22. Februar 2018

'Die Katze im Park' von Axel Berger

Als eines Tages drei merkwürdige Gestalten im Büro des heruntergekommenen Bremer Privatdetektives Hermann Beck auftauchen und ihm das Foto einer grauenvoll ermordeten Frau unter die Nase halten, ahnt er noch nicht, wie sehr dieses Aufeinandertreffen sein bisheriges Leben binnen weniger Stunden komplett auf den Kopf stellen wird.

Ehe er sich versieht, wird er in einen Strudel von Gewalt gezogen und in die politischen Wirren einer norddeutschen Landeshauptstadt verstrickt. Der altgediente Ermittler muss tief in seine detektivische Trickkiste greifen, um der Lage Herr zu werden. Als er nur knapp einem Anschlag entgeht, wird es brenzlig.

Wird er den Mörder finden - und das alles überleben?

Gleich lesen: Die Katze im Park: Kurzkrimi - Bremen

Leseprobe:
Beck wurde durch ein leises, gleichmäßiges immer wiederkehrendes Geräusch aus seinen unerfreulichen Träumen gerissen. Durch die verdreckten Lamellen einer altersschwachen, eher braunen als grauen Jalousie, fielen vereinzelte Sonnenstrahlen einer untergehenden Herbstsonne, die den ganzen Tag wie ein wütend glühendes Stück Kohle am Himmel gebrannt hatte, in sein Büro, das sich im dritten Stock einer ehemaligen Kaffeerösterei befand und tauchten die Welt um ihn herum in ein dunkles, von unheimlichen Schatten durchzogenes Orangerot.
Benommen kauerte er auf einem unbequemen alten Holzstuhl hinter seinem Schreibtisch, der ihm in dieser Nacht als Schlafplatz gedient hatte. Vor ihm stand eine fast vollständig geleerte Flasche mit billigem Fusel, der roch als ob er alle gesammelten Schlechtigkeiten des Teufels Alkohol in sich vereinte.
Verschlafen rieb er sich die verquollenen Augen, blinzelte ein paar Mal angestrengt und versuchte vergebens irgendetwas in seinem direkten Umfeld erkennen zu können.
Er konnte sich nicht einmal mehr erinnern wo er sich befand. Sein Kopf schmerzte, seine Hände zitterten, klebriger kalter Schweiß rann ihm über die Stirn hinab in die Augen und ließ ihn frösteln. Mit einem alten Taschentuch, das eher den Begriff Putzlappen verdient gehabt hätte, wischte er sich das Gesicht ab und blickte sich erneut um. Sein Blick blieb an der Flasche hängen. Allein bei dem Gedanken daran, jemals wieder einen Schluck daraus zu nehmen, drehte sich ihm der Magen um.
Er musste würgen und übergab sich, da er nichts besseres fand, in seinen Papierkorb. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment zerplatzen, wie ein prall gefüllter Luftballon, in den jemand eine brennend heiße Nadel gestochen hatte. Er würgte und der Schmerz explodierte erneut hinter seiner Stirn.
Nachdem er sich einigermaßen wieder erholt hatte und einen halbwegs klaren Gedanken fassen konnte, schaute er sich weiter um. Das Geräusch, das ihn aus seinen Albträumen geholt hatte war immer noch da. Ein gleichmäßiges Pochen drang an sein Ohr. Konstant. Immer und immer wieder. Absolut gleichmäßig und nervtötend. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er ins unbewegte Halbdunkel und versuchte etwas zu erkennen, doch noch immer versagten ihm seine Augen den Dienst. Lediglich die unscharfen Umrisse seines mittlerweile zur Bar degradierten Aktenschrankes waren zu erkennen.
Behutsam tastete er mit der linken Hand nach dem Schalter seiner Schreibtischlampe. Trotz seiner auf den Alkohol zurückzuführende Koordinationsschwäche, fand er ihn merkwürdigerweise bereits nach relativ kurzer Zeit und betätigte ihn. Der fahle Lichtschein, einer verzweifelt gegen die Dunkelheit ankämpfenden 40 Watt-Birne, ergoss sich träge über das kleine Büro. Er blinzelte. Etwas hatte sich in unmittelbarer Nähe direkt vor seinem Schreibtisch bewegt. Er erschrak und fuhr in seinem Stuhl zusammen. Keine fünf Schritte von ihm entfernt standen drei merkwürdige Gestalten wie Orgelpfeifen nebeneinander aufgereiht vor ihm und sahen ihn, mit einer Spur von Abscheu und Verachtung schweigend an.
