16. Oktober 2017

'Die Mino-Saga' von O.E.Wendt

Dieses dreiteilige Epos aus längst vergangenen Zeiten lässt Drachen erwachen, Elfen fliegen, Magier ihre Wunder wirken und das Schwache gegen das Starke kämpfen. Mit dem ersten Teil „Mino und die Elfenherrin“ lag O.E.Wendt im letzten Jahr beim Storytelleraward von Amazon bei den Kundenbewertungen unter den besten zehn von über 2.000 Titeln.

Boshaftigkeit, verborgen in dunklen Bergwälder, finstere Mächte, aus den Tiefen der Erde kriechend und Wesenheiten, vielfältiger sie kaum sein können; wunderbare Lichtgestalten, böse und gute Hexen, aber Kreaturen auch, die uns noch nie begegnet sind. Sie alle sehen sich bedroht durch einen von Menschen beschworenen Dämon, der das Licht scheut und seine Kraft einzig aus Leid und versiegendem Leben schöpft, aus dem Tod. Nur der junge Mino ahnt, dass seine Wanderung das Verlöschen aller Hoffnung zu verhindern vermag.

Gleich lesen: Die Mino-Saga (Reihe in 3 Bänden)

Leseprobe:
Elrado hatte nur ein kleines Feuer entfacht. Als es beinahe verloschen war, wachte Mino wieder auf. Er wusste nicht, was genau ihn geweckt hatte, ein Geräusch oder ein Traum? Neugierig lugte er aus seiner Schlafhaut und lauschte. Für eine so finstere Nacht war dieser Wald laut. Ge­zirpe und Gesumme, Knacksen im Geäst und Gurren in den Zweigen über ihnen. Nein! Geräusche waren es wohl nicht, die ihn weckten. Er blickte zu den anderen hinüber. Sein Vater und Kumrado schliefen tief und fest. Die letzten Holzstückchen knackten in der Glut vor sich hin und durch die Feuchtigkeit des Waldes konnte er überall Tropfen zu Boden oder auf große Blätter platschen hören. Der ganze Wald lebte unheimlich, als hätte er einen eigenen Atem. Kein Mond, kein Stern war zu sehen und besonders weit bot die Glut nun auch keine Sicht mehr. Mino zündete eine kleine Windlampe an. Aufstehen wollte er jedoch nicht. Noch nie hatte er woanders geschlafen, außer bei den Kumrados. Und besonders heimelig war es gerade nicht. Sein Vater hatte ihm gesagt, dass sie morgen Abend die Mitte erreichen würden und dummerweise genau hindurch mussten. Hätten sie das erst hinter sich, kamen sie angeblich in das Gebiet der Elfen. Dort leb­ten sie und man erzählte sich, dass es wunderschön an diesem Ort sei. Mino stellte es sich vor und bemerkte dann, wie viele Zikaden in die­sem Wald umherschwirrten. Viel mehr als draußen auf den Wiesen. Wenn er genau darauf achtete, kam es ihm wie ein gigantisches Kon­zert vor oder wie ein wichtiger Wettkampf, den die Tierchen ausführ­ten. Ständig hatte er das Gefühl, etwas krieche in seine Schlafhaut oder nestelte in seinen Haaren herum. Er wollte sich nun aber zusammen­reißen und führte sich vor Augen, dass dies gerade der erste Tag war, an dem er von zu Hause fort war. Und wäre er nun auf seinem Jugendpfad, hätte er diese Nacht völlig alleine durchste­hen müssen. Im Übrigen war es letztlich nur ein Wald, redete er sich ein. Natürlich hatte er viele Geschichten über ihn gehört, wie über fremde Länder auch. Aber die Welt bestand nicht nur aus Zauber und geheimnisvollen unerklärlichen Begebenheiten.
Aber es gibt sie, flüsterte eine feine Stimme in seinem Ohr. Mino drehte sich erschrocken um. Es war niemand zu sehen.
„Ich habe eine Mädchenstimme gehört“, sagte er leise und schaute zu sei­nem Vater und Kumrado hinüber. Sie schliefen noch immer. Es mochte Mitternacht sein. Ihm war, als sei jedes Geräusch um ihn herum plötzlich erstickt.
„Ist da jemand?”, flüsterte er. Seine Augen traten ängstlich hervor. Er hörte ein Kichern, dann ein Surren und wieder ein Kichern. Diesmal aus einer anderen Richtung. Alles andere war still. Mino hockte sich hin, versuchte etwas zu sehen im Schein seines Windlichtes, konnte jedoch nichts erkennen. Ihm kam es nun wirklich sehr warm vor. Aber er wusste, dass es nicht an der Schlafhaut lag, die Kumrados Frau so liebevoll zusammengenäht hatte. Da war das Surren wieder. Es kam direkt hinter dem Felsen hervor. Mino schaute vorsichtig um die Ecke, verließ aber seine Schlafhaut nicht und fiel deshalb hin. Er­neut wurde gekichert und als Mino aufschaute, sah er ein kleines We­sen, sehr filigran, nur bienengroß, umgeben von einem Schimmer und Glanz wie Millionen kleiner Goldpartikel, die von seinen kleinen Flügelchen herzurühren schienen. Erst als er genauer hinsah, er­kannte Mino diese zarten Flügelchen und das wunderschöne Antlitz eines winzigen Mädchens.
