11. April 2018

'Falsche Brut: Verbotene Liebe' von Detlef Krischak

Kindle Edition | Tolino | Taschenbuch
Kommissar Carsten Grewe wird zu einer Frauenleiche gerufen. Sie liegt mit durchgeschnittener Kehle am Fuße einer steilen Felswand. Die Gastwirtin war im Teutoburger Wald auf Wanderschaft unterwegs und wurde von einem Mann begleitet. Hat er die Frau umgebracht? Einiges deutet darauf hin. Die Enkelin der Getöteten wurde einen Tag zuvor entführt aber nach wenigen Stunden wieder freigelassen. Gehören die Verbrechen zusammen?

Grewe nimmt mit dem Team des KK 23 die Ermittlungen auf und stößt in ein Geflecht aus Habgier, Hass und verwandtschaftlichen Verwicklungen. Bald findet er eine heiße Spur, die ihn zurück in die Zeit vor über dreißig Jahren führt. Etwas Tragisches war damals geschehen. Hieraus entwickelte sich eine unglaubliche Geschichte, die zwei Menschen zusammenbrachte und zu einem dramatischen Ende führt.

Leseprobe:
Das Leben war in den letzten zwei Monaten an ihm vorbeigerauscht. Zurückgezogen wie eine Schnecke in ihrem Haus hatte er die meisten Tage im Rausch verbracht. Unmengen von Alkohol hatte er getrunken, sich betäubt, dem Leben da draußen entzogen. Er ignorierte die Warnsignale seines Körpers. Stattdessen trank er weiter bis zur Bewusstlosigkeit. Zuletzt harte Sachen und Wein. In den wenigen wachen Momenten schleppte er sich aus der Wohnung und sorgte für Nachschub. Den Job hatten sie ihm gekündigt und viel war nicht übrig geblieben vom Verkauf des Hauses seiner Eltern. Ein Großteil ging für die Resthypothek drauf. Er befand sich im freien Fall. Was er noch besaß, würde reichen, ein paar Monate durchzuhalten.
Bis er es hinter sich hatte.
Er war wach, wusste aber, dass er träumte. Wirres Zeug. Hauptsächlich Bilder von Tieren, die sich gegenseitig auffraßen, schwirrten durch sein benebeltes Gehirn. Oder er sah Spinnen, wo keine waren. Es fiel ihm schwer, die Realität zu erkennen. Die Alkoholexzesse der letzten Wochen und Tage zeigten ihre Wirkung.
Mit halb geöffneten Augen schielte er zum Wecker auf dem Nachttisch. Kurz nach acht. War es morgens oder abends? Das Zifferblatt mit den Zeigern verschwamm, löste sich auf. Er schloss die Augen und blieb einige Minuten regungslos liegen. Es musste morgens sein, denn er trug einen Schlafanzug. Selten genug kam es vor, dass er sich umzog. Also war es gestern Abend nicht ganz so schlimm gewesen.
Er öffnete die Augen und schlug die Bettdecke zur Seite, erhob sich und schwang die Beine über die Bettkante. Ein stechender Schmerz zog über den Nacken direkt in sein Gehirn, schlug ein wie ein Blitz. Er kannte das. Es war fast schon normal, dass er den Tag so begann. Langsam beugte er sich vor und tastete mit zittrigen Händen den Boden nach der Flasche ab.
Bereits nach dem zweiten Schluck Doppelkorn beruhigte sich sein Kreislauf. Jetzt war er auch in der Lage zu rauchen. Die Tabakkrümel vor seinem Bett und die zerknüllten Papierblättchen stammten von den missglückten Versuchen am Abend zuvor. Er hob das Päckchen Tabak auf, drehte sich eine Zigarette und steckte sie an, inhalierte tief. Noch ein Schluck aus der Flasche, die Kippe aufgeraucht und im überquellenden Aschenbecher ausgedrückt.
Das Zittern der Finger ließ nach, der Tag konnte beginnen.
Das Frühstück fiel spärlich aus. Zwei Scheiben Toast mit Butter und Marmelade spülte er mit starkem Kaffee hinunter. Mit dem Trinken war vorerst Schluss. Er musste einen halbwegs klaren Kopf bekommen, sich artikulieren können. Nach dem Duschen und Rasieren fühlte er sich einigermaßen fit, hatte das Gefühl, sich wieder unter die Menschen wagen zu können. Er zog saubere Kleidung an und prüfte sein Aussehen im Flurspiegel. Erschrocken über sich selbst verließ er die Wohnung.
Unten im Treppenhaus traf er auf die Hausmeisterin. Seit Wochen lag ihm die Frau in den Ohren. Er solle sich nicht so gehen lassen, hatte sie ihm gesagt, sein Leben wieder in den Griff kriegen. Sie hatte es wegen seiner äußerlichen Veränderungen ernst gemeint.
Sie kannte ihn, seit er und seine Freundin vor ein paar Monaten in dieses Mietshaus gezogen waren. Damals waren sie noch ein Paar, er ein hübscher Kerl mit blonden Haaren und sportlicher Figur. Jetzt war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Warum er sein Leben wegschmeiße, hatte sie ihn einmal gefragt, weshalb seine Freundin ihm nicht zur Seite stünde und ob er Hilfe benötige. Die hatte er ausgeschlagen, sie solle ihn in Ruhe lassen. Woher sollte die blöde Kuh wissen, was ihn aus der Bahn geworfen hatte und sein Leben zur Achterbahn werden ließ? Die Frau blickte ihm kopfschüttelnd hinterher und ahnte, dass es ein böses Ende mit ihm nehmen wird.
Die strahlende Aprilsonne brannte in den Augen, nachdem er auf die Straße getreten war und langsam losgegangen war. Die Bushaltestelle lag nicht weit entfernt. Er setzte eine Sonnenbrille auf und steckte sich einen Kaugummi in den Mund. Sein Weg führte ihn zum Rathaus. Zu einem Gesprächstermin, um den er selbst gebeten, aber dreimal verschoben hatte.