Während er die drei Männer musterte und unterbewusst einzuschätzen versuchte, glitt seine rechte Hand instinktiv unter sein zerknautschtes Sakko und suchte nach seinem Revolver. Fehlanzeige. Dort, wo er das angenehm kühle Metall seiner 45er erwartet hatte, befand sich - nichts. Kein Schulterhalfter, kein Revolver. Beck drohte in Panik zu verfallen. Erneut begann ihm der Schweiß in Strömen von der Stirn zu rinnen.
Was war bloß mit ihm los? Er war bedeutend Schlimmeres gewohnt und auch sonst nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Warum verunsicherten ihn die drei Gestalten so?
Möglicherweise lag es an ihrer merkwürdigen Ausstrahlung. Er rief sich innerlich zur Ruhe, zog seine Hand langsam wieder unter dem Sakko hervor und unterzog die drei Eindringlinge nun seinerseits einer eingehenderen Musterung. Die drei Gestalten standen noch immer völlig bewegungslos da und schauten ruhig auf ihn herab.
Der Größte von ihnen war wohl auch der Älteste, zu mindestens den tiefen Falten in seinem Gesicht und seiner fast steingrau anmutenden Hautfarbe nach zu urteilen. Er trug, genau wie die anderen beiden, einen schon vor geraumer Zeit aus der Mode gekommenen, schwarzen Anzug, der schon bessere Tage gesehen hatte, aber dennoch sehr gepflegt wirkte und tadellos saß. Mit seiner Rechten stützte er sich auf einen Gehstock aus dunkelbraunem Edelholz.
Das Gesicht des Mannes neben ihm erinnerte Beck an eine Bulldogge oder einen Pit Bull: Massig, sein Kiefer kraftvoll, und einer unterschwelligen Aggressivität in seinem Mienenspiel ragte er vor ihm auf. Und, obwohl er ebenfalls leicht gebückt stand, konnte man bei genauerer Betrachtung erkennen, dass er sich für sein Alter noch in einer sehr guten Verfassung befand und über eine beträchtliche Muskulatur verfügte. Er schien topfit zu sein. Blickte man ihm jedoch in die dunklen tiefliegenden Augen, verschwand dieser Eindruck sofort. Es waren müde Augen, Augen die von einem harten und bewegten Leben erzählten.
Der letzte des merkwürdigen Trios wirkte wie ein leibhaftiger, in die Jahre gekommener Dandy. Er war dezent, aber erkennbar geschminkt, hatte seine Frisur mit Pomade oder Gel sorgfältig in Form gebracht und einen roten Seidenschal um den Hals geschwungen. Das Auffälligste an ihm aber war seine Nase. Einem Schnabel gleich ragte sie ihm, mit ihrer beträchtlichen Größe, mitten aus dem arrogant dreinblickenden Gesicht. Unbewusst musste Beck schmunzeln. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren einem leibhaftigen Gockel in Menschengestalt gegenüber zu stehen. Als hätte er seine Gedanken erraten, richtete sein Gegenüber sich plötzlich zu seiner vollen Größe auf und stellte sich in Positur. Er musste gut und gerne zwei Meter groß sein.
Beck fühlte sich ertappt, schaute verlegen vor sich auf den Schreibtisch und versuchte verzweifelt seine Gedanken zu ordnen. Was war hier los? Was wollte dieses merkwürdige Trio von ihm? Wieso verunsicherte ihn die ganze Situation so dermaßen?
Eine unmittelbare Bedrohung schien von den dreien zumindest im Moment nicht auszugehen. Doch wie war es ihnen gelungen sich völlig unbemerkt in sein Büro zu schleichen? Er musste einfach zu betrunken gewesen sein, um sie zu bemerken. Anders war dieser Umstand nicht zu erklären. Er schalt sich innerlich, dass er, wie so oft in den letzten Wochen und Monaten, die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verloren hatte.
Der Detektiv wollte gerade die Initiative ergreifen als der erste, der älteste der Drei, plötzlich das Wort ergriff: „Schön Sie wieder unter den Lebenden zu sehen, Mr. Beck. Suchen Sie die?“ Der Detektiv zuckte merklich zusammen. Sein eigener Revolver war plötzlich auf ihn gerichtet. Zögerlich und sehr vorsichtig hob er langsam die Hände über den Kopf.
„Was zum Teufel ist hier los?“, krächzte er. Erschrocken über den Klang seiner eigenen Stimme räusperte er sich und fragte dann: „Was wollen Sie von mir?“

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Mehr über und von Axel Berger auf seiner Website.



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