14. Mai 2018

'Bühnenzauber' von Martin Danesch

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Julian Hesse, ein Loser in Beziehungen, begibt sich auf die innere Reise zu sich selbst. Er lernt, das Universum zu verstehen und findet in der Liebe neue Wege.

Giuliano kapiert einfach nicht, weshalb seine Beziehungen stets im Desaster enden, ihn seine jeweilige Partnerin hintergeht. Ist er denn so langweilig, öde, nichtig? Auf einer Motorradtour erzählt ihm sein bester Freund von dem mystischen Einsiedler Odysseus. Erst skeptisch, besucht Giuliano diesen dann öfters und erfährt von universellen Zusammenhängen. Parallel ist er auf dem Weg, in seine sechste unglückliche Beziehung zu schlittern. Doch das bei Odysseus Erlebte wirkt sich zunehmend auf seine Wahrnehmung aus. So erregt in der Firma auf einmal eine Kollegin seine Aufmerksamkeit, obwohl sie so gar nicht dem Typ entspricht, dem er bisher auf den Leim ging. Gemeinsam kommen die beiden auf eine Gaunerei im Betrieb und sich dabei auch näher. Dank Odysseus sieht es aus, als lernte Giuliano, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Doch dann macht er einen verheerenden Fehler.

Eine anfixende Crossover-Geschichte in einer neuen Mischung aus Liebe, Spannung und spiritueller Weisheit.

Leseprobe:
Ende und Anfang
Als ob sie mich mit einem Schmetterlingsnetz gefangen hätte, so dicht waren die Maschen ihres Dufts. Ihre linke Hand lag auf dem Bistrotisch, von ihrem Weinglas kaum entfernt und zwei Handbreit von meiner Rechten, zu der sie schon seit Wochen nicht mehr fand. Nicht nur ihr Duft, sondern - wie schon immer - wirkte auch ihr Äußeres auf mich wie eine eingeschaltete Kochplatte auf den Teekessel, der auf ihr stand. Sie trug ein schwarzes Top unter der bunten Tunika, der es selbst im schummrigen Dämmerlicht des Lokals nicht gelang, ihre Kurven zu verbergen. Jedes Mal spürte ich ein Ziehen im Bauch, wenn sich mein Blick nach rechts wegstahl: Der schwarze Bob, die großen dunklen Augen und die dunkle Tönung ihrer Haut - sie hatte etwas Zigeunerhaftes, Aufreizendes. Diese Augen ... und wie sie leuchteten!
Aber ich wusste, dass sie das nicht für mich taten. Auch nicht für die Band, die auf der kleinen Bühne spielte, eine Vierer-Combo aus Piano, Gitarre, Percussion und einer Frau, die sowohl sang, als auch Saxofon spielte, eine unglaublich sexy Mischung, wie ich fand. Nein, Amandas Augen blitzten immer wieder zu dem Kellner hinüber - unter genügend verhangenem Blick, wie sie wohl annahm. Aber ich merkte es. Wenn nämlich einer Beziehung erst einmal die selbstverständliche gegenseitige Vertrautheit abhandenkommt und sich ihrer statt das Misstrauen einzunisten beginnt, dann hört man das Gras wachsen, wenn es darum geht, was hinter dem Rücken geschehen könnte. Und ich hatte diesbezüglich ohnehin ein feines Ge­spür, sogar dann, wenn es gar nichts zu spüren gab.
Hie und da kam er herüber zu uns, der widerliche Gigolo mit seinem Grinsen, das zwar ihr und mir in gleicher Weise galt, nur dass es mir in meine Richtung wie eine Farce vorkam. Nein, eigentlich wie ein unverblümter Schlag direkt ins Gesicht! Ob alles in Ord­nung wäre - was für eine Fra­ge! - und ob wir noch etwas bräuchten. Viel­leicht ein Baguette? Hau ab, dachte ich mir, bevor ich dir eine aufs Maul hau. Aber nach außen grinste ich wie er, denn anmerken wollte ich mir diese Schmach keinesfalls lassen. Manchmal richtete ich ein paar Worte an Amanda, die sie zwar beantwortete, aber so spärlich wie irgend möglich, bis hinunter zu Ja und Nein.
Ich war froh, als der Abend vorüber war, und nicht nur einmal hatte ich mich gefragt, welcher Teufel mich geritten haben mochte, als ich ihrem Vorschlag folgte, das kleine Konzert zu besuchen. Hatte ich gedacht, dass vielleicht alles noch einmal ins Lot käme? Dass noch eine Chance bestünde? Dabei wusste ich doch aus eigener Erfahrung längst, was innere Kündigung bedeutet. Man konnte in so einem Zustand niemanden mehr zurückgewinnen; ich war ja auch schon in der umgekehrten Lage gewesen. Doch wenn solche Überlegungen mich selbst betrafen, war ich blind wie ein Maulwurf. Als Belohnung dafür, dass ich mein Bauchgefühl ausgelacht hatte, das mir mit seinem wohlbekannten Ziehen nichts Gutes verhieß, wusste ich nun nicht nur, dass definitiv etwas im Busch war, sondern auch, wer hinter ihm saß.

