestellt hatte, liebten ihre neue Mami aus vollem Herzen. Klaras Gesicht überzog ein zufriedenes Lächeln und ihre Augen strahlten, als sie an Jenny und ihre neue Familie dachte. Sie freute sich über den Familiennachwuchs und hatte diesen bereits ins Herz geschlossen.
Klara blickte von ihrer Morgenzeitung auf, als Gert die Küche betrat. Er roch nach seinem herb-holzigen Aftershave. Gel hielt seine von Natur aus grau melierte, dichte Haarpracht im Zaum. Sie strahlte ihn an und bemerkte, wie attraktiv er doch für sein Alter war.
»Weißt du schon, wie lange du heute im Büro bleibst?« Sie wartete auf seine Antwort, während er die Espressomaschine bediente.
»Denke, bis gegen fünfzehn Uhr. Das lässt sich einrichten.« Er nippte an der heißen Tasse und setzte sich zu seiner Frau an den Tisch. Dort warteten frische Brötchen, Butter und Marmelade auf ihn. Mit seinen schlanken Bürohänden schnitt er die Semmel in zwei Teile. Eine Hälfte behielt er und die zweite legte er zurück ins Körbchen. Klara verfolgte jeden seiner Handgriffe. Seit über sechsundzwanzig Jahren waren Sie bereits verheiratet und noch immer faszinierte sie, mit welcher Akribie er täglich seine halbe Frühstückssemmel bestrich. Voller Genuss biss er in das knusprige Gebäck.
»Möchtest du heute etwas unternehmen, wenn ich nach Hause komme? Oder sind dringend Besorgungen zu erledigen?« Er tupfte sich den Mund mit der Serviette ab, nahm einen kräftigen Schluck Kaffee und blickte sie an.
»Nein, aber ich möchte eine Forelle braten.«
»Es ist besser, wenn du damit wartest, bis ich zu Hause bin, dann kann ich dir helfen. Du sollst dich doch noch schonen und ich mache mir Sorgen«, tadelte er sie in liebevollem Tonfall.
»Es geht mir wieder gut«, protestierte sie. »Ich bin wirklich froh, wieder so fit zu sein, und mit jedem Tag wird es besser.« Klara wusste, dass Gert und auch ihre Töchter es nur gut mit ihr meinten, aber es nervte trotzdem, den besorgten Blick von ihm zu sehen. Seine Fürsorge in Ehren, aber er versuchte sie tatsächlich in Watte zu packen. Ein spitzbübisches Funkeln leuchtete aus den grauen Augen. »Ich will dich nicht nerven, aber ich mach mir eben Sorgen. Anika ist wieder besonders gut drauf, wie mir scheint. Sie trällert heute besonders laut im Badezimmer. Wenn sie wenigstens singen könnte. Mir schmerzt der Kopf bei diesen falschen Tönen«, beschwerte sich Gert liebevoll. So gerne ihre jüngere Tochter sang, so wenig beherrschte sie es. Sogar bis in die Küche drang ihr Gesang, oder wie man diese Klänge bezeichnen sollte. Klara zuckte mit den Schultern.
»Es ist doch schön, wenn sie morgens schon so gut gelaunt ist. Sollte sie einmal in eine eigene Wohnung ziehen, wird uns ihr Geträller fehlen.«
»Um Auszuziehen ist sie aber schon noch zu jung, findest du nicht? Na ja, ich muss los. Tschüss bis heute Nachmittag.« Jetzt drückte er ihr einen sanften Kuss auf den Mund und überließ sich ihrer selbst, bevor sie noch hätte etwas erwidern können. Klara seufzte. Die letzten Wochen nach dem Unfall, als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, verbrachten sie und Gert bei Max und Jenny. Ihr Mann hatte nach seinem Krankenstand zusätzlich Urlaub genommen. Damit Jenny wieder zu Max und den Kindern ohne Bedenken zurückkehren konnte, hatte ihr Schwiegersohn in spe sie zu sich geholt. Dort erhielt Klara die nötige Pflege, die sie zum Gesunden benötigte. Dafür würde sie Max ewig dankbar sein.
Gerade als sie die Zeitung schließen wollte, hüpfte ihre jüngere Tochter Anika herein.
»Morgen, Mama. Schon ausgeschlafen? Ist Papa schon zur Arbeit? Ich muss auch gleich los, bin spät dran.«
»Ja, danke. Papa ist bereits am Weg zur Arbeit und du solltest noch etwas frühstücken. Auf ein paar Minuten wird es nicht ankommen«, bemühte Klara sich, rasch zu antworten.
»Leider doch! Hab verschlafen und muss wirklich los.« Sie drückte ihrer Mutter ein Küsschen auf die Wange und war schon wieder zur Tür hinaus.

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Mehr über und von Danielle A. Patricks auf ihrer Website.



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