1. November 2017

'Arakkur: Das Seelenband' von Pascal Wokan

An diesem Ort hat alles begonnen und hier wird es auch enden!

Vor den Toren von Amerys tobt eine grausame Schlacht um die Zukunft des gesamten Landes. Alle Hoffnung scheint verloren, nachdem Elhan, der letzte der Avar, verschwunden ist. Nun liegt es an Alrael, Cathien und Draia den drohenden Untergang abzuwenden und einen uralten Krieg zwischen Leben und Tod zu entscheiden. Die alles entscheidende Schlacht beginnt …

Das große Finale der Arakkur-Saga.

Gleich lesen: Arakkur: Das Seelenband

Leseprobe:
Regen fiel vom Himmel.
König Alrael stand auf den hohen Wällen der Stadt und beobachtete das feindliche Heer, das im Morgengrauen von Süden her erschienen war und nun damit begann, einen Ring um seine Heimat zu schließen.
Amerys, die Hauptstadt Illindars.
Wenn er seinen Blick von Westen nach Osten wandern ließ, dann konnte er das Ende der weißen Steinmauern nicht ausmachen. Hunderttausende Menschen mussten in dieser Stadt leben, und doch erschien die Armee des Feindes im Vergleich dazu wie ein Riese. Hässlich, brutal, gewalttätig und unbesiegbar – das wären die Worte, die Alrael aussprechen würde, wenn es ihm nicht gerade die Sprache verschlagen hätte.
»Ich würd‘ mal sagen, wir sind am Arsch!«, brummte Sylon. Er fummelte nervös an der schwulstigen Narbe in seinem Gesicht herum.
Da hat er nicht ganz Unrecht. Ich hätte es wahrscheinlich etwas sachlicher ausgedrückt, aber …
»Wir sind sowas von am Arsch, kleiner König!«
Alrael kniff die Augen zusammen. Es war schwer, etwas in der Ferne zu erkennen. Der Regen prasselte seit zwei Umläufen unablässig auf das Land hinab. Mittlerweile waren es richtige Sturzbäche, die niedergingen und den matschigen Boden immer mehr aufweichten. Auch hier, oberhalb der Stadtmauern, machte das Wetter nicht vor ihnen halt. Alraels Gewandung war vollkommen durchnässt und klebte unangenehm auf seiner Haut, wodurch er erbärmlich fror.
Er sah hinauf zum ersten Mond und erkannte dort schwarze, dunkle Wolken, die ihn größtenteils verdeckten; ab und an gingen Blitze nieder und tauchten die Umgebung in grelles Licht. Alrael konnte sich nicht ganz entscheiden, was er eher bevorzugte: Den dichten Regenfall und damit die Unwissenheit, um die Situation, in der sie sich wiederfanden. Oder aber die kurzen Momente der Erkenntnis, wenn das gesamte Ausmaß des feindlichen Heeres erkennbar war.
»Und du wolltest wirklich, dass wir mit unseren zweitausend Mann diese Drecksäcke überraschen?«, fragte Sylon. »Willst du mich verscheißern? Da sind wir ja weniger wert als ein mit Pisse gefüllter Eimer. Also ein Eimer mit einem Loch, in dem Pisse und so weiter drinnen ist. Du weißt schon, die läuft dann da raus und …«
Alrael wandte sich dem Hünen zu und hob eine Augenbraue, woraufhin dieser verstummte und ihn frech angrinste.
Ich weiß ganz genau, dass du dich nur verstellst! Tu doch nicht so!
»Mein lieber Sylon, wir halten an dem Plan fest«, sagte Alrael. »So leid es mir tut, das zu sagen. Aber wir werden es vermutlich etwas anders koordinieren müssen.«
»Ha, koordinieren willst du das? Leck mich doch an meinem haarigen Arsch! Ich koordiniere dir auch gleich mal was!« Sylon verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust.