Zu Hau­se kam ich auf einen perfiden Gedanken. Es musste doch möglich sein, ihre Mailbox zu hacken, um Gewissheit zu erlangen? Von den sieben Jahren des Beisammenseins wusste ich schließlich, wie sie tickte. Also sollte auch das Passwort herauszufinden sein. Mit Geburtstag oder derlei Scherzen probierte ich es erst gar nicht, denn dass das keine gute Idee war, las man ja allenthalben. Also was tat sie gerne? Sie kochte für ihr Leben gern, was es ihr auch unmöglich machte, wirklich schlank zu sein. Denn was sie kochte, schmeckte ihr selbst ebenfalls. Dafür wiederum gelang es ihr unverschämt gut, eine Figur zu bewahren, bei der, wie man sagt, die Kurven an der richtigen Stelle saßen. Ich bin sicher, dass sie um dieses Geschenk der Gene von vielen Frauen beneidet wurde, denn es wuchs nicht irgendein Körperteil übermäßig in die Gegend, der Hintern oder die Schenkel, sondern Zunehmen war bei ihr, als ob sie eine weitere Haut umlegen würde. Schnell fing ich meine verlangenden Gedanken wie­der ein und konzentrierte mich auf mein Vorhaben. Tiramisu? Zu simpel. Pesto? Ebenfalls. Und dann probierte ich es einfach durch. Chennah, Galgant - sie liebte Gewürze - Kurkuma, Habanero, sogar Tellicherry-Pfeffer ließ ich nicht aus. Schon oft hatte ich mich gefragt, wie Leute wie Mac­Gyver, auch noch unter Druck, es zuwege brachten, mit spätestens dem dritten Versuch solche Probleme zu lösen. Und dann - ich konnte es nicht glauben - war ich drin. Mit Couscous.
Meine Euphorie war von kurzer Dauer, etwa so wie das Leben einer Biene, die sich von einer Blüte in einem Anflug von Verwegenheit auf die andere Seite der befahrenen Straße aufmachte. Es wäre besser gewesen, nicht drin zu sein. Denn hier breitete sich in großzügiger Vielfalt meine Befürchtung vor mir aus: Ein munterer und - noch viel ernüchternder - durchaus gegenseitig zugetaner Schriftverkehr zwischen Amanda und Schorsch, dem Kellner des Lokals, das ich eben verlassen hatte. Manchmal verwünschte ich meine Gabe, Dinge zu erahnen. Mit der Verbissenheit, mit der man sich mitunter kratzt, auch wenn es schon blutet, gab ich mir eine Mail nach der anderen. Die älteste davon war drei Monate her. Täglich durchaus auch schon vier bis fünf Mailwechsel. Es war nach Mitternacht, als ich fertig war, die Flasche Rotwein leer und, mangels Nachschub an Wein, der Eierlikör auch. Eine Wirkung allerdings hatte meine Beharrlichkeit gehabt: Meine Übelkeit hatte sich von der psychischen auf die körperliche Ebene verlagert.

Im Kindle-Shop: Bühnenzauber.
Mehr über und von Martin Danesch auf seiner Website.



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