3. April 2018

'Galaktische Reisen 3: Zweite Spezies - Teil 1' von O.E.Wendt

Kindle (unlimited)
Nachdem immer häufiger willkürliche Torabschaltungen die Wurmlochverbindungen tödlich unterbrechen, wollen Brendan und seine altbekannte Crew herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Sind es gar die Torerbauer selbst, diese geheimnisvolle und unbekannte Spezies aus der fernen Galaxie?

Xinianer, Prätorianer und auch der selbst ernannte Padisha Raym von Rabhas sind ebenfalls sehr daran interessiert, hinter das Rätsel zu kommen. Uneingeschränkte Gewalt über die Tore zu erlangen, würde ihnen grenzenlose Macht geben und über das Wohl sämtlicher zivilisierter Welten entscheiden. Nicht genug damit, dass sich die Menschheit untereinander bekämpft - nun lenken auch noch die aufgeschreckten Torerbauer ihr Augenmerk auf die Milchstraße. Und plötzlich steht die gesamte Existenz der Menschheit auf dem Spiel. Nur die Crew der Chrysanthemia scheint dies zu erkennen. Ohne weitere Hilfe entschließen sie sich, der Bedrohung in der Andromedagalaxie zu begegnen. Auf einem Planeten, wo die Evolution Erstaunliches hervorgebracht hat.

Band 3 der Reihe 'Galaktische Reisen'.

Leseprobe:
01 - Prolog
Die Obrigkeit bezeichnete das nunmehr angebrochene Zeitalter als die Neue Ordnung, ebenso neu wie die von ihr geschaffenen instabilen Machtverhältnisse. Der Krieg flackerte an manchen Orten immer wieder, wenn auch in abgeschwächter Form, auf und die Menschen der besiedelten Welten innerhalb des Orionspiralarms kamen längst noch nicht zur Ruhe. Für die meisten stellte sich die so genannte Neue Ordnung allerdings eher als ein großes Chaos dar, weniger richtungsweisend als verwirrend.
Drei große Machtblöcke hatten sich in den Jahrhunderten seit der Entdeckung und Nutzbarmachung der Molluskentore herausgebildet. Die alten politischen Strukturen begannen sich aufzulösen, zeitaufwändige Reisen durchs All wurden zunehmend überflüssig und die Nutzung der schon immer verhassten Kälteschlaftechnik rückte mehr und mehr in den Hintergrund und somit auch die Bedeutung der Permanent Galaktisch Reisenden, den Pegaren. Hunderte von Jahren waren sie unverzichtbares Bindeglied zwischen den weit auseinanderliegenden bewohnten Welten gewesen. Pegaren wurden geachtet und respektiert. Sie wurden aber auch gemieden. Ihr generationenübergreifendes Auftauchen und Verschwinden war so manchem Sesshaften suspekt, wenn nicht gar unheimlich. Und wer mochte sich auch schon auf jemanden einlassen, der sehr bald wieder für mehrere hundert Jahre von der Bildfläche verschwand? Dennoch hatte so gut wie jede Welt, jede menschliche Rasse und jegliche gesellschaftliche Schicht Pegaren hervorgebracht. Und es gab sie noch – auch in der Neuen Ordnung. Aber sie machten sich rar in einer Galaxie, in der Wurmlöcher nunmehr zum Alltag gehörten. Zwar war die Anzahl der Molluskentore noch immer überschaubar, die Entdeckung immer neuer Tore aber schritt voran und die Gier danach wurde dementsprechend größer. Trotz dieser Tore, dieser Pforten, die das Raum-Zeit-Gefüge derart kompliziert komprimierten, dass es den Menschen noch immer nicht gelungen war hinter das vollständige Geheimnis der Konstruktionen zu gelangen, beschränkte sich die überschaubare Ausbreitung menschlicher Zivilisationen noch immer auf den Orionspiralarm.
Mit dem Verblassen der Neutralen Behörde hatten offiziell auch die ehemaligen Verwaltungsbezirke ihre Gültigkeit verloren. Anerkannt wurden nunmehr nur noch die einzelnen hoheitlichen Gebiete der jeweiligen Sonnensysteme und ihre Planeten.
Die Neue Ordnung und der Verlust der Neutralen Behörde brachten viel Unstetigkeit mit sich und säten mehr Misstrauen als Zutrauen. Die neuen unabhängigen Systeme sahen sich losgelöst aus jeglichem Verbund und somit auch von einst geschlossenen Verträgen. Ein weiterer enormer Unterschied zu früheren Zeiten war ein sich veränderndes Bewusstsein in Bezug auf die Tore. Da nunmehr auch die meisten Kriegshandlungen um die Tore verebbten, gab es Raum für neue Überlegungen. Viele begannen sich zu fragen, wer die Tore erbaut haben mochte und welche technischen Errungenschaften es womöglich noch zu entdecken und zu nutzen galt. Einige der Beteiligten, die unmittelbar mit der Entdeckung der Tore zu tun gehabt hatten, wussten zudem um das eine bestimmte Tor, welches sich in der Nachbargalaxis Andromeda befand und wo ganz andere Wesen warteten, die mit menschlichen oder anderen irdischen Lebensformen wenig gemein hatten. Und nicht nur Mariju war bereits drüben gewesen - 2,5 Millionen Lichtjahre von zu Hause entfernt.

