6. März 2018

'Noch immer nicht perfekt ... aber verdammt nah dran' von Reiner Günter

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Hochzeit und Familiengründung beschäftigen Chris und Svenja im zweiten Teil des Erfolgsromans „Alles außer perfekt“. Und – wie sollte es anders sein – alles läuft mal wieder anders als geplant. Schon die Flitterwochen auf Sylt bleiben nicht ohne Folgen.

Svenja wird ungeplant schwanger, eine Tatsache, die den frischgebackenen Ehemann seinem Naturell entsprechend veranlasst, sofort mit der akribischen Planung der Geburtsvorbereitung, so wie dem Bau eines Hauses für die kleine Familie zu beginnen. Auswahl der Klinik, Hechelkurs, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Aber natürlich sind auch sie wieder da, die nervenden Zeitgenossen: Beamte, Nachbarn oder Urlaubsbekanntschaften, sie alle versuchen, Chris´ und Svenjas Pläne zu durchkreuzen. Was ihnen natürlich nicht gelingt …

Begleiten Sie Chris und Svenja bei Ihren turbulenten Abenteuern rund um Familienplanung, Hausbau oder auf außergewöhnlichen Urlaubsreisen.

Leseprobe:
Babyalarm
Es war exakt drei Uhr früh, als Chris von Svenja mit einem heftigen Knuff in die Rippen höchst unsanft geweckt wurde.
„Es geht los!“
Chris, der nach dem Erwachen üblicherweise ein Weilchen brauchte, um sich zu Recht zu finden, war sofort hellwach. Wie oft hatte er die Abfolge der nun auf sie zu kommenden Ereignisse vor seinem geistigen Auge abgespult. Er war vorbereitet!
„Bleib ganz ruhig!“, forderte er Svenja auf.
„Ich bin ganz ruhig.“
‚Tapfere kleine Svenja`, dachte Chris, ‚will nicht, dass ich mir Sorgen mache.‘ Andererseits, sie wirkte wirklich nicht besonders aufgeregt, was offensichtlich daran lag, dass sie tatsächlich ganz ruhig war. Im Gegensatz zu ihm.
„Woher weißt du, dass es losgeht?“, erkundigte er sich, bemüht, möglichst sachlich zu wirken. „Hast du keinen nassen Hintern?“ Was war denn das jetzt für eine Frage. Er verstand kein Wort. Aber tatsächlich, das Laken unter seinem Allerwertesten war klatschnass. Die Fruchtblase war geplatzt! Alarmstufe rot sozusagen. „Ja dann nichts wie los!“, rief Chris und sprang aus dem Bett. Er hatte für diesen Fall, einem Feuerwehrmann nicht unähnlich, seine Klamotten so über einen Stuhl gelegt, dass er in Rekordzeit hineinschlüpfen konnte. Innerhalb von Sekunden war er angezogen. Und beobachtete staunend, wie Svenja sich ohne übertriebene Hektik frische Wäsche anzog.
„Ho Brauner!“, sagte sie beruhigend, „Wir haben Zeit genug.“ Chris hatte da so seine Zweifel. „Ich möchte ja nicht drängen, aber vielleicht sollten wir doch ein wenig Gas geben.“ Das tat er dann auch wenige Minuten später, sehr kräftig sogar. Die Straßen waren um diese Stunde natürlich noch alle frei, so dass er es gar nicht nötig gehabt hätte, die rote Ampel zu überfahren. Ein greller Blitz und für das erste Erinnerungsfoto im Babyalbum war gesorgt. ‚So eine Sturzgeburt ist ja ein Notfall‘, dachte er, ‚da wird man mit der Polizei verhandeln können.‘ Minuten später stoppte er seinen Wagen mit quietschenden Reifen vor der Notaufnahme der Klinik ihrer Wahl. Svenja hatte noch eingewandt, dass ein normaler Parkplatz völlig ausreichen würde, aber das war für Chris nicht verhandelbar. Wenn sein Sohn es sich einfallen ließ, zu dieser unchristlichen Zeit die Bühne dieser Welt zu betreten, dann hatte er sicher einen guten Grund dafür. Und er, sein Vater, würde seinen Zeitplan nicht mit einer profanen Parkplatzsuche durcheinanderbringen. Jetzt zählte jede Sekunde. Dieser Ansicht schien der langhaarige, schlaksige Rotzlöffel, der hinter einer Art Kinokasse in der Notaufnahme saß, eindeutig nicht zu sein.
„Eine Entbindung?“, fragte er gähnend. „Das ist doch kein Notfall! Da müssen Sie sich schon ganz normal am Haupteingang anmelden. Chris spürte, wie sein „Unterputzkabel“ am Hals deutlich anschwoll.
„Junger Mann“, sagte er drohend, „die Entscheidung darüber, ob das hier ein Notfall ist oder nicht, liegt ganz augenscheinlich weit außerhalb Ihres Kompetenzbereiches. Die Fruchtblase ist bereits geplatzt und ich bezweifele, ob Sie wissen, was das bedeutet. Sollte mein Sohn wegen Ihrer Unfähigkeit, eine bedrohliche Situation einzuschätzen, zu lange im Geburtskanal verweilen und irgendeine Behinderung davontragen, und seien es auch nur abstehende Ohren, werde ich Sie, junger Mann, dafür zur Rechenschaft ziehen!“ Dem Bufdi entgleisten die Gesichtszüge. Er schien kurz nachzudenken. Und das Risiko, dass das Baby dieses Fremden abstehende Ohren hatte und die daraus resultierenden juristischen Konsequenzen, die am Ende womöglich noch den Beginn seines Medizinstudiums in Frage stellen würden, schien ihm offensichtlich grösser als der nun zu erwartende Anschiss der Stationsschwester auf der Gynäkologie.
