1. Februar 2018

'DreamTown: Die Selektion' von Mark Franley

Sich über andere zu erheben, liegt in der Natur des Menschen.

BND-Mitarbeiter Samuel Faith ist nicht besonders dienstbeflissen, trotzdem interessiert ihn, was in der Welt vor sich geht. So entgeht es ihm auch nicht, dass sich im Internet die mysteriösen Vorfälle häufen. Scheinbar unbedeutende Datenlecks sorgen dafür, dass unschuldige Menschen gejagt und verletzt werden. Als auch noch Samuels langjähriger Freund vermisst wird und er mit dessen Schwester erste Nachforschungen anstellt, gerät seine Welt Stück für Stück aus den Fugen.

In Washington steht CIA-Agent James Hilton kurz vor seinem Ruhestand. Nach einem letzten Einsatz startet er mit seiner Frau zu einer Tour durch Amerika. Mit dem festen Willen, seinen Job hinter sich zu lassen, ahnt er nicht, dass ihn sein Weg mitten in die bevorstehende Apokalypse führen wird.

Als die Schuldigen der weltweiten Datenmanipulation gefunden sind, offenbaren sich die wahren Hintergründe. Bald wird klar, es war erst der Anfang … der Anfang vom Ende von allem.

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Leseprobe:
Sacramento/USA
Professor Dr. Paulsen blickte gebannt auf seinen Monitor. Er ignorierte das wiederholte Klingeln seines Handys, seine ganze Aufmerksamkeit galt den Daten, die nun Zeile um Zeile erschienen. Natürlich wusste er, dass seine Frau zu Hause gerade kurz davor war, irgendetwas kaputt zu machen, doch das hier war eindeutig wichtiger. Der neuartige Impfstoff würde nicht nur Millionen von Menschenleben retten, er wäre auch eine realistische Chance, für den Nobelpreis nominiert zu werden.
Als er bei der Firma angefangen hatte, war die Rechenleistung der hier versammelten Computer eine Offenbarung, jetzt wünschte er sich einen dieser neuen Großrechner. Die Bilder seiner Simulation schienen sich heute besonders langsam aufzubauen. Doch nun, eine gefühlte Ewigkeit später, waren sie endlich vollständig und fügten sich wie von Geisterhand zu einem kompliziert aussehenden Konstrukt. Paulsen hielt den Atem an. »Yes«, murmelte er begeistert, als sich auch der letzte DNA-Strang in das Gefüge einpasste. Es war noch nicht der Durchbruch, aber ein Meilenstein in seiner Forschung war es allemal.
Die große Digitaluhr des Labors sprang auf 19 Uhr und sein Handy meldete den Eingang einer neuen Nachricht. Mit dem Hochgefühl eines Gewinners griff er zu dem Gerät, ging nicht weiter auf die böse Nachricht seiner Frau ein und schrieb gut gelaunt, dass er sie in einer halben Stunde direkt vor dem Opernhaus treffen werde. Aus gutem Grund hatte er bereits am Morgen geahnt, dass es heute später werden könnte, und in weiser Voraussicht seinen Anzug gleich mitgenommen. Nachdem er seine Arbeit doppelt gesichert hatte, verließ er das Labor durch die Sicherheitsschleuse und bestätigte durch die Eingabe eines Codes, dass sich nun keiner mehr in dem Hochsicherheitstrakt der Forschungseinrichtung befand.