Alrael hob die Hand. »Gemach, mein aufbrausender Freund! Sag mir lieber, was ist mit meinen anderen Beratern? Ich sehe nur dich hier, wo ist der Rest meiner bunten Truppe?«
»Nun.« Sylon fuhr sich mit der großen Pranke durch den dichten, schwarzen Bart. »Malrin hat‘s scheinbar bei der Schlacht um Lynsan erwischt. Die feindliche Armee ist von Deregon aus wie ein hungriger Schwarm aus Fluggeißeln über das südliche Herzogtum hinweggefegt. Lynsan wurde vollkommen aufgerieben, es gibt kein verdammtes Lebenszeichen mehr. Herzog Lotharien und General Malrin fressen jetzt vermutlich Erde, diese hirnlosen Drecksäcke!«
Bei Sylon sind es irgendwie alles Drecksäcke. Seltsamer Mann …
»Dein oberster Diener Vyron springt panisch irgendwo im Palast herum, der ist für nichts mehr zu gebrauchen. Dein fettes Weib Ilonora treibt‘s wahrscheinlich grad mit irgendeinem Diener, die ist aber sowieso dumm wie ein Horntier. Herzog Ramor hat‘s ja bekanntlich ebenfalls kürzlich bei deiner überaus gelungenen Rettungsaktion erwischt. Ist irgendwie schade drum, denn der Fettsack war mir sympathisch. Der Archivar Linthius steckt mit seiner langen Nase in den staubigen Wälzern. Weißt schon, in den königlichen Archiven. Den hab‘ ich seit mehreren Umläufen nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hat der Drecksack seinen knochigen Arsch in die Hände genommen und ist heimlich nachts aus der Stadt geschlichen. Ein jämmerlicher Feigling, wie er ist. Also bleibt nur noch der Schönste von uns.« Er klopfte sich auf die Brust und grinste dabei breit. »Der treue, überaus schöne Friedensstifter und sein zweitausend Mann starkes Heer aus versoffenen Halunken. Klar soweit?«
Alrael bewunderte den Hünen insgeheim für seine Offenheit. Er brachte die Tatsachen immer genau auf einen Punkt, was es einem erschwerte, ihn nicht zu mögen. Und trotzdem wusste Alrael, dass er sich irgendwann seiner entledigen musste.
Töte ihn einfach!
Da war sie wieder, die Stimme. Zu manchen Begebenheiten hatte er gelernt, sich von ihr leiten zu lassen. Sie besaß Wissen… unendliches Wissen. Und sie wusste mehr über seine geheimen Gaben, die Macht eines Karu; eines Gratwanderers. Mit Freuden erinnerte sich Alrael an die beiden Erlebnisse, in denen er diese Macht genutzt hatte, um sich zu bereichern. Die Erregung und die Kraft, die seinen Körper durchdrungen hatte.
»Da wäre noch etwas«, bemerkte Sylon. »Muss das einfach mal loswerden.«
»Was genau meinst du?«
»Das war eine ganz schöne Sauerei, die du da letztens in den Kerkern angerichtet hast. Ich meine, musste das sein, dass du den Gefangenen wie Vieh abschlachtest? Die Leute im Palast fangen langsam an zu reden.«
Mit einem mulmigen Gefühl erinnerte sich Alrael an den Vorlianer, den er erst verhört und anschließend das Herz aus der Brust gerissen hatte. Es war notwendig gewesen, denn die Atemseele des Mannes hatte ihm Kraft gespendet. Noch immer spürte er den Lebenshauch, wie er in seinem Körper pulsierte. Er war sich sicher, dass dies die Mittel sein würden, um diesen Krieg zu entscheiden. Gleichzeitig wusste er aber auch, dass niemand für seine Handlungen Verständnis haben würde. Einfältig und unfähig, wie sie alle waren.

Im Kindle-Shop: Arakkur: Das Seelenband

Mehr über und von Pascal Wokan auf seiner Website.



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