02 - Dahara
Gewiss hatte Einstein fest damit gerechnet, es zumindest gehofft, Brendan eines Tages wiederzusehen, zumal sich ja dessen Schiff in seiner Obhut befand und er nicht vorhatte es für sich zu behalten. Aber nicht damit, dass dies nur wenige Tage nach seiner und Greens Aufweckphase geschehen würde.
Die Ambaramani der kleinen Felsendörfer von Dahara waren alles andere als hinterwäldlerische unzivilisierte Menschen. Sie verstanden es in ihrer Abgeschiedenheit nahezu perfekt die Möglichkeiten der Digital- und Mikroelektronik zu nutzen und registrierten das in ihren Systembereich eindringende fremde Schiff wesentlich schneller als die Aufklärungssatelliten der Xinianer. Nur so war es ihnen auch gelungen mit der Chrysanthemia Kontakt aufzunehmen und sie sicher und unversehrt zu einem geheimen Landeplatz weit oben ins höhere Gebirge zu lotsen. Die Ambaramani waren lange vor ihrem Erscheinen von Mariju und Brendan informiert worden, da auch sie sich bereits einige Monate schon wieder im Wachzustand befanden. Einsteins alte Angewohnheit sich sämtliche Informationen über die Ereignisse der verschlafenen Jahre auf den Schiffscomputer zu laden und in seinem genmanipulierten Gehirn abzuspeichern, ergab sehr bald ein klares Bild darüber, wer ihnen wohl gesonnen war und wer nicht, so dass er den Lotsen vertraut hatte.
Nachdem sie die Chrys geparkt hatten, wurden sie von zwei Männern zu Marijus Behausung geführt, einer bescheidenen Felsenhöhle oberhalb des Dorfkerns. Wie Schwalbennester hatten die Ambaramani dieser Gegend ihre Unterkünfte in länglichen Keilen in die Felsen geschlagen und wohnliche warme Wohnungen darin gestaltet. Draußen leuchtete die sand- und ockerfarbene Felsenlandschaft des ambaramanischen Zwerggebirges, dessen Name in irdischen Maßstäben Stirnrunzeln hervorgerufen hätte. Der höchste Berg dieser Gegend überschritt deutlich die 12.000 Meter-Marke. Wie hoch mochten da erst die Berge im ambaramanischen Riesengebirge sein?

