7. März 2018

'Tod einer Zwiderwurzn: ein Niederbayernkrimi' von Ruth M. Fuchs

Kindle Edition | Taschenbuch
In Straubing, um Straubing, um Straubing herum ...

Im Geiselhöringer Freibad stirbt am helllichten Nachmittag eine Frau. Sie wurde vergiftet! Für Hauptkommissar Quirin Kammermeier und seine Kollegin Sabine Pfeiffer herrscht kein Mangel an Verdächtigen, denn die Tote betrieb einen Blog, auf dem sie über alles und jeden herzog. Auch vor der eigenen Familie machte sie dabei nicht Halt.

Staatsanwalt Stefan Höppner ist keine große Hilfe, denn ihn beschäftigt weit mehr seine Rolle als Herzog Ernst bei den Agnes-Bernauer-Festspielen, deren Premiere kurz bevorsteht. Und dann verliebt sich Quirin auch noch in einen Verdächtigen.

Während das Ermittlerduo noch im Dunkeln tappt, geschieht ein zweiter Mord. Dieses Mal ist es ein Mundartdichter in Straubing. Doch das Gift ist das gleiche: Zyankali.

Leseprobe:
Als Quirin und Sabine zur Inspektion zurückkamen, hörten sie eine Stimme aus ihrem Büro tönen. „Dann bin dein Richter ich. Was ist? Verschlägt es dir die Sprache, Weib? Verstummt die Lästerzunge, die noch in der letzten Stunde all ihre Verbrechen leugnet? Dein … Mist ...“
Als die beiden das Büro betraten, fanden sie Staatsanwalt Stefan Höppner, diesmal im maßgeschneiderten Sommeranzug, der eifrig ein aufgeschlagenes Heft studierte.
„Grüß Sie, Herr Höppner“, sagte Quirin.
„Dein Herzog steht vor dir, und er kennt auch deine Schuld.“
„Soll ich Sie jetzt mit Hoheit anreden?“ Quirin legte den Kopf schief. „Und von welchem meiner zahlreichen liebenswerten Fehler sprechen wir?“
„Was? Oh ja!“ Höppner steckte das Heft wieder weg. „Entschuldigung. Nur ein kleiner Hänger.“ Sabine schaute verdutzt von einem der Männer zum anderen.
„Vor dir steht Herzog Ernst, der Schwiegervater von Agnes Bernauer“, erklärte Quirin mit theatralischer Geste.
„Durchlaucht ...“ Sabine machte einen Knicks.
„Ist das die korrekte Anrede?“, fragte Quirin.
„Durchaus. Bei einem regierenden Fürsten immer Durchlaucht. Ansonsten Hoheit“, belehrte ihn Sabine. „Und dritte Person Pluralis ohne Anrede.“
„Ah. Wieder was gelernt.“ Quirin nickte. „Das weißt du natürlich besser.“
Diese Anspielung an Sabines Lieblingslektüre brachte ihm einen Rippenstoß von ihr ein.
„Ich hänge immer an dieser Stelle“, gestand Höppner, den Wortwechsel der beiden völlig ignorierend. „Agnes Bernauer, hört sie mich? … Dann bin dein Richter ich ...“
„Sind Sie gekommen, damit wir Sie abfragen?“, versuchte Quirin, den Staatsanwalt wieder in die Wirklichkeit zu holen.
„Was ist? Äh … nein. Selbstverständlich nicht.“ Höppner räusperte sich. „Ich bin gekommen, um zu hören, was es Neues zu dem Todesfall in Geiselhöring gibt.“
„Mord mit Kaliumcyanid“, gab Sabine Auskunft. „Die Analyse des Mageninhalts steht noch aus.“ Man merkte ihr an, dass sie sich zusammennehmen musste, um ernst zu bleiben. „Aber wahrscheinlich hat sie das Gift selbst in einer Kapsel eingenommen, die eigentlich Cranberry-Extrakt enthalten sollte.“
„Verdächtige?“ Der Staatsanwalt war nun wieder ganz bei der Sache.
„Da gibt es einige.“ Quirin fuhr seinen Computer hoch und rief den Blog von Elfriede Moser auf. „Hier hat sie über einige ihrer Mitmenschen ziemlich hergezogen. Vor allem auf Josef Spötzl hat sie sich regelrecht eingeschossen, einen Geflügelbauern in Perkam.“
Er zeigte auf den letzten entsprechenden Eintrag auf dem Bildschirm.
„Es besteht auch der Verdacht, dass Spötzl Zugang zu Zyankali hat“, fügte Sabine hinzu. „Aber Genaueres können wir erst nach einer Hausdurchsuchung sagen.“
„Gibt es Verdachtsmomente?“, forschte Höppner. „Hat er sie mal angegriffen, vor Zeugen Drohungen ausgestoßen? Fingerabdrücke auf dem Behälter mit den Kapseln?“
„Auf der Cranberrydose waren nur die Abdrücke von der Moser“, räumte Sabine ein. „Und er sagt, er hätte sie nie getroffen. Außerdem meint er, dass ihre Beschuldigungen ganz haltlos sind.“
