7. Mai 2018

'Gus Masters: Lilith' von Andreas Kohn

Kindle (unlimited)
Kriegsveteran Gus Masters führt 1869 einen der letzten Siedlertrecks nach Westen, als dieser von scheinbar wahnsinnig gewordenen Gestalten angegriffen wird. Die Angreifer scheren sich weder um Schmerzen noch schwere Verletzungen und scheinen weder lebendig noch wirklich tot zu sein.

Nur mit Mühe und Not können sich die Überlebenden in die nächste Ortschaft retten. Aber auch hier geraten Gus Masters, die Siedler und nun auch die Bewohner von Gumble mit den Horror-Gestalten aneinander – und ihre Opfer reihen sich sofort in das Heer der Untoten ein. Dann tauchen noch merkwürdige Fremde auf, die eine unglaubliche Geschichte zu erzählen haben und ein Kind mit geheimnisvollen Kräften wird geboren, um das ein erbarmungsloser Kampf entbrennt.

Auftakt der Reihe um den Westernhelden »GUS MASTERS«. Ein wilder Genre-Mix aus Western, Horror und Science Fiction.

Leseprobe:
»Wylie, pass auf!«
Auf Finella Brennans Warnruf hin schwang William »Wylie« Hayes den Kolben seiner Doppelbüchse nach links. Ohne hinzusehen, geschweige denn anständig zu zielen, auf was er einzuschlagen gedachte, traf der Hartholzgriff seines Gewehrs den Schädel des dicken chinesischen Wanderarbeiters an der Schläfe. Erschöpft ließ Hayes das Gewehr in den feinen Sand sinken, um sich für ein paar Sekunden darauf aufstützen zu können. Gleichwohl wusste er aber auch, dass er diese Sekunden nicht hatte. Aber er war am Ende seiner Kräfte. Genauso wie Angus rechts neben ihm. Dabei war er ein Bär von einem Mann. Fast einen halben Fuß größer als er selbst, mit einem Brustkorb und Oberarmen ausgestattet, die ihn beinahe unbezwingbar erscheinen ließen.
Die doppelläufigen Schrotflinten waren mittlerweile fast wertlos und nur noch als Prügel zu gebrauchen. Niemand hatte daran gedacht, sich mit ausreichend Munition zu versorgen, als die Angreifer über sie hergefallen waren. Ganz davon abgesehen, dass die Schrotladungen nahezu wirkungslos verpufft waren. Genau wie sein Schlag mit dem Gewehrkolben, den der Chinese nahezu unbeeindruckt weggesteckt hatte, waren die Angreifer mit fast nichts, was sie taten, abzuwehren. Von den sieben ursprünglichen Gestalten hatten sie bislang ganze zwei ausgeschaltet, indem sie ihnen irgendwie die Schädel zertrümmert hatten.
»Heiliger Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, unsterblicher Gott, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt«, hörte er die Frauen hinter sich murmeln. Einige waren mit geschlossenen Augen auf die Knie gesunken und rezitierten mit ihren Rosenkränzen Psalmen. Andere dagegen wandten dem Grauen weinend den Rücken zu und hielten ihre Kinder schützend fest umklammert.
Einen weiteren Ausweg gab es nicht mehr. Der kleine Canyon war vor langer Zeit an dieser Stelle zusammengebrochen und der Schutt versperrte ihnen den Fluchtweg. Sie saßen in der Falle.
»Wir könnten alle zusammen versuchen, durch sie hindurch zurück zu den Wagen zu laufen«, schnaufte Angus O’Brien.
Hayes schüttelte kraftlos den Kopf und stieß zwischendurch einem der Angreifer den rechten Fuß gegen dessen Brust. Dabei taumelte er fast mehr Schritte zurück als der Getroffene.
Sie würden keine zehn Meter weit kommen und vor allem die Kinder verlieren. Natürlich würden die Mütter stehen bleiben und ebenfalls Opfer der Bestien werden. Am Ende würden vielleicht sieben oder acht entkommen. Und dann? Auf der anderen Seite würden sie hier sicher alle zu Opfern werden. Aber vielleicht war das auch Gottes Wille.
