23. November 2017

'Granat hat keine Gräten: Ein Ostfrieslandkrimi' von Harald H. Risius

»Granat hat keine Gräten«
... behauptet Hinni Boomgarden. Trotzdem stirbt der Bremer Bankier Albert Oldenbeck bei einem Benefizessen zugunsten der Seehundstation Norddeich einen qualvollen Erstickungstod – gleich nachdem er eine Portion Nordseekrabben gegessen hat. Was ist los mit den Krabben, die in Ostfriesland Granat genannt werden?

Susi Wildtfang, die Ermittlerin mit Heimvorteil, und der brummige Helmut Brunner sollen den Fall klären, obwohl sie selbst vor persönlichen Veränderungen stehen: Der eine muss schleunigst Ostfriese werden, die andere schmiedet Heiratspläne. Da gibt es allerdings ein Hindernis: Ihr Zukünftiger steht auf der Liste der Verdächtigen beim Krabben-Mord.

Brisant wird die Ermittlung, als sich herausstellt, dass Oldenbecks Bank dubiose Geschäfte tätigt, Investoren um ihr Vermögen prellt und dabei auch die Seehundstation im Visier zu haben scheint.

Der neunte Roman der Reihe "Sail & Crime" mit einem überraschenden Ende und ganz viel Ostfriesland drin.

Gleich lesen: Granat hat keine Gräten: Ein Ostfrieslandkrimi (Sail & Crime 9)

Leseprobe:
Moin, Frau Söhnken.«
Renate begrüßt die Frau des Landrats mit dem üblichen Küsschen auf die Wange. »Ich hoffe, Sie haben auch Ihren Mann mitgebracht.«
»Natürlich, der lässt sich doch so ein Ereignis nicht entgehen. Ich glaube, er wird draußen noch aufgehalten. Aber was hört man von Ihnen? Sie haben eigenhändig einen Seehund gefangen? Das hätte ich mich nicht getraut. Ich hätte Angst, so niedlich die Tiere auch aussehen.«
Renate ist vor Verwunderung fast sprachlos. »Ich? Einen Seehund?«
»Ja, das wird dort draußen vor der Tür erzählt. Sie hätten mit Ihrer Yacht ein Seehundbaby gefangen, obwohl das nicht erlaubt ist. Die sind ja auch niedlich, diese Tierchen. Ich sehe mir die auch so gern an. Und zur Strafe müssen Sie nun diese Veranstaltung machen.«
Am Ende des Satzes ist ein angedeutetes Fragezeichen aus ihrem Tonfall herauszuhören. Gerne hätte Frau Söhnken alle Einzelheiten erfahren.
Renate fängt sich wieder. »Nein, Frau Söhnken, da haben Sie etwas Falsches gehört. Wir haben vor einigen Wochen einen Heuler gerettet. Der wurde von seiner Mutter getrennt und konnte deshalb nicht mehr gesäugt werden. Bei der Gelegenheit haben wir uns an die Seehundaufzuchtstation in Norddeich erinnert. Und nun möchten wir dort helfen.«
»Ach, so war das«, ruft Frau Söhnken, während sie sich bereits gelangweilt abwendet und sich auf eine Bekannte stürzt, die sie im Foyer entdeckt hat. »Hallo Lina, hest du dat all hört ...«
Renate Reichle und Hinni Boomgarden, die Inhaber des Hoteldorf am Großen Meer, begrüßen ihre Gäste. Sie haben eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Seehundaufzuchtstation in Norddeich ausgerichtet. Nun treffen die Teilnehmer ein.
Renate ist eine schöne, große Frau, eine gebürtige Fränkin. Das elegante Abendkleid unterstreicht ihr selbstbewusstes Auftreten. Es fällt ihr leicht, sich den Umständen anzupassen und Kontakte zu knüpfen. Beide Eigenschaften haben ihr sehr geholfen, sich innerhalb kurzer Zeit einen Platz in der Gesellschaft Ostfrieslands zu erobern. Inzwischen ist sie bekannt und bei den meisten auch beliebt. Aber wie überall gibt es einige Neider.
Natürlich spielt auch Hinni Boomgarden, ihr Lebenspartner, eine gewisse Rolle. Er hat sie in die ostfriesische Lebensweise eingeführt, die doch etwas mehr beinhaltet, als fünfmal am Tag Tee aufzubrühen und das Ritual mit den Kluntjes und der Sahne, dat Wulkje, verinnerlicht zu haben.
Hinni ist der Ur-Typ eines Ostfriesen oder Wikingers. Er kennt in Ostfriesland Gott und die Welt; seine zielstrebige, aber freundliche und manchmal auch großzügige Art öffnet ihm viele Türen, die anderen oft verschlossen bleiben.
Sie bilden ein gutes Team, bei dem sich Liebe und Zuneigung mit einer gewissen Zielstrebigkeit paaren. Vor einigen Jahren ist Renate nach einem Segeltörn bei Hinni eingezogen, in den ehemaligen Bauernhof, den er von seinen Eltern geerbt hat. Gemeinsam haben sie auf Hinnis Wiesen am Großen Meer mitten in Ostfriesland ein Hotel der gehobenen Klasse gebaut. Hier findet nun das Benefizessen statt.
Hinni legt im Allgemeinen keinen Wert auf sogenannte Gesellschaftskleidung. Was er trägt, muss sauber, praktisch und ordentlich sein. Heute allerdings hat Renate ihn in ihrer unnachahmlich direkten Art davon überzeugt, seinen neuen, maßgeschneiderten Anzug zu tragen, um dem Anlass des Abends gerecht zu werden. Elegant sieht er darin aus, der Anzug mit dem weißen Hemd und der modernen, schmalen Krawatte steht ihm. Das blonde Haar und sein braun gebranntes Gesicht kommen gut zur Geltung. Der Gesichtsausdruck und seine Gestik lassen allerdings deutlich erkennen, dass dies nicht seine Alltagskleidung ist. Obwohl der Anzug perfekt sitzt, kommt er sich beengt vor.

Renate sucht Hinni, der eigentlich neben ihr stehen und mit ihr die Gäste begrüßen sollte. Es sind fast ausschließlich einflussreiche Persönlichkeiten, die ihnen heute die Ehre geben und etwas persönliche Aufmerksamkeit von den Eigentümern des Hoteldorf am Großen Meer erwarten dürfen.
Sie entdeckt ihn etwas abseits mit einem seiner Freunde im Gespräch und winkt ihn diskret heran. »Hinni, Frau Söhnken erzählte mir gerade, dass da draußen einige Leute unsere Gäste belästigen. Schick doch bitte Karl, damit er die vertreibt. Oder ruf gleich die Polizei, ich will heute Abend keine Störenfriede.«
»Nee, das mach ich lieber selber. Joke hat mir gerade auch davon erzählt.«
Er zeigt auf seinen Freund, mit dem er gerade gesprochen hat. »Er meint, dass Harm Burmeester mit seinen Freunden Stunk macht. Denen gefällt mal wieder nicht, was wir hier machen.«
»Die ›Freunde Gottes‹? So ähnlich nennen die sich doch.«
»Nee, Die Natur gehört Gott, behaupten sie. Aber das kommt aufs Gleiche raus. Ich kümmere mich darum.«

Im Kindle-Shop: Granat hat keine Gräten: Ein Ostfrieslandkrimi (Sail & Crime 9)

Mehr über und von Harald H. Risius auf ihrer Website zur Buchreihe "Sail & Crime".



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