15. März 2018

Drachenkind: Vertrauen | Verwandlung | Finsternis

Kindle Edition | Tolino | iTunes
Als der sechzehnjährige Eric herausfindet, dass er kein Mensch ist, beginnen seine Welt und sein Sinn für Realität langsam auseinanderzubrechen. Unglaubliche Geheimnisse und Täuschungen, seine tiefsten Ängste und die dunkelsten Mächte setzen eine schleichende, gefährliche Wesensänderung in Gang und lassen in Eric bald nur noch eine Frage zu: Was bin ich wirklich und wem kann ich noch vertrauen?

Für ihn und Jack, seinen engsten Verbündeten und Freund, beginnt eine lange und harte Suche nach der Wahrheit, welche die schützenden Grenzen ihrer Welt völlig auflöst und ihre unbedingte Freundschaft und ihr Vertrauen zueinander bitter auf die Probe stellt.

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Leseprobe:
In dem Augenblick, in dem er diesen Entschluss gefasst hatte, spürte er den Stein in seiner Hand. Er hob die Hand, der Stein folgte seiner Bewegung. Eric holte aus und schleuderte den Brocken mit aller Kraft hinaus in den See. Die Wasseroberfläche kräuselte sich, die perfekt runden Wellen liefen lautlos und ohne Klagen auseinander. Eric hörte das Sprudeln der unter die Wasseroberfläche gerissenen Luft, dann vernahm er Mias Stimme. Sie lag ebenfalls mit geschlossenen Augen einfach nur da, dachte in Ruhe nach und verfolgte die Gedanken ihres Sohnes, sobald diese sich ein wenig öffneten.
„Kontrolle. Du solltest ihn schweben lassen, nicht fortschleudern. Das ist einfach.“
Etwas in Eric bewegte sich mit gewaltiger Kraft, als hätte Mias Kommentar ihn irgendwie provoziert.
„Kontrolle ist nicht das Problem, Mia.“, sagte Eric kühl.
Ohne Vorwarnung spürte er den See in seiner Hand. Die Masse der Milliarden Liter Wasser, den Lebensraum für unzählige Organismen. Er hob wieder langsam die Hand und das Wasser folgte seiner Bewegung. Es löste sich von seinem Becken, mitsamt allem Inhalt. Ein kurzer, heftiger Wind folgte dem dumpfen und saugenden Geräusch der Luft, welche urplötzlich und gewaltsam aus allen Richtungen zwischen Boden und Seewasser gesogen wurde und wie ein Sturm zur Mitte des Beckens rauschte, um den Naturgesetzen der Balance folgend jeden Raum zu füllen, der vorher vom Wasser eingenommen war. Nichts konnte wirklich leer sein, zumindest nicht hier. Eric schmunzelte. Was, wenn die Finsternis nicht leer wäre, wenn das Nichts kein Nichts wäre, sondern nur eine Illusion, in welcher sich etwas anderes versteckte?
Im Mondlicht konnte man die Fische und alle anderen Tiere wie in einem monströsen Aquarium fast zehn Meter über dem Boden schweben sehen, Erics Augen erfassten unzählige winzige Organismen und Teilchen. Er erkannte ein merkwürdiges Gebilde an der Stelle im Wasser, an welcher die von allen Seiten einströmende Luft zusammengeschlagen und nach oben vorgestoßen war, in die gewaltige Wassermenge hinein. Ein kochender Pilz aus wirbelnden Luftblasen sprudelte wie schwerelos umher; mitgerissener Sand, Steine und Pflanzen färbten die kleine Explosion in den Farben der Erde, schimmerten im Mondschein.
Erschrocken von dem kurzen, unnatürlichen Windstoß und den Geräuschen, richtete sich Mia auf, während das Echo des lauten Sauggeräusches langsam verhallte. Sie traute ihren Augen nicht, stellte sich sofort hin. Sie stupste Jack an, der aus gemütlichen Träumereien erwachte und das Wasser zunächst mit noch fast geschlossenen Augen ruhig anglotzte, wie es da ein paar Meter vor ihnen in der Luft schwebte. Schließlich erreichte das Bild sein Bewusstsein und er verstand, dass er nicht mehr träumte. Jacks Augen weiteten sich langsam, die Gesichtszüge entglitten ihm. Der See war erstaunlich tief, an einer Stelle erkannten sie eine lange, dicke Säule aus Wasser, der Inhalt eines tiefen Loches. Groß wie eine kleine Stadt und voller organischer, wahnsinniger Lichtspiele, schwebte der See nun vor ihnen und stieg langsam immer weiter nach oben.
„Jack, was siehst du?“, flüsterte Mia zu Jack, der erst sich selbst schmerzhaft in die Finger biss und dann Mia in den Arm kniff. Beide schrien kurz auf, dann wurden sie sich einig, dass sie wirklich nicht träumten.
„Ich sehe … auch …“, kam es langsam aus Jack heraus. Er dachte nur, konnte nicht sprechen.