Angus O’Brien wischte sich den Schweiß mit dem Ärmel von der Stirn und drängte gleich darauf den einzigen nicht chinesischen Angreifer mit quer gehaltener Flinte ein paar Meter weit zurück. Dabei passte er tunlichst auf, seine Finger nicht in die Nähe der auf- und zuschnappenden Zähne zu bringen. Es war ganz eindeutig ein Weißer. Der Statur und der Kleidung nach eher ein Landvermesser als ein Bahn- oder Wanderarbeiter wie die Chinesen. Aber genau wie sie schien er dem Wahnsinn anheimgefallen zu sein. Das Gesicht war geschwollen, die blonden Haare mit Blut verklebt. Die runde Nickelbrille hielt sich nur noch mit Mühe am rechten Ohr fest.
Diese Kerle waren zwar nicht bewaffnet, dennoch waren sie brandgefährlich. William Hayes hatte so etwas noch nie erlebt. In seiner alten Heimat Irland hatte er einen Herumtreiber gesehen, der von einem Fuchs gebissen worden war und daraufhin die Tollwut bekam. Der hatte zwar wie wild um sich geschlagen und jeden beißen wollen, aber der Constable hatte ihn mit einem einzigen wohlgezielten Schlag seines Stockes außer Gefecht gesetzt. Diese Kerle hier waren anders. Fast jeder hatte wenigstens eine Schrotladung im Leib, mehrere Schläge mit dem Gewehrkolben gegen den Kopf oder den Oberkörper und unzählige Tritte abbekommen. Und trotzdem wollten sie nicht lockerlassen.
Der dicke Chinese war das beste Beispiel. Er hatte ihn jetzt wenigstens ein Dutzend Male mit dem Gewehrkolben am Kopf getroffen. Sein Gesicht war eine einzige schwärend blutige Masse. Das linke Auge hatte sich in nichts aufgelöst, das andere schien beinahe aus dem Kopf herauszufallen. Dennoch war er nach dem letzten Treffer nur zwei Meter zurückgetaumelt, hatte sich etwas geschüttelt und kam wieder auf Hayes zu. All diese Überlegungen gingen William Hayes zum wiederholten Male durch den Kopf.
Vor schierer Verzweiflung brüllte Hayes laut auf, als er das Gewehr am Lauf fassend hoch über den Kopf schwang und es mit voller Wucht ein weiteres und vielleicht letztes Mal auf dessen Schädel niedersausen ließ. Wenn ich nicht richtig treffe, ist es vorbei, dachte er noch. Dann zerplatzte der Schädel des Dicken wie eine reife Melone, die man fallen lassen hatte. Der Schwung seines Hiebes ließ Wylie Hayes nach vorn in den Sand fallen und erschöpft liegen bleiben.
Er schaute genau in das schmerzverzerrte und angsterfüllte Gesicht Finella Brennans. Auch sie lag am Boden. Einem der chinesischen Arbeiter war es gelungen, an ihnen vorbeizukommen und sie zu Boden zu reißen. Nun hockte er mit den Knien auf ihrem Rücken und beugte sich in diesem Moment zu ihr herab. Hayes, so erschöpft er auch war, mobilisierte Reserven, von denen er selbst nicht wusste, dass sie existierten. Er stemmte sich hoch und hechtete mehr, als dass er auch nur einen Schritt lief. Er packte den nackten Oberkörper des Chinesen und riss ihn von Finella herunter. Gleichzeitig spürte er, wie ihm ein siedend heißer Schmerz durch die Schulter fuhr. Der Kerl hatte ihn am Halsansatz gebissen. Einfach so.
Hayes fixierte mit den Knien die Arme seines Gegners, dann prügelte er mit bloßen Fäusten auf sein Gesicht ein. Wie ein Dampfhammer schlug er immer und immer wieder zu. Er hörte Knochen brechen. Ob es seine eigenen oder die seines Gegners waren, bekam er in seiner Raserei nicht mit. Irgendwann zerrte ihn jemand von dem leblosen Körper herunter und bettete seinen Kopf in einen weichen Schoß. Er meinte noch, einen Schuss aus einem Revolver zu hören. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

Im Kindle-Shop: Gus Masters: Lilith.
Mehr über und von Andreas Kohn auf seiner Website.



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