26. März 2018

'Zorn und Gier' von Roman Armin Rostock

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Bei der Eröffnung einer Großmoschee in Köln wird ein Muezzin während des Gebetsrufes von einem Scharfschützen erschossen. Da es direkt im Anschluss zu Ausschreitungen kommt, erhalten Hauptkommissar Sacher vom BKA und sein Team den Ermittlungsauftrag. Schnell wird klar, dass eine antiislamische Terrororganisation das Land bedroht.

Doch mit jedem Hinweis, den die Ermittler finden, ergibt sich eine neue Ungereimtheit. Und so ermittelt das Team, ohne zu ahnen, dass es eine internationale Katastrophe auslösen könnte.

Leseprobe:
Prolog
Der Geschmack in seinem Mund war widerwärtig - schleimig, trocken, bitter. Das Hemd klebte in stin-kendem Schweiß auf seiner olivfarbenen Haut - ließ ihn vor sich selbst Ekel empfinden. Sein pechschwar-zes Haar hing in fettigen, ungekämmten Strähnen auf die kräftigen Schultern herab und der stoppelige Bart komplettierte das Bild eines gehetzten, übernächtigten Mannes.
Gierig griff er nach den Weintrauben, die in end-losen Reihen an den ihn leicht überragenden Weinstö-cken hingen, hielt eine Handvoll über seinen Kopf und presste sich den Saft in den Mund. Der klebrige, süße Saft fühlte sich wie eine Erlösung an, schmei-chelte seinem Gaumen und gab ihm Energie zurück. Energie, die er dringend benötigte.
Sein Blick glitt hoch zu dem halb vollen Mond, der das hügelige Land in ein mystisch anmutendes Licht tauchte. Der kühle Wind trug leichte Nebel-schwaden die Hügel hinauf und weit und breit war weder etwas zu hören noch zu sehen. Ein Blick auf seine Digitaluhr, die 03:21 Uhr anzeigte, verriet ihm, dass er bereits seit einer Stunde durch die deutsche Pampa marschierte. Bald sollte er sein Auto erreichen, das er auf einer von Nadelbäumen umsäumten Lich-tung am Ende der Weinberge geparkt hatte. Er hielt einen Moment inne und atmete tief durch. Mit zittri-ger Hand griff er in seinen Rucksack. Prüfte, ob es noch da war. Das Dokument. Das Wichtigste, was er in seinem Leben jemals besessen hatte. Es hatte keiner besonderen Anstrengung bedurft, um in den Besitz des Dokumentes zu kommen. Ein einfacher Einbruch, das Bedienen eines Kopiergerätes, mehr nicht. Die Herrschaften, gegen die er kämpfte, waren eben keine Profis, bestenfalls Clowns. Infantil, reich und unberechenbar. Dazu kamen einige Anhänger, deren einfache Gemüter sie mithilfe von wirren Ritualen, Fantasiekostümen und kruden Reden, in die von ihnen vorgesehenen Bahnen lenkten. Das Treffen, das er anderthalb Stunden zuvor beobachten durfte, hatte dahingehend selbst seine kühnsten Vorstellungen übertroffen. Sie verhielten sich wie Kinder, die sich ein Abenteuerspiel ausgedacht hatten. Doch er wusste, dass angelockt durch Unmengen von Bargeld auch Profis in ihre Dienste getreten waren. Männer, die sich auf das Kriegshandwerk verstanden. Männer, die ihnen zu Macht verhalfen, sodass aus ihrem Spiel bald blutiger Ernst und so die Welt in eine Spirale der Gewalt gerissen würde - außer er konnte es noch verhindern. Er musste das Dokument schnellstmöglich an den richtigen Adressaten bringen. Das Dokument musste Beweis genug sein, doch die deutsche Polizei fiel als Ansprechpartner aus, denn seit der NSUAffäre traute er diesem Haufen nicht mehr über den Weg. Zumal er sich gegen Leute wandte, die höchstes gesellschaftliches Renommee genossen.
Doch es gab eine Möglichkeit, die wie aus dem Nichts entstanden war. Er hatte am Abend zuvor seinen Cousin Mustafa angerufen. Einen einfachen aber liebenswerten Mann.
Es war schön gewesen, wieder einmal Mustafas stets vergnügte Stimme zu hören. »Morgen ist der größte und schönste Tag meines Lebens. Der Imam hat mir die ehrwürdige Aufgabe zugewiesen bei der Eröffnung der neuen großen Moschee in Köln, die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Er hat mir sogar eine Plattform errichten lassen, damit ich bei meinem Ruf die Menge der Gläubigen überblicken kann. Ich wünschte vom Minarett hinabrufen zu können, aber das ist natürlich nicht möglich«, hatte Mustafa ihm aufgeregt erzählt. Für Mustafa erfüllte diese Ehre einen Lebenstraum. Wer wollte es seinem Cousin verdenken? Mustafa war halt sehr gläubig. Viel gläubiger als er selbst. So hatte es ihn auch viel mehr interessiert, als Mustafa ihm erzählte, dass der türkische Außenminister und die Ministerpräsidentin Nordrhein- Westfalens an der Moschee-Eröffnung teilnehmen würden. Das war die Chance. Man musste ihn zu den beiden vorlassen. Ihnen würde er das Dokument übergeben. Beiden Politikern, denn so konnte sich keiner von ihnen aus der Verantwortung stehlen. Sofort hatte er seinem Cousin mitgeteilt, dass er der Moschee- Eröffnung beiwohnen würde, was in Mustafa einen wahren Jubelsturm hervorrief. Nun musste er sich beeilen dorthin zu kommen und einen sicheren Unterschlupf finden, denn es war nicht auszuschließen, dass sie seinen Einbruch bereits bemerkt hatten und längst nach ihm suchten. Ohne Frage, sie würden jeden ausschalten, der ihrem Vorhaben im Weg stehen konnte. Oder? Und der Gedanke ließ ihn schaudern. Täuschte er sich selbst? War sein Einbruch vielleicht deshalb so einfach verlaufen, weil sie längst wussten, dass er ihnen auf der Spur war? War das Ganze am Ende eine Falle? Furchtsam blickte er sich um. Lauerte dort etwas zwischen den Weinreben? Wie sollte er in diesem Labyrinth einen Feind ausmachen? Er begann zu rennen.

Im Kindle-Shop: Zorn und Gier (Hauptkommissar Sacher).
Für Tolino: Buch bei Thalia
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