„Ein Elfenmädchen“, flüsterte er, ließ den Mund danach offen stehen. Das Wesen tänzelte hin und her und lächelte. Sie kicherte noch ein­mal kurz und flüsterte dann: „Komm zu mir rüber, Mino, komm rüber! Pssst! Sei leise, wir wollen doch niemanden wecken!”
Ohne überhaupt nachzudenken, ob es eventuell ein Trug oder die Falle eines verschlagenen Trolls sein könnte, kroch Mino aus seiner Schlafhaut und folgte dem Mädchen. Überall, wo sie entlangflog, zog sie einen feinen Duft und eine leichte golden schimmernde Glanz­spur nach sich. Auf der anderen Seite des Felsens schwebte sie auf der Stelle.
„Hier können wir bleiben. Dort drüben hätten wir sonst jemanden unnötig aufgeweckt.“
„Bist du eine Elfe?”, wollte Mino sich vergewissern. „Pssst! Nicht so laut, Mino.“ Sie legte sich einen Finger vor den Mund. „Ja, du hattest schon ganz Recht, ich bin ein Elfenmädchen und dürfte eigentlich gar nicht hier bei dir sein.“ Verstohlen schaute sie um sich.
„Was tust du dann hier?”, fragte Mino.
„Ich war neugierig und wollte dich sehen.“
„Mich sehen?“ Das konnte Mino nicht verstehen. Was sollte an ihm besonderes sein? Er war ein Junge von sechzehn, der wahrhaftig nicht glorreich genug für den Inhalt einer ihm vorauseilenden Ge­schichte war. Warum kannte sie ihn?
„Unsere Herrin hat uns von dir erzählt. Tatsächlich bist du wirklich ein hübscher Bengel. Aber das habe ich auch früher schon bemerkt.“
Mino war so fasziniert von ihrer Erscheinung, dass er kaum darauf achtete, was sie sagte. Sie tänzelte immer noch hin und her, schim­merte und glitzerte wie ein kleiner Goldregen. „Sie hat uns einiges über dich erzählt. Ich hoffe wirklich sehr, ihr werdet euren Brüdern und Schwestern helfen können. Eigentlich bin ich mir ganz sicher, dass ihr das könnt. Schließlich ist das erst der Anfang.“
„Ich verstehe das nicht so ganz“, sagte er. „Was hat eure Herrin denn erzählt? Anfang von was?“
„Na, ich spreche von diesem fiesen Habier, der die ganzen Leute aufge­wiegelt und unter seinen Einfluss gebracht hat. Er kommt nicht aus dieser Gegend und ist ganz gewiss kein Mensch wie du und deine Brüder es seid.“
„Dann weißt du, was drüben vorgeht?”, fragte er sie.
„Oh, ja. Natürlich. Uns Elfen entgeht nichts, was diesen Wald betrifft. Er gehört uns von Anbeginn.“
„Kannst du es mir nicht erzählen? Ich weiß nicht viel über diesen Ha­bier. Nur das, was mein Vater mir schon erzählt hat“, meinte er ohne auch nur einen Moment den Blick von ihr zu lassen.
„Deshalb bin ich ja hergekommen. Auch wenn es gar nicht erlaubt ist. Ich habe dich schon manches Mal beobachtet und fand dich immer sehr nett. Und genau deshalb wollte ich dir ein wenig helfen.“
„Aber warum helfen die Elfen nicht direkt den Mädchengesegneten? Wenn ihr uns helfen könnt, dann denen drüben doch auch“, entgeg­nete Mino.
„Du magst ein Stück weit Recht haben“, antwortete sie. „Doch in die­sem Fall handelt unsere Herrin ja nicht nur für euch. Sie würde gleichzei­tig gegen jemand anderen handeln. Und dieser Jemand kommt nicht aus unserem Land. Er ist gar nicht fassbar. Und bedroht uns ja nicht unmittelbar. Deshalb kann sie nichts tun. Zumindest nicht viel.“
„Aber du hast eben gesagt, du möchtest mir helfen“, widersprach er.
„Ich helfe dir nicht mit Elfenzauber. Ich sage Dir nur wie es ist“, sagte sie, weiterhin tänzelnd.
„Selbst wenn es nicht erlaubt ist“, meinte Mino. „Ihr könntet doch eine Ausnahme machen.“
„Oh, das würden wir alle gerne tun. Ich bin mir sicher, ein jedes Elfen­kind hat schon versucht gegen die Gebote unserer Herrin zu handeln, sei es aus Spaß, Unbesonnenheit oder einfach nur Unwissen­heit. Doch selbst wenn wir noch so sehr Gutes tun möchten, es gibt leider Grenzen.“

Im Kindle-Shop: Die Mino-Saga (Reihe in 3 Bänden)

Mehr über und von O.E. Wendt auf seiner Website.



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