26. April 2018

'Eine unverhoffte Zeitreise: Rachels Tagebuch' von Britta Keller

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Die aus Schottland stammenden Freunde Andrew und Brian arbeiten in der Bibliothek an ihrer Semesterarbeit über das Mittelalter, als ihnen ein rotes Buch in die Hände fällt. Erstaunt stellen sie fest, dass sich der Titel, wann immer sie das Buch zur Hand nehmen, ändert. Was hat es damit auf sich?

Bevor sie begreifen können, was geschieht, finden die beiden sich gemeinsam mit Andrews Schwester in der Vergangenheit wieder. Ihnen bleibt nichts Anderes übrig, als ihre Rolle in diesem unfreiwilligen Abenteuer zu spielen, auch wenn sie nicht wissen, was sie letztlich erwartet. Werden die Drei es meistern?

Leseprobe:
[...]
Mir war die Gegend nicht geheuer, ich fühlte mich unwohl so nah am Waldrand. Jeden Moment rechnete ich mit einem Angriff von Räubern oder Wölfen. Beiden wollte ich nicht begegnen, unbewaffnet, wie wir waren.
Auch wenn wir Schwerter hätten, keiner von uns konnte damit umgehen. Die Gesetzlosen kümmerte es sicher nicht, dass wir nichts bei uns hatten. Nicht auszudenken, was wäre, wenn sie uns das Buch wegnehmen würden, das wir dringend brauchten, um wieder in unsere Zeit zurückzukommen. Doch vermutlich würden sie kurzen Prozess machen und uns umbringen.
Wölfe kannte ich höchstens aus dem Film, auch gegen diese hätten wir keine Chance. Immer wieder stand ich auf und schaute in die Richtung der Burg. Verdammt! Wo blieb mein Freund? Hoffentlich kreuzt Andrew endlich auf, am besten gleich mit der Mitteilung, dass wir auf der Burg übernachten durften, dachte ich ängstlich, obwohl ich sonst eher ein mutiger Typ war. Dazu hatte ich ein leichtgekleidetes Mädchen dabei, das in ihrer Aufmachung besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.
Ich hatte Hunger, mein Magen knurrte laut. Auch Jillian begann zu klagen.
»Wo bleibt er nur? Ich bin so hungrig! Was, wenn ihm etwas passiert ist?«
Ich musste sie unbedingt beruhigen, obwohl auch ich mich sorgte. »Jillian, er kommt sicher gleich. Es ist nicht leicht, Kleider zu stehlen.«
Ich zog sie an mich. Sie schaute mich entrüstet an und riss sich von mir los.
»Beleidige mich nicht, indem du mich wie ein kleines Mädchen behandelst! Ich bin weder naiv, noch muss man mich beruhigen!«, brauste sie auf.
Ich fuhr zurück und sah sie ärgerlich an. »Das habe ich auch nicht vorgehabt«, versuchte ich mich herauszureden.
»Sei kein Idiot, Brian. Ich weiß genau, dass du mich immer noch als die kleine nervige Schwester von Andrew ansiehst.«
Was definitiv nicht stimmte, aber das konnte sie nicht wissen, da ich sie immer wieder so behandelte. Ich sah sie ernst an und erwiderte: »Wenn du dich so benimmst wie im Zimmer deines Bruders, kann ich dich nicht ernst nehmen. Wir sagten dir, du sollst das Buch liegen lassen, aber nein, du kannst es nicht lassen und nimmst es einfach.« Auch ich wurde nun lauter. »Andrew hatte recht, nur wegen deiner Neugier sind wir jetzt hier!«
Sie schaute mich empört an und giftete mich an. »Wegen eurer idiotischen Idee warten wir jetzt vermutlich vergebens auf meinen ach so tollen Bruder. Ihm ist sicher etwas passiert.«
Nun begann sie zu weinen. Bis jetzt hatte sie sich wirklich wacker geschlagen, wie ich zugeben musste. Ich zog sie wieder in meine Arme, was sie sich diesmal gefallen ließ, und ich versuchte ihr Halt zu geben. Es wurde langsam dunkel, die Nacht brach an. Wir wussten beide, dass wir keine Wahl hatten und irgendwo unterkommen mussten.
Ich löste mich von ihr, stand auf und zog Jillian auf die Beine. In diesem Augenblick entdeckte ich einen Mann, der vom nahen Feld auf uns zukam. Er war groß und mit dem Bogen an seinem Rücken und dem Schwert, das an seiner Seite hing, wirkte er furchteinflößend, was mir ein mulmiges Gefühl gab. Ich hatte mir unter einem Highlander immer einen Mann mit Kilt vorgestellt, aber er trug eine Tunika, die er am Bauch mit einem Gurt zusammenhielt und die bis zu seinen Oberschenkeln reichte. Was mich aber erstaunte, war, dass seine Hose unseren Shorts ähnelte. Nur das Plaid, das er um die Schultern trug und mit einer Fibel, einer Art Spange zusammenhielt, ähnelte der Highlandertracht, wie ich sie vom Fernsehen kannte.
Langsam schob ich Jillian hinter mich, was er mit einer hochgezogenen Braue kommentierte und uns musterte. »Was macht ihr hier mit eurer sonderbaren Kleidung? Es ist gefährlich, nachts hier herumzulungern.«
Ich wusste nicht, was ich ihm antworten sollte, normalerweise war ich ein guter Redner, aber jetzt ... völlige Leere in meinem Kopf.
Jillian hatte hingegen keine Hemmungen, sah hinter meinem Rücken hervor, zu ihm hoch und erklärte ihm mit weinerlicher Stimme unsere Lage. »Wir haben diese furchtbare Kleidung gefunden, nachdem wir ausgeraubt wurden.« Dabei drückte sie ein paar Tränen hervor und zeigte auf ihre Kleider.
Einmal mehr musste ich erkennen, welch gute Schauspielerin sie sein konnte. Sie senkte den Kopf an meine Schulter und schaute den Mann von unten her an.
Ich war erstaunt, dass er ihr zu glauben schien, doch vielleicht gab er es nur vor.
»Wollt ihr zu mir nach Hause kommen? Dort seid ihr erst mal vor der Kälte und den Gefahren da draußen geschützt«, fragte er uns freundlich.
»Wir können doch nicht einfach zu Euch kommen«, erwiderte ich zurückhaltend. »Ihr kennt uns nicht und wir Euch nicht. Wir könnten Gauner sein, die Euch ausrauben wollen.«
Er sah uns belustigt an, vermutlich sahen wir nicht gerade gefährlich aus, und er wiederholte noch einmal, dass er uns nichts antäte, wir jetzt aber gehen müssten.

Im Kindle-Shop: Eine unverhoffte Zeitreise: Rachels Tagebuch.
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