Eric erhob sich nun ebenfalls, stellte sich hinter die beiden und genoss den unglaublichen Anblick, während er das Gewicht des Sees angenehm schwer irgendwo tief in seinem Inneren spürte. Als Fische und andere Wesen zunehmend hektisch in Bewegung gerieten und sich Druck und Bewegung im Wasser zu sehr änderten, ließ Eric es behutsam wieder in dessen Becken sinken. Ein leichtes Erdbeben rollte durch den Waldboden und über die angrenzenden Wiesen, als sich hunderte Millionen Tonnen Wasser gleichzeitig niederlegten und den Boden großflächig fast einen halben Meter absenkten. Eine heftige Druckwelle fegte ihnen um die Ohren, feucht und diesig ließ sie die Bäume im Wald rascheln. Eric ließ seine Hand sinken, beruhigte das Wasser und beobachtete fasziniert eine kochende Bewegung in der Mitte des Sees, fast einen Kilometer entfernt. Als er vorsichtig ausatmete, flimmerte die Luft. Ihm war heiß.
„Ich hoffe, ich werde meine Entscheidung nicht bereuen“, sagte Eric, betrachtete nachdenklich seine Hand und sah hinaus aufs Wasser, wo sich die größeren Wellen langsam legten und plötzlich Schwärme aller möglichen Fische sich nahe der Oberfläche bewegten. Mia und Jack gaben keinen Ton von sich, hatten zu atmen aufgehört. Sie sahen immer noch ständig zwischen dem See und Eric hin und her, konnten nicht glauben, was sie da gerade gesehen hatten. Doch Eric beachtete sie nicht. Er war tief in Gedanken versunken, musterte wieder den Baum. Dieses Mal waren es Mia und Jack, die sich flüchtig fragten, ob sie in einem Traum steckten. Mia regte sich zuerst, ging direkt zum Ufer und berührte mit den Schuhen das Wasser. Als sie sich zu ihnen umdrehte, war ihr Blick abermals kaum zu deuten. Sie kam zurück, ließ Eric nicht aus den Augen, der sie erst jetzt verträumt ansah.
Als Eric völlig in die Situation zurückkehrte und Mias Gesichtsausdruck und Jacks fassungslose Starre erkannte, fühlte er sich leicht unbehaglich. Beide wirkten verängstigt oder eingeschüchtert, wussten nicht, wie sie auf das reagieren sollten, was offensichtlich gerade in Wirklichkeit stattgefunden hatte. Alles war ungemütlich still, kein Tier gab einen Laut von sich, selbst die Fledermäuse hatten sich irgendwo abgehängt und warteten. Worauf? Für eine Sekunde fragte sich Eric, ob er wieder einen Aussetzer gehabt und etwas Wichtiges verpasst hatte, doch als er sich prüfend umsah wurde ihm klar, dem war nicht so. Jack hob seine Faust, ohne Eric direkt anzusehen, sein Blick war nach wie vor fest auf den See gerichtet. Das tat er sehr selten. Ausschließlich dann, wenn einer von ihnen beiden etwas tatsächlich Krasses, wie Jack es nannte, geschafft hatte. Eric berührte mit seiner Faust die von Jack. Der nickte nur, sprach kein einziges Wort. Mia sah sie beide nach wie vor unbewegt an, dann begann sie, die Decken wieder aufzurollen und zu verstauen.
„Was ist?“, fragte Eric ratlos. Doch Mia antwortete nicht, schien nachzudenken. Schließlich meinte sie: „Eric. Weißt du, was du gerade getan hast?“
„Klar.“
Eric sah sie eindringlich an, empfand große Lust, ihre Gedanken zu durchstöbern. Doch er tat es nicht, respektvoll hielt er sich zurück. Mia nickte nur.
„Wir sollten gehen. Kommt, es wird zu dunkel. Wir werden morgen vielleicht wieder hier sein, ich muss nachdenken und unsere Reise planen. Ich will, dass du die Nacht über meditierst. Ich will, dass du deine eigene Entscheidung verstehst. Und ich bitte dich inständig: Gib der Welt eine Chance.“

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Kommentare:

  1. Ich kann nur sagen: ES LOHNT SICH !!
    Wer sich die Rezensionen noch nicht angeschaut hat, sollte es tun und sich schleunigst die Leseprobe laden. Wer auf Tiefe bei Themen und Figuren, Spannung und intelligente Unberechenbarkeit steht, findet in diesem Werk genau das. Viele Stunden richtig guter Unterhaltung und Anregung!

    Grüße an AutorIn. Gib mir Teil 2 !!!

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  2. Leseprobe geschafft. Phantastisch. Ziemlich heftig und anspruchsvoll, ich lese jedenfalls weiter und bin überzeugt. Kein Kinderbuch!!

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