„Und stimmt das?“
„Das wissen wir noch nicht.“ Quirin schüttelte den Kopf.
„Dann schlage ich vor, dass Sie noch ein bisschen weiter ermitteln“, erklärte Höppner entschieden. „Wenn ich mit so wenig zum Richter geh, zerfetzt mich der in der Luft. Wenn er sich nicht vorher totlacht.“
Sabine seufzte. Sie hatte mit dieser Antwort gerechnet, aber einen Versuch war es wert gewesen. Auch Quirin schaute enttäuscht drein.
„Wir werden in allen Apotheken der Umgebung nachfragen“, erklärte er. „Aber wenn er sich das Zeug online beschafft hat, wird das nicht viel bringen.“
„Tu er seine Pflicht“, erwiderte Höppner, offenbar in Gedanken schon wieder bei seiner Rolle. „Durchlaucht sind zu gütig“, gab Quirin lakonisch zurück.
Ein Räuspern brachte alle drei dazu, sich umzudrehen. Ein junger Polizist stand in der offenen Tür, einen Laptop, eine Tüte und eine Mappe in den Händen.
„Ja?“, fragte Sabine. „Was gibt’s?“
„Äh, ich komm von der SpuSi, also der Spurensicherung“, er stockte. „Aber das ist Ihnen ja eh klar.“ Der junge Mann wurde krebsrot, was aber nicht nur an seinem Schnitzer lag, sondern wohl auch daran, dass sich genau in seiner Blickrichtung Sabines T-Shirt befand, mit der Aufschrift 'Leben und leben lassen' über der wohlgeformten Wölbung ihrer Brüste. Der Beamte schaute abrupt wieder weg, nur um gleich wieder darauf zu schielen.
„Neu hier?“ Quirin schob sich zwischen Sabine und ihn.
Der junge Polizist nickte und schluckte.
„Äh. Ich bring den Bericht“, sagte er dann. „Und die Sachen, die die Tote bei sich hatte. Und dann ist da noch ein Laptop, den wir in der Wohnung g'funden haben.“ Er hielt Quirin die Tüte hin.
„Fingerabdrücke sind nur von der Verstorbenen drauf. Und von einem Kollegen ...“
„Peter Graf“, nickte Quirin. „Der Neffe der Toten.“
„Wenn Sie des sag'n.“ Der Polizist versuchte erfolglos, um Quirin herum noch einen Blick auf Sabine zu erhaschen. „Äh … ja … wir haben auch die Nachbarn befragt. Steht alles da drin.“ Damit händigte er Quirin auch noch die Mappe aus und machte dann, dass er mit einem knappen Abschiedsgruß wieder wegkam.
„Vielleicht finden Sie hier ja noch ein paar Hinweise.“ Höppner beäugte die Mappe. „Und wenn Sie dann etwas Konkretes haben, sehen wir weiter.“ Er hob geziert die Hand an den Mund und hüstelte. „Findet heraus, was diese Frau erzählt und welcher Schurke sie für ihre Reden zahlt. Wir werden dann entscheiden, was zu tun ist.“
Als er die ratlosen Gesichter um sich sah, senkte er peinlich berührt den Kopf. Mit einem allgemeinen „Servus“ verabschiedete er sich dann schnell.
„Was war das denn?“, fragte Sabine, als er außer Hörweite war. „Agnes-Bernauer-Festspiele? Und unser Staatsanwalt spielt mit? Ich meine, ich habe die Plakate gesehen, aber ich hab nicht gewusst, dass es da um ein Theaterstück geht!“
„Ein Laienspiel.“
„Ach, wie Oberammergau?“
„Eher wie die Landshuter Hochzeit.“ Rolf steckte den Kopf zur Tür herein. „Nur mit ohne Happy End.“ Er grinste. „Ich wollt' fragen, ob ihr mit in den Biergarten geht ...“
„Geht nicht“, bedauerte Quirin und platzierte Laptop, Tüte und Mappe auf seinem Schreibtisch. „Meine Wirtin wartet schon sehnsüchtig auf mich.“
„Ist die nicht ein bisschen zu alt für dich?“
„Ich fürchte, meine Wirtin will nur mein Wissen über Fernseher.“ Quirin lachte. „Ihr Röhrenfernseher hat endgültig den Geist aufgegeben, und heute kriegt sie einen flachen, den ich ihr einstellen soll.“
„Jaja, Frauen wollen immer nur das eine“, nickte Rolf weise. „Und du Sabine?“
„Ich muss auch nach Hause“, war Sabines Antwort. „Torsten kocht heute.“
„Oh, da will ich nicht dazwischen kommen!“ Rolf zuckte die Achseln. „Sonst betrachtet dein Süßer das noch als Ausrede, sowas nie wieder zu machen.“

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Mehr über und von Ruth M. Fuchs auf ihrer Website.



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