„Was für eine Überraschung!“, rief Brendan aus und sprang von seinem Stuhl auf. Mariju stand ebenfalls freudig strahlend am Eingang und freute sich über die Wiedervereinigung mit den alten Gefährten. Ganz in der so typisch ambaramanischen zurückhaltenden und leisen Art zogen sich die beiden Männer, die Einstein und Green eskortiert hatten, mit einer höflichen Verbeugung zurück. In ihren groben sandfarbenen Kapuzenkutten hatte Einstein noch nicht einmal ihre Gesichter sehen können und bevor er sich bedanken konnte, waren sie auch schon verschwunden.
„Du lässt Dir einen Kinn- und Wangenbart stehen“, stellte Einstein zu Brendan gewandt beeindruckt fest. Und kurze Haare hast du auch!“
„Du kannst es ruhig Vollbart nennen“, meinte Brendan, „wenn auch ein kurzer. Ja, äußerliche und innerliche Veränderungen, wenn du so willst. Und ihr habt es geschafft! Wie schön!“ Brendan lachte und drückte seinen alten Freund an sich. Einstein lachte auch und war sehr froh, dass es Brendan gut ging. Green hingegen pfiff aus sämtlichen Körperöffnungen und wusste sich vor Freude nicht mehr zu beherrschen. Er nutzte ein gutes Dutzend Körperöffnungen, die er, wenn er sich unter Menschen befand, für gewöhnlich zur Irritationsvermeidung unter Verschluss hielt. Seine Fühler tanzten dazu wild hin und her und seine beiden großen Hauptaugen, die in etwa in der Mitte seines Gesichts lagen, quollen beinahe heraus. Er war unverkennbar freudig erregt und schlug mit seinem ursprünglich zur Angriffsabwehr gedachten Riesenschwanz unkoordiniert um sich, was einige Einrichtungsgegenstände grob zu spüren bekamen. Aber anstatt sich zu erschrecken oder aufzuregen, hielten die Wiedergefundenen nur kurz inne, starrten auf den peinlich berührten Green und lachten allesamt laut los.
„Und habt euch wirklich nicht verändert“, sagte Mariju, ebenfalls lachend, „Auch du nicht, Green! Herzlich willkommen!“ Wenn es auch schwierig war, versuchte sie den grünen Amaviriden zu umarmen.
Als dieses erste und intensive Begrüßungsritual vorüber war, bot Brendan den beiden einen Platz zum Sitzen an und schenkte jedem von ihnen ein Glas Hick ein, ein besonders spritziges und belebendes alkoholisches Getränk. Green musste sich mit einem niedrigen hölzernen Couchtisch als Sitzgelegenheit begnügen, da man hier nicht auf Amaviriden eingerichtet war. Aber das war er gewohnt und murren gehörte selten zu seinen Verhaltensweisen.
„Hattet ihr Schwierigkeiten in das ambaramanische System einzudringen?“, wollte Brendan wissen. Einstein schüttelte mit dem Kopf und beäugt das moussierende blaue Getränk in seinem Glas, nachdem er einen großen Schluck davon genommen hatte.
„Hui, eine starker Begrüßungstrunk. Aber, um deine Frage zu beantworten: Nein, es war kinderleicht. Dank eurer Freunde wurden wir von den Xi gar nicht erfasst und im Nu hierher gelotst. Und ihr? Ihr habt tatsächlich stationär in Kältetanks ausgeharrt, um auf uns zu warten?“
„Dieses eine Mal!“, meinte Mariju mit gespielter Strenge. „Es war nicht risikolos. Aber wenn überhaupt an irgendeinem Ort des Spiralarms, dann hier auf meinem Heimatplaneten. Nirgendwo sonst gibt es so viele Menschen, denen wir vertrauen können.“
„Auf Azur!“, protestierte Green, dessen Phonetik sich aufgrund seiner ungewöhnlichen Anatomie fremdartig anhörte. Höhen und Tiefen vermischte er oft in seltsame Melodien, so dass seine Sätze mitunter wie eine leiernde Schallplatte klangen. Erschwerend hinzu kam der Umstand, dass er nicht immer die selbe Körperöffnung verwendete oder manchmal auch zwei oder drei gleichzeitig. Verstehen konnte man ihn mit ein wenig Mühe dennoch.
„Ganz gewiss“, pflichtete Einstein ihm sofort bei. „In den Amaviriden haben wir wahre Freunde gefunden.“
„Nur leider sind sie nicht so gut gerüstet, um gegen die Xinianer etwas auszurichten“, sagte Mariju. „Jedenfalls werde ich das nicht wiederholen. Wenn überhaupt wieder Kälteschlaf, dann nur auf einem Schiff.“
„Auf meinem Schiff“, meinte Brendan grinsend.
„Vielleicht auch auf deinem Schiff, ja“, neckte sie ihn.
„Ich kann es kaum erwarten wieder an Bord zu gehen“, sagte Brendan.
„Na ja“, sagte sie. „Es gibt ja auch noch eine Menge zu erledigen.“
„Aufgrund der häufigen willkürlichen Torabschaltungen gewinnen wir Pegaren und die Hibernation wieder an Gewicht“, fand Einstein.
„Das schon“, sagte Brendan. „Aber der Faktor Zeit ist für viele immer noch ein großes Argument – trotz Torabschaltungen.“
„Na, ich fliege lieber ein paar Jahre länger im Kältetank, als beim Zusammenbruch eines Wurmlochs in dessen Mitte zu implodieren.“
„Oder womöglich darin in irgendeiner uns nicht bekannten Quantenwelt festzustecken. Schließlich wissen wir noch gar nicht, was mit den Schiffen geschieht, die sich während einer Torabschaltung in einem Transfer befinden.“
„Ich möchte diese Erfahrung auch gar nicht machen“, fand Brendan, der sich in diesem Moment wieder daran erinnerte wie gerne sein väterlicher Freund Einstein die Gefahren vergaß, nur um eine wissenschaftliche Bereicherung Willen. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass Einstein ihn erst fragend anblickte, bevor er nickend zustimmte und noch einen Schluck Hick zu sich nahm.
Offene Kriegshandlungen hatte es im Parvus-System und somit auf Ambaramani nie gegeben. Auch im xinianischen Sonnensystem herrschte stets Ruhe, da die meisten Schauplätze sich vor den strategisch günstigeren und begehrten Molluskentoren anderer Systeme befanden. Im Übrigen wagte es niemand sich derart direkt mit den Xinianern anzulegen. Kriegerische Konfrontationen waren zunehmend unpopulär geworden und vielerorts waren die politischen Entscheidungsträger dazu übergegangen Verträge zur Nutzung der Tore auszuhandeln, um dem grenzenlosen Verschwenden finanzieller Ressourcen endlich Einhalt zu gebieten. Überall war der Ruf nach Frieden vernehmbar und die Bereitschaft sich entgegenzukommen groß. Die Xinianer, federführend an allen Fronten, hatten zwar wenig Interesse an der Unterjochung anderer Völker, waren aber stets auf ihren Vorteil bedacht und insbesondere daran interessiert die Tore zu kontrollieren. Noch größeren Wert allerdings legten sie auf jegliches Unterbleiben von Einmischung fremder Kulturen in ihre inneren Angelegenheiten.

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Mehr über und von O.E.Wendt auf seiner Website.



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