Zwanzig Minuten später stieg er in den neuen Sportwagen, rollte langsam bis zu dem Pförtnerhäuschen und wünschte William ein schönes Wochenende. Der alte Mann grüßte mürrisch zurück, öffnete die Schranke und widmete sich wieder dem Kreuzworträtsel.
Auf den ersten Metern musste Paulsen noch langsam fahren, da man zum Schutz der Einfahrt eine Barrikade aus schweren Betonklötzen aufgestellt hatte. Dann bog er auf den Highway ab und genoss die Beschleunigung des Elektroantriebs seines Teslas. Um kein Aufsehen zu erregen und wohl auch, um keine Nachbarn zu gefährden, hatte man die kleine Forschungseinrichtung vierzig Meilen außerhalb von Sacramento mitten in die trostlose Landschaft gebaut. Im Grunde waren Anschläge ausgeschlossen, aber der 11. September 2001 hatte gezeigt, dass es keine absolute Sicherheit gab.
Gegen das Licht der untergehenden Sonne blinzelnd, erkannte er die schwarze Limousine erst, als deren Bremslichter aufleuchteten. Fluchend trat er auf das Bremspedal und suchte nach einer Möglichkeit zum Überholen. Ein Stück weiter endete die lang gezogene Kurve, er setzte den Blinker und stieg gleichzeitig aufs Gas. Die Freude über die nun freie Straße vor ihm hielt nicht lange an, da die Sirene hinter ihm nichts Gutes verhieß. Laut fluchend stellte er die Musik leiser, ließ den Wagen langsam ausrollen und hielt dann an einer Bushaltestelle, die offenbar nur eine einzige Farm bediente.
Die beiden Männer, die ohne jede Eile aus dem Fahrzeug stiegen, sahen aus, wie einem Agententhriller entsprungen. Lässig setzten sie ihre verspiegelten Sonnenbrillen auf und stellten sich jeweils auf eine Seite seines Wagens. Paulsen ließ die Scheibe nur so weit wie nötig herunter. »Wie kann ich helfen?«, fragte er den Mann, der neben seine Fahrertür getreten war.
Dieser streckte ihm einen FBI-Ausweis entgegen und antwortete ruhig: »Aussteigen wäre ein guter Anfang.«
Entgegen seinem ersten Impuls hinterfragte Paulsen die Sache nicht, schnallte sich ab und öffnete die Tür. In der Firma hatte man ihn bereits vorgewarnt, dass aufgrund einiger Ungereimtheiten in den Bilanzen auch Mitarbeiter vom FBI befragt werden könnten. Dass dies allerdings auf offener Straße stattfinden sollte, erschien ihm ein wenig übertrieben. Daher fragte er nun erneut: »Also, wie kann ich helfen? Meine Frau erwartet mich.«
Der Mann, dessen Ausweis ihn als Mr. Smith auswies, wartete, bis sein Kollege um das Auto herumgekommen war. Dann forderte er ohne jede weitere Erklärung: »Bitte verschließen Sie Ihr Fahrzeug, wir haben den Auftrag, Sie mitzunehmen. Aber keine Sorge, in circa zwei Stunden werden Sie selbstverständlich hierher zurückgebracht.«
Innerlich kochend brachte Paulsen mehr Spannung in seinen Körper und blaffte: »Einen Scheißdreck werde ich tun. Was fällt Ihnen ein, so mit unbescholtenen Bürgern umzugehen. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich meinen Wagen hier im Nirgendwo stehen lasse und mit Ihnen komme.«
Der junge Agent hatte offenbar eine gute Ausbildung genossen. Völlig ruhig und kontrolliert erklärte er: »Ich glaube, Sie haben mich nicht richtig verstanden. Wir haben die Anweisung, Professor Dr. Paulsen in die Zentrale zu bringen, und wir werden Professor Dr. Paulsen in die Zentrale bringen. Es wäre jetzt wirklich besser, Sie tun, was ich sage. Alles andere würde die Sache nur unnötig verzögern.«
Paulsen ging seine Optionen durch, kam aber leider zu dem Schluss, dass ihm gar nichts anderes übrig blieb. Mit Wut in der Stimme bat er: »Kann ich wenigstens meiner Frau noch eine Nachricht schicken? Sie macht sich sonst Sorgen und schaltet vielleicht sogar die Polizei ein.«
Die beiden wechselten einen schnellen Blick, bevor der hinter Paulsen stehende Beamte antwortete: »Okay, aber schreiben Sie, dass Sie eine Panne haben. Diese Aktion ist streng vertraulich, dazu wird Ihnen später mehr erklärt.«
Widerwillig und unter den strengen Augen der beiden FBI-Leute holte Paulsen sein Handy aus dem Wagen und tippte einen kurzen Text. Doch bevor er auf »Senden« drücken konnte, nahm ihm der Agent das Gerät ab, kontrollierte die Nachricht und schickte sie auch gleich ab. Anschließend schaltete er das Handy aus und ließ es in seine Jackentasche gleiten.

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Mehr über und von Mark Franley auf seiner Website.



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