20. Februar 2018

'Mexikanische Nacht: Ein Dorfkrimi' von Alexander Huberth

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Der dritte Fall für Leo und Samson

Caramba! Es ist gar nicht weihnachtlich, wie die mexikanische Mafia das beschauliche Freiburg mit Mord, Totschlag und schlotzigen Hasch-Brownies in Atem hält. Eigentlich eine Sache für die Polizei. Aber dann gerät Leo, gescheiterter Börsenmillionär und mäßig erfolgreicher Privatdetektiv, unversehens zwischen die Fronten. Eine Wurzelbehandlung, ein verführerischer Auftrag sowie die Sorge um die Beziehung zu seiner süßen Chica Marie bringen Leo zusätzlich in Not. Und als schließlich sogar Samson, der kalbsgroße Wunderhund, von Leos Seite weichen muss, gipfelt ein harmloser Fall in einem Kampf auf Leben und Tod.

Nach den Bestsellern »Bauernhochzeit« und »Das letzte Halleluja« legt Alexander Huberth den dritten Fall für Leo und Samson vor – wieder mit jeder Menge Spannung, Spaß und Sprücheklopfern.

Leseprobe:
Wer einmal in Freiburg lebt, will nicht mehr weg. Behaupten die Freiburger. Münster, Bächle, historische Gebäude, der Schwarzwald um die Ecke, die französische Lebensart in der DNA – so sehen die Freiburger sich und ihre Stadt.
Und schließlich, als Zuckerguss auf der mächtigen Torte des Bürgertums: Vauban. Das alternative Wohnviertel, in dem die Menschen besonders nachhaltig leben und Gutes tun. Es sind gute Menschen. Manche sagen auch: Gutmenschen. Doch das ist gewiss ungerecht.
Einer jener guten Menschen saß an diesem ungemütlichen Dezemberabend am Fenster, betrachtete die bunten Häuser auf der anderen Straßenseite und schwärmte noch immer vom veganen Gebäck, das ihm seine Lebensabschnittsgefährtin vor etwa einer Stunde serviert hatte. Je mehr Zeit verging, desto mehr geriet er ins Schwärmen.
»Louise, diese Brownies sind wirklich wundervoll«, sagte Rüdiger.
Louise gesellte sich zu ihrem Partner. »Das Geheimnis ist die Mandelmilch. Und die vegane Erdnussbutter. Die macht die Brownies so schön schlotzig.« Sie trank einen Schluck des teuren Bordeaux, den sie am Wochenende von ihrem jüngsten Ausflug ins benachbarte Frankreich mitgebracht hatten, und kuschelte sich in das synthetische Lammfell, das über den Rattansesseln am Fenster lag.
»Schläft die Kleine?«, fragte Louise.
Als moderner Vater ließ Rüdiger es sich nicht nehmen, die gemeinsame Tochter zu wickeln, zu füttern, ins Bett zu bringen, mit ihr den Spielplatz zu besuchen und ihr vorzulesen. Er bedauerte noch immer, dass er niemals die Gelegenheit gehabt hatte, Inga- Pippilotta zu stillen.
»Wie ein Engelchen«, sagte er und lächelte versonnen. Er nahm sich einen weiteren Brownie. »Erdnussbutter sagst du? Ich glaube, das ist nicht das einzige Geheimnis. Da schmeckte doch noch etwas anderes heraus.«
Louise schob sich eine Strähne aus dem Gesicht. »Ehrlich, Rüdi, dir kann man nichts vormachen. Ich habe ein wenig Hasch hinzugegeben. Feinste Bio-Qualität.«
Rüdiger grinste. Er fühlte sich angenehm berauscht, herrlich entspannt. Nicht einmal die übertriebene Weihnachtsbeleuchtung von Georg und Annette konnte ihn aufregen. Seit Jahren diskutierten sie mit ihren Nachbarn über deren Lichterschmuck, der die gesamte Straße erhellte. Dass sie sich von Weihnachten, diesem widerwärtigen Fest des Konsums, blenden ließen – okay, kann passieren. Dass sie deshalb aber Unmengen an wertvollem Strom vergeudeten, verärgerte Rüdiger zutiefst. Sonnenenergie hin oder her.
Nun aber, betört von der Wirkung des astreinen Bio-Haschs, betrachtete Rüdiger die Welt gelassener – sogar die Glitzerwelt von gegenüber.
»Schön, nicht wahr?«, sagte er und deutete auf den leuchtend roten Weihnachtsmann, der die Fassade des Nachbarhauses erklomm.
»Mhm«, sagte Louise, mittlerweile selbst vom Brownie-Genuss benommen.
So saßen sie, guckten selig und wunderten sich, dass plötzlich zwei dicke Autos mit quietschenden Reifen in die Straße bogen. Es dauerte vielleicht ein oder zwei Sekunden länger als üblich, doch dann brach Rüdigers Empörung durch.
»Unerhört«, rief er und schlug mit der flachen Hand gegen die Fensterscheibe. »Hier herrscht Autoverbot. Autoverbot!«
Er sprang auf, griff dabei nach einem weiteren Brownie, eilte die Treppe hinab, ignorierte Louise, die ihn bat, ruhig zu bleiben, und stürzte in seinen Filzpantoffeln auf die regennasse Straße. Dort fuhr das eine dicke Auto mit voller Wucht in das andere dicke Auto. Blech kreischte, Scheiben klirrten, Menschen brüllten. Aus jedem der Wagen – beides SUVs, echte Dreckschleudern – sprangen vier Männer. Alle hielten Maschinenpistolen in der Hand, mit denen sie sofort versuchten, sich gegenseitig abzuknallen. Der Krach stellte jedes Silvesterfeuerwerk in den Schatten.
»Spinnt ihr?«, rief Rüdiger. Er fuchtelte mit den Armen. »Ihr dürft hier nicht mit Autos rein. Ich zeige euch an. Ich alarmiere die Polizei.« Einer der Männer warf Rüdiger einen Blick zu. Dann schwenkte er seine Waffe einen Hauch nach rechts und feuerte. Die Salve durchsiebte Rüdiger von oben bis unten und zurück. Er würde sich nie wieder über Weihnachtsbeleuchtung ärgern müssen.
Rüdiger stürzte zu Boden, ein angebissener Brownie rutschte aus seiner Hand. Flüssige Schokolade quoll in dicken Tropfen auf den Asphalt.
Es stimmte: Die Brownies waren wirklich ungewöhnlich schlotzig.

Im Kindle-Shop: Mexikanische Nacht: Ein Dorfkrimi (Ein Fall für Leo und Samson 3)
Mehr über und von Alexander Huberth auf seiner Website.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen