13. Oktober 2017

'Kellerasseln: Kommissar Braunagels fünfter Fall' von Carmen Mayer

In einem Ingolstädter Innenhof wurde ein Zuhälter erschossen: Benno Krüger. Walter Braunagel und seine Kollegin Maxi Wöhrl zweifeln daran, dass es sich um einen Mord ‚im Milieu‘ handelt.

Maxi Wöhrl beschäftigt zudem ein privates Problem. In der Schule ihres Sohnes gibt es handgreifliche Auseinandersetzungen mit schwerwiegenden Folgen.

Die Kommissare werden zu einem neuen Fall gerufen: drei tote Neugeborene. Eines steht fest: Der tote Zuhälter war eng mit ihrer Mutter verwandt. Fast gleichzeitig finden sie heraus, dass Benno Krüger hinter den Schlägereien an Ingolstadts Schulen steckt. Ein anonymer Hinweis führt die beiden Kommissare auf die Spur von Bennos Schwester.

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Leseprobe:
Sie packte das tote Baby in ein Handtuch, ging in den Schuppen und begann, ein Loch in die Erde zu graben. Darin versenkte sie das Bündel, klopfte die Erde darüber fest, stellte das beiseitegeschobene Regal darüber und wankte zurück zum Haus. In ihrem Zimmer zog sie mechanisch eine neue Spritze auf und setzte sich einen weiteren Schuss. Dann vergaß sie alles um sich herum.

»Was haben wir denn mit Drogendealern zu tun?«
Maxi Wöhrl signalisierte Walter Braunagel mit den Augen, was sie von dem Telefongespräch hielt, für das sie sich offenbar nicht zuständig fühlte. Doch dann stand sie plötzlich auf.
»Ah ja. Okay, wir sind unterwegs.«
»Was ist?«, fragte Braunagel über den Bildschirm seines Computers hinweg. Ihm war viel zu heiß an diesem Vormittag, als dass er Lust gehabt hätte, sich mehr als unbedingt notwendig zu bewegen.
»In der Altstadt wurde die Leiche eines Zuhälters gefunden. Erschossen«, erklärte die Kommissarin, die bereits zur Tür gegangen war. »Kommen Sie mit?«
»Ein Zuhälter.« Braunagel strich sich mit der Hand über die Augen. »Und weiter? Was ist mit dem Drogendealer?«
»Erschossen.«
Braunagel schaute sie irritiert an.
»Der Zuhälter oder der Dealer?«
»Der Typ war dem Kollegen zufolge«, sie zeigte in die Richtung ihres Telefons, »Zuhälter und hat außerdem mit Drogen gedealt.«
»Von mir aus können die sich …«
»… was auch immer. Ja, können sie«, unterbrach Maxi Wöhrl ihn. »Hat wohl einer in die Tat umgesetzt, Ihre Idee. Macht Sie schon mal schwer verdächtig. Was ist, kommen Sie jetzt?«
Braunagel war inzwischen auch aufgestanden und folgte seiner Kollegin zur Tür.
»Frechheit, sowas.«
Maxi Wöhrl zuckte nur die Schultern. Auf was oder wen auch immer Braunagels Bemerkung sich bezogen haben mochte: Sie stand darüber.
»Es hat gefühlte zweihundert Grad im Schatten da draußen. Wer erschießt denn bei den Temperaturen einen Zuhälter auf offener Straße?«, knurrte er. »Das erledigen die doch für gewöhnlich nachts in finsteren Gassen und verscharren dann die Leiche irgendwo im Gemüsebeet.« Er zog die Bürotür hinter sich zu. »Da ist es auch nicht so verdammt warm.«
»Nicht auf der Straße«, korrigierte ihn seine Kollegin nach einem abgrundtiefen Seufzer. »Es ist ein Innenhof im Bereich der Altstadt.«
»Das macht natürlich einen deutlichen Unterschied.« Braunagel krempelte seine Hemdsärmel hoch. Er mochte den Sommer, aber er hasste Temperaturen über 23 Grad. Weil er dann schwitzen musste und sich in seinen Klamotten unbehaglich fühlte.
Wer sagt eigentlich, dass man keine Schwitzflecken haben darf?, grübelte er. Die Kosmetikindustrie, die ihre übermäßig parfümierten Mittelchen dagegen verkaufen will. Alle riechen nach dem Zeug. Das verbiegt einem ja die Nase.
Wie gesagt: Ihm war einfach viel zu heiß.
»Schon.«
»Wie?«
Er hatte völlig den Zusammenhang verloren.
»Es macht einen deutlichen Unterschied … Ach, vergessen Sie’s.«
Die Kommissarin hielt die Glastür zum Treppenhaus für ihn auf.
»Wie kommen Sie eigentlich auf Gemüsebeet?«, wollte sie wissen, und ging vor ihm die Treppe hinunter. »Lief das in Würzburg so?«
»Nicht unbedingt«, gab er zu und warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Lifttür. »Das wäre meine Vorstellung davon, sie zu entsorgen. Dann wären sie wenigstens noch zu irgendwas nützlich.«
Maxi Wöhrl warf einen Blick über die Schulter. Als sie Braunagels schiefes Grinsen sah, tippte sie sich an die Stirn.
»Muss einem auch erst mal einfallen: Gemüsebeet«, sagte sie. »Ich möchte nicht Ihr Opfer sein, Braunagel.«
»Dann rate ich Ihnen, sich in jeder Situation daran zu erinnern, wer Ihr Chef ist.«
»Verstanden, Chef!« Maxi Wöhrl legte die Rechte an einen imaginären Mützenrand. »Wer fährt, Chef?«
Braunagel winkte ab und ging auf die Beifahrertür zu.
Als sie im Auto saßen, betrachtete er nachdenklich ihr Profil. Sie hatte ihre dunkelblonden Haare wie üblich mit einem Gummiband zu einem Pferdeschwanz gebunden, der heute aber im Gegensatz zu sonst ziemlich zerfleddert aussah.
Braunagel hatte sie anfangs gar nicht so richtig wahrgenommen, als er nach Ingolstadt kam. Sie war einfach da gewesen, hatte ihre Arbeit im Innendienst erledigt, und war nach Dienstschluss wieder verschwunden.
Bevor sein damaliger Kollege Engelbert Stiegler sich in den Ruhestand verabschiedete, hatte er Braunagel auf sie aufmerksam gemacht. Da Engelbert bislang eher indifferent schien, was die Kolleginnen und Kollegen betraf, schenkte Braunagel seinen wenigen Worten über ‚die Maxi‘ seine ganze Aufmerksamkeit.
»Ich heiße einfach nur Maxi, nicht Maximiliane oder so«, hatte sie ihm erklärt, als er sie darauf ansprach.
Er beobachtete ‚die Maxi‘ in der Folgezeit etwas genauer und stellte fest, dass sie genau die Person war, die er an seiner Seite haben wollte.

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Mehr über und von Carmen Mayer auf ihrer Website.



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