13. März 2018

'Runaway: Thriller' von David Sedlaczek

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Wegen des Mordes an seiner Frau sitzt Frederick Hagel seit 18 Jahren in der geschlossenen forensischen Psychiatrie. Gefügig gemacht durch unzählige Medikamente. Ohne Aussicht auf Entlassung. Eines Abends läuft im Aufenthaltsraum die Übertragung eines belanglosen College-Baseballspiels. Eine Großbildaufnahme zeigt das Publikum. Er will nicht glauben, was er gerade dort oben auf dem kleinen Fernseher gesehen hat.

Ein verzweifeltes Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Leseprobe:
Der Tag neigte sich langsam dem Ende.
Der Feierabendverkehr war um diese Uhrzeit unerträglich.
Ein dunkelblauer Fiat zwängte sich gerade vor ihm an einem Lieferwagen vorbei. Als er die lange Brücke überquert hatte, wurde er unruhiger.
Er lenkte seinen alten Buick behutsam auf den Parkplatz und vergewisserte sich, dass ihm niemand gefolgt war. Der Buick rollte langsam in eine der unzähligen, leeren Parklücken. Er drehte sich ein paar Mal in jede Richtung um und stieg aus.
Der Parkplatz war bis auf zwei Autos völlig leer. Ohne sich umzudrehen, ging er zielgerichtet auf den Eingang des Restaurants zu. Es war eines von diesen Restaurantketten, die es überall in Nordamerika gab. Er blickte durch die große Fensterreihe und sah, dass das Restaurant wie erwartet so gut wie leer war.
Er bahnte sich seinen Weg bis ans Ende des Restaurants und ließ sich auf eine dunkelbraune Ledergarnitur sacken. Eine junge Bedienung kam nach einem kurzen Moment an seinen Tisch gelaufen.
»Guten Abend. Möchten Sie die Speisekarte?«
Er sah zu der jungen Frau hoch.
»Nur einen Kaffee, bitte.«
Die Frau nickte und ging zurück in Richtung Theke.
Eine ganze Weile verging, bis sie wiederkam. Sie stellte die Tasse mit dem heißen Kaffee vor dem Mann ab.
Gerade als sie wieder gehen wollte, griff er nach ihrem Arm.
»Ich würde gerne sofort bezahlen.«
Zu dieser späten Uhrzeit waren draußen nur noch vereinzelt Menschen unterwegs. Er starrte unentwegt in die Richtung eines Mannes, der etwas weiter entfernt von ihm an einem Fensterplatz saß.
Dann öffnete sich die Eingangstür und eine Frau betrat das Restaurant. Nachdem ihre Blicke kurz durch das Restaurant gewandert waren, sah sie ihn und kam langsam auf ihn zugelaufen. Zögernd starrte sie ihn an.
»Sind Sie es?«
Der Mann nickte.
Dann nahm sie ihren Schal und setzte sich zu ihm. Ihre Hände zitterten leicht.
»Haben Sie Hunger?«, fragte er.
Die Frau schüttelte den Kopf. In dem Moment kam die Bedienung wieder.
»Auch einen Kaffee?« Sie deutete auf die Kaffeetasse des Mannes.
Die Frau blickte kurz zu der Tasse und bemerkte, dass der Mann sie anstarrte.
»Ja, bitte. Schwarz. Ohne Zucker.«
Die Bedienung verschwand.
»Haben Sie lange her gebraucht?«, fragte er.
»Nein.«
»Also wohnen Sie in der Nähe?«
»Ja, kann man so sagen.«
Sie beobachtete die Hände des Mannes.
»Wann haben Sie den Brief bekommen?«, fragte er.
»Vorgestern Nachmittag.« Als sie antwortete, schien ihre Stimme kurz zu versagen. Dann kam der Kaffee.
»Wie …«
Die Frau stockte.
Er konnte an ihren Händen sehen, dass sie immer noch sehr nervös war.
Ihr Zeigefinger berührte ständig ihren Daumen.
»Wie erklären Sie sich das alles?«, fragte sie.
Der Mann schaute ihr eine Weile in die Augen.
»Ich weiß es nicht.«
»Ich hoffe, Sie werden es herausfinden«, sagte die Frau.
»Haben Sie ihn dabei?«, fragte er und beobachtete sie.
Sie kramte in ihrer Handtasche herum und zog einen kleinen Umschlag heraus. Gerade als sie den Umschlag öffnen wollte, griff er nach ihrer Hand und hielt sie fest. Im gleichen Moment stellte die Kellnerin die Kaffeetasse auf den Tisch. »Möchten Sie die Speisekarte oder möchten Sie auch sofort bezahlen?«
Die Frau starrte den Mann an. Dann zog sie ihr Portemonnaie heraus und bezahlte. Sie saßen beide noch eine Weile so da, ohne ein Wort zu sprechen.
Der Westwind schob jetzt riesige Wolkenfetzen vom Pazifik heran.
Die angrenzenden bewaldeten Hügel wirkten durch das verblassende Licht trostlos und bedrohlich. Am dunklen Himmel zogen ein paar Möwen ihre Kreise.
Als Diane Frisky die Post ihres Vaters Richard Frisky durchgesehen hatte, wie sie es in den ersten Monaten nach seinem Tod ständig gemacht hatte, war ihr der Brief zwischen einigen Werbeprospekten sofort aufgefallen. Der Umschlag war – bis auf den Namen ihres Vaters –, unbedruckt. Zuerst hatte sie ihn nicht weiter beachtet, weil sie ihn für billige Reklame gehalten hatte. Genau wie die vielen anderen Werbeprospekte, denen sie auch sonst keine Aufmerksamkeit schenkte. Aber irgendetwas hatte sie dazu bewegt, den Umschlag genauer zu betrachten. Vielleicht lag es am Poststempel. Sie wusste es nicht mehr genau. Als sie den Umschlag unter den Werbeprospekten herausgefischt hatte, war sie erstarrt. Es musste sich um eine Verwechslung handeln, da war sie sich sicher. Irgendjemand da draußen hatte ihren Vater mit jemandem anderen verwechselt.
Der Inhalt des Briefs hatte sie so verstört, dass sie am ersten Tag das Haus nicht mehr verlassen hatte. Sie hatte sich sofort an ihren Computer gesetzt und den Namen Richard Frisky in das Suchfeld eingegeben. Sie war erleichtert, als sie noch einen anderen Eintrag unter dem gleichen Namen gefunden hatte, und war sich sicher, dass der Brief für diesen Richard Frisky aus Glendale, Arizona bestimmt war. Sie hatte ihn gleich am nächsten Morgen angerufen und sie hatten sich für ein gemeinsames Treffen verabredet.

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