Das Gespräch mit der Sachbearbeiterin dauerte nur zehn Minuten und verlief ziemlich einsilbig. Sie verlangte seinen Personalausweis und nach ihrer zweiten Aufforderung nahm er die Sonnenbrille ab. Abwechselnd stellten sie sich ein paar Fragen, gaben sich knappe Antworten. Als alles geklärt war, erhob er sich vom Besucherstuhl, drehte sich zur Tür und ging. Im Türrahmen blieb er kurz stehen und warf der Frau einen Blick über die Schulter zu. Zwei Sekunden dauerte der Augenkontakt. Die Sachbearbeiterin erschrak. Kann es sein, dass man den Willen zu töten einem Fremden an den Augen abliest, dachte sie. Er setzte die Sonnenbrille auf, drehte sich von ihr weg und trat auf den Flur. Mit dem nächsten Schritt löschte der Mann gedanklich ein Leben aus.
Sein Leben.
Einen Zettel mit einem Namen und Geburtsdatum hatte sie ihm gegeben. Er prägte sich die Daten ein. Mit wackeligen Beinen ging er den Flur entlang. Am Ende machte er eine Faust, zerknüllte das Papier und warf es in den Mülleimer. Mit ihm entledigte er sich dreiunddreißig Jahre Lüge und Betrug. Als er das Gebäude des Rathauses verließ, hatte sein Leben nur noch einen Sinn: Rache.
Er brauchte Bewegung und Zeit zum Nachdenken. Mit schleppendem Gang und gesenktem Kopf, wie eine Marionette an Fäden, gesteuert von fremder Hand, streifte er ziellos durch die Stadt.
Eine Stunde später saß er wieder in der Küche seiner Dreizimmerwohnung. Vor ihm auf dem Tisch lag ein Fotoalbum, in dem sein Leben auf Bildern festgehalten war. Seine Hände lagen obenauf. Sie zitterten. Er klappte es auf.
Erinnerungen an die glücklichen Momente, in denen er mit seinem Mädchen – so nannte er seine Freundin – die letzten Bilder eingeklebt hatte, griffen ihm ans Herz. Es waren Fotos von ihrem gemeinsamen Kind Lia. Das war vor zwei Monaten gewesen, in seinem anderen Leben.
Da lebte sein Kind noch.
Er fegte die Gedanken weg und blätterte weiter. Wie ein Verrückter begann er, die Bilder herauszureißen. Mit jedem Foto, das er zerriss, wollte er den Betrug an seinem Leben ungeschehen machen. Es gelang ihm nicht. In blinder Wut griff er nach dem Album, zerriss es und warf die Teile auf den Boden.
Bisher unbekannte Gefühle erfassten ihn: Einsamkeit und grenzenlose Verbitterung. Er beugte sich vor, stützte den Kopf mit den Händen, heulte Rotz und Wasser wie ein Kleinkind. Seine Gefühle konnte er so nicht verdrängen, trotzdem fühlte er sich nach zehn Minuten erleichtert. Er wischte sich mit dem Hemdsärmel den Rotz und die Tränen aus dem Gesicht und ging ins Wohnzimmer.
Wütend setzte er sich an den Laptop und begann mit der Suche.

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Für Tolino: Buch bei Thalia
Mehr über und von Detlef Krischak auf seiner Website.



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