„Dann folgen Sie mir mal!“, sagt er gelangweilt. Chris, dem dieser Ton nicht gefiel, öffnete gerade den Mund als er eine Hand auf seiner Schulter spürte.
„Lass gut sein!“, hörte er Svenjas sanfte Stimme. Die Frau hatte wirklich Nerven! Im Augenwinkel sah er einen dunkelblauen Krankenrollstuhl.
„Holen Sie mal den Rollstuhl her!“, befahl er dem Pfleger in barschem Ton. „Wer weiß, wie lange meine Frau sich noch auf den Beinen halten kann.“
Der Pfleger, jeder weiteren fruchtlosen Diskussion offenbar überdrüssig, schlurfte zu dem Krankenfahrstuhl und schob ihn zu Svenja.
„Jetzt übertreibst du aber wirklich! Die paar Schritte werde ich ja wohl laufen können!“ Nun war Chris ein Mann mit analytischem Verstand. Und er hatte gelernt, dass es in Krisensituationen wichtig war, dass einer, und zwar nur einer, das Kommando übernahm. Und zwar jemand, der auch unter höchster Anspannung nicht die Kontrolle über das Geschehen verlor. Also er!
„Wir haben jetzt keine Zeit für Podiumsdiskussionen! Also setz dich bitte einfach hier rein und lass dich fahren!“ Svenja zog die Augenbrauen hoch und schürzte die Lippen, tat aber wie ihr geheißen. Sie kannte ihren Chris inzwischen gut genug, um zu wissen, dass es jetzt klüger war auf einen Disput zu verzichten. Außerdem kündigte sich in diesem Augenblick mit heftigem Schmerz eine Wehe an, die ihr ohnehin den Atem für weitere Diskussionen nahm. Ihre Hände krallten sich an ihm fest. Chris wurde ganz anders zu Mute. Waren sie vielleicht schon zu spät? Die Gänge erschienen ihm endlos lang. Dann erblickte er eine Milchglastür mit der Aufschrift „Entbindungsstation“. ‚Gott sei Dank!‘, schoss es ihm durch den Kopf, ‚Rettung in letzter Minute!‘ Er sprintete los als gälte es Jussein Bold noch auf der Zielgraden abzufangen, riss die Tür auf und hätte beinahe die Stationsschwester Marianne über den Haufen geschupst. Eine sehr gutaussehende, hochgewachsene Frau mittleren Alters.
„Holla, holla! Wo hin so eilig junger Mann?“, fragte sie, bemüht die Balance wiederzugewinnen. „Sturzgeburt!“, rief Chris. „Beeilen Sie sich!“
Eine Krankenschwester mit fünfundzwanzig Dienstjahren auf der Uhr lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von einem, sagen wir mal, leicht hysterischen, werdenden Vater. Obwohl dieses Exemplar hier durchaus etwas besonders war.
„Und wo wäre dann die dazugehörige Gebärende?“, fragte Marianne mit hochgezogenen Brauen und stemmte ihre Arme in die Hüften. Nun war es an Chris ein dummes Gesicht zu machen. Er hatte vor Schreck die Glastür wieder zufallen lassen und der lahmarschige Krankenpfleger war natürlich noch nicht vor Ort. Wortlos riss er erneut die Tür auf und Bufdi rollte eine lächelnde, völlig entspannt aussehende Svenja durch die Tür, wie weiland Kleopatra durch den Triumphbogen.
„Sie wären dann wohl die Dame mit der …Sturzgeburt“, begrüßte Schwester Marianne Svenja, mit einem gespielt strengen Seitenblick auf Chris.
Also gerade stellte sich die Situation noch ganz anders dar“, versuchte er sich zu rechtfertigen, doch Mariannes ganze Aufmerksamkeit galt nun ausschließlich der Schwangeren. Mit fachlicher Kompetenz holte sie die Informationen für das weitere Vorgehen ein. Nur wenig später lag Svenja mit einem frischen OP-Hemd bekleidet im Bett des Kreissaales. Chris wurde gebeten, einen dieser grünen Operationskittel anzuziehen, wie man sie aus dem Fernsehen kannte. Ein bisschen sah er aus wie der junge Professor Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik, fand Chris. Der Kittel stand ihm gar nicht schlecht. Er hätte auch Chirurg werden können. Der Wehenschreiber wurde angelegt: Entwarnung! Stärke Null auf der Richterskala, Nachbeben nicht in Sicht. Marianne sah Chris tief in die Augen.
„So viel zum Thema Sturzgeburt!“

Im Kindle-Shop: Noch immer nicht perfekt ... aber verdammt nah dran (Alles außer perfekt 2).
Mehr über und von Reiner Günter auf seiner Facebook-Seite.



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