13. April 2018

'Die Halbwahrheitsgeschichte über den Hund des Botschafters' von Daria Reiter

Kindle Edition | e-Book | Taschenbuch
Ein ernsthaft-erheiternder Roman, basierend auf einer wahren Geschichte.

„Kann man sich selbst verlieren?“ Solche und andere Fragen beschäftigen die sozialkritische Marilena, die sich im Leben blockiert fühlt, aber niemals aufgibt. Sie lebt mit ihren beiden Hunden zurückgezogen auf einem heruntergekommenen Gehöft und hält sich mit Nebenjobs einigermaßen über Wasser, als plötzlich aus dem Nichts ein geheimnisvoller Mann in ihr Leben tritt, der ihr die Erfüllung all ihrer Träume verspricht. Skeptisch aber einsam, erliegt sie bald den verlockenden Worten des Fremden – dann geschieht etwas sehr Merkwürdiges …

Ein leise zwinkernder, spannender Thriller über tiefste Sehnsüchte und finsterste Machenschaften, über große Enttäuschungen und großartige Visionen, über das Leben und die Liebe, „sprechende“ Hunde, eine geheimnisvolle Kiste und den Mut, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Hochinteressant, berührend und fesselnd: Lesen!

Leseprobe:
Vorspann
Marilena lehnte sich zurück, der wunderbare Autositz gab feinen Duft nach Ledergerbemittel ab. Brandneu war das ganze Gefährt, dessen Motorenklang eine ungeheure Potenz erahnen ließ. Trotzdem schienen sie fast lautlos durch die Nacht zu fliegen. Metallisiert silbrig strahlend und mit flimmernden Felgen. Auf dem Rücksitz lag, unter einer ebenfalls neuen Decke, der Koffer voller Geld. Es war so viel, dass sie es gar nicht hatte zu Ende zählen können.
Kleine, blaue Orientierungslichter zogen perspektivische Leitlinien bis zu den dunklen BergSilhouetten am Horizont der kahlen Gegend, durch welche sie auf einer leeren Autobahn fuhren. Links in weiter Ferne ließ eine Ansammlung von Lichtersmog eine Stadt vermuten. In absehbarer Zeit würden sie im Hafen sein, wo die Fähre wartete.
„Inmunidad“, Befreiung, Unverletzlichkeit, taufte Marilena in Gedanken die neue Klinik, ihr „Heilshaus“ und stellte sich vor, wie ein großes Schild mit diesem Namen über dem Steinbogen der Einfahrt in das verwaiste Dorf auf der Insel angebracht wurde. Endlich würde sich ihr Traum realisieren lassen, immer mehr freie Menschen würden dort wohnen.
Sie vermisste jetzt nur ihre Hunde, aber die würden auch bald wieder bei ihr sein. Lächelnd schaute sie zu Eutimio, der mit verklärtem Gesicht am Steuer saß. Noch nie hatte er ein solches Auto fahren dürfen! Liebevoll umfassten seine Hände das stattliche Lenkrad. Er genoss es sichtlich, das perfekt reagierende Gefährt zu steuern.
Wie und wann hatte das alles eigentlich begonnen? Eutimio tippte auf geheimnisvolle Knöpfe – aus den eingebauten Boxen ertönte langsam lauter werdende Musik, in klarstem Ton.
Träumte sie? Nein! Sie öffnete die Augen. Ein leichter Regen schien auf die Windschutzscheibe aufzutreffen, der sogleich von Scheibenwischern entfernt wurde. Es regnete nicht, Eutimio hatte auf weitere Knöpfe gedrückt. Marilena sah jetzt durch die klare Scheibe die Sterne, die funkelnd und plastisch im Himmel hingen. Sie griff an der Seite des Sitzes hinunter und stellte die Sitzlehne zurück. Jetzt konnte sie sich entspannen.
Es hatte vielleicht an jenem Abend begonnen, als es so richtig regnete …

1. Kapitel
Es geschah aber zu der Zeit, als Obama Statthalter in den vereinigten Staaten von Amerika war.
Wenn es nach mir ginge, sollte man das Wetter per Knopfdruck ändern können, dachte Marilena und stampfte auf das Eisengitter vor der Haustür eines alten, schmucklosen, vierstöckigen Wohnhauses, um ihre Schuhe von ein paar Erdklumpen zu befreien. Sie hatte ihren Lieferwagen auf eine Wiese hinter das Haus gestellt und war beim Aussteigen auch noch in eine Pfütze getreten. Das Gitter schepperte, doch das ging im Geräusch des starken Regens unter, der auf ein Blechdach prasselte. Die Dämmerung war schon fortgeschritten.
„Buh!“ schimpfte sie, strich den lehmigen Dreck an dem speziell dafür in der Hauswand eingelassenen Eisen ab und schüttelte den Kopf. Viel halblanges, braunes, heute eher gekraustes Haar und Wassertropfen flogen herum. Jeans und Jacke waren einfach, doch in den Kleidern steckte eine schöne Gestalt. Jetzt aber nass! Es geht eben meistens nicht nach mir, dachte sie weiter, sie musste das Leben einfach wieder einmal aushalten, wie es war.
In keinem der vier leer stehenden Gebäude des alten, stillgelegten Bauernguts brannte Licht. Auch das große Wohnhaus, vor dem sie stand, war dunkel. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie und der alte Knerzi, der sein Leben lang hier wohnte, noch darin bleiben durften. Eine lange Geschichte verband Marilena mit diesem mehr als hundertfünfzig Jahre alten, nie renovierten Hof und Haus, in welchem sie sich diesmal eingemietet hatte. Das Ganze gehörte jetzt einer Gesellschaft, auch stand alles unter irgendeinem Schutz. Aber niemand gab Geld zur Erhaltung der Gebäude aus. Vor langer Zeit war es der stolze, blühende Besitz ihrer Groß- eltern gewesen! Vielleicht hatte sie ja auch schon im letzten Leben hier gewohnt, dachte Marilena. Sie hatte manchmal eigenartige Visionen …
Sie zog die hölzerne, lose in den Angeln hängende Tür des seltsamen, angebauten Treppenhauses mit eingeübtem Trick und Schwung auf und griff nach dem wackeligen Drehschalter für das Licht. Die Sparlampe flackerte langsam auf. Dann sah Marilena sich nach ihren Vierbeinern um, die nach dem Sprung aus dem Auto und über die Pfütze mit einem raschen Spurt in die Tenne oberhalb des Stalles verschwunden waren. Zwei Hündinnen, nicht sehr, doch fast gleich groß, aber völlig unterschiedlich in Aussehen und Charakter. Sibi, vermutlich Nackthund x Pudel, zierlich und empfindlich, mit feinen, dünnen, beigen, unendlich wachsenden Härchen. Die Arme musste immer wieder geschoren werden. Jögge hingegen sah aus wie ein Miniatur-Bordercollie, robust und gesund, schwarz und weiß, getupft und gefleckt und leicht gelockt im immer gleich schönen Fell. Sie hetzten wohl gerade wieder einmal die schwarze Nachbarskatze, die sich in die Scheune verzogen hatte. Eigentlich durften die Hunde hier gar nicht frei herumrennen. Aber Schluckser, wie Knerzi und Marilena den pingeligen Verwalter mit den Frettchenzähnen nannten, war mit doppelter Sicherheit nicht hier – einmal die Zeit und dann noch dieses Wetter – und schließlich hatten die Hunde sich lange im Wagen stillhalten müssen. Ihnen tat ein bisschen rennen also sicher gut. Und in der Tenne wurden sie nicht nass.
Durch Marilenas Sinn streifte einen Moment die gleichzeitig kriecherische und unverschämte Art dieses Verwalters. Sie schnitt eine Grimasse.
„Sibi, Jögge!“ Marilenas Ruf war nicht sehr laut – sie ließ die Tür einen Spalt offen. Die Hunde würden bestimmt bald kommen, denn es war Futterzeit. Jetzt war sie endlich im Trockenen! Immerhin!
Sie stieg in dem kargen Licht die knarrende Treppe hoch.

Im Kindle-Shop: Die Halbwahrheitsgeschichte über den Hund des Botschafters.
Taschenbuch: Buch bei Tredition
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