9. Mai 2018

'Verliebt in Miami' von J. Vellguth

Kindle Edition | Taschenbuch
Miami: Sonne, Strand und Meer.

Das ist der Ort, an dem Nicole sich ein erfolgreiches Leben als Luxus-Immobilienmaklerin aufgebaut hat. Alles, was ihr zur Partnerschaft in der Firma noch fehlt, ist ein einziger Deal, der gerade zum Greifen nahe ist: ein atemberaubendes Grundstück direkt am Meer. Ein ungeschliffenes Juwel.

Die Sache scheint schon so gut wie sicher, doch dann taucht der Naturfreund Joe auf, der mit seinem strahlenden Lächeln und den großen Träumen versucht, Nicoles Pläne zu durchkreuzen. Er glaubt tatsächlich noch, er könnte die Welt verändern. Aber ist er in der Lage, mit seinen luftigen Idealen und ohne echte Ziele auch Nicoles Herz zu erobern?

Joe liebt seine kleine Tochter Kayley über alles. Für ihr Glück würde er alles tun, sogar seine erste große Liebe vergessen … wenn er das nur könnte. Aber was braucht Kayley wirklich, um glücklich zu sein?

Und steckt hinter der Karrierefrau mit den dunklen Augen vielleicht doch mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist? Was, wenn es die wahre Liebe nur ein einziges Mal gibt?

Leseprobe:
Nicole Price räkelte sich genüsslich in ihrem orangeroten Bikini auf dem Sonnendeck der Firmen-Yacht. Ihre gebräunte und frisch eingecremte Haut glänzte in der Mittagssonne von Miami. Sachte Wellen schwappten glucksend gegen den langen, weiß lackierten Bug und Glitzerfunken sprangen über das türkisblaue Wasser des Ozeans.
Es war wundervoll entspannend und, anders als im stetigen Summen ihres durchgetakteten Alltags, angenehm ruhig.
»Wieso hast du Mister Unterwäschemodel eigentlich nicht eingeladen?«, fragte ihre Freundin sie, die neben Nicole auf dem Polster saß und gerade ein paar Einstellungen an ihrer Kamera vornahm.
Nicole schob die Sonnenbrille nach oben und benutzte das Gestell, um sich die schwarzen Locken aus den Augen zu halten. »Warum sollte ich?«
»Ich dachte nur«, sagte Aileen viel zu unschuldig.
Dabei schwenkte sie mit der Kamera über die riesigen Türme aus Beton und spiegelndem Glas von Miamis Skyline. »Immerhin gibt es etwas zu feiern.« Sie grinste Nicole von der Seite an und wackelte mit den Augenbrauen. Dadurch bekam ihre Freundin immer etwas von einem Teufelchen. Einem rothaarigen, sehr bleichen, mit Sommersprossen übersäten Teufelchen.
Nicole machte eine wegwerfende Handbewegung.
»Der war schon verabredet. Außerdem unterhalte ich mich lieber mit dir über egal was, als mit ihm über die korrekte Falttechnik seiner Oberhemden.«
»Aber du gehst trotzdem noch mit ihm aus, oder?«
Aileen drehte die Kamera auf sich selbst und zwinkerte ihrem zukünftigen Zuschauer mit einer Daumen-hochGeste zu.
Nicole zuckte mit den Schultern. Manchmal, war die ehrliche Antwort. Er war praktisch und machte etwas her, wenn sie irgendwo eingeladen war. Erfolgreiche Typen waren schwer zu bekommen. Und sein hoher Verschleiß an Freundinnen kümmerte sie nicht, solange sie nicht dazugehörte.
»Egal, ich find’s schön, dass du ihn zu Hause gelassen hast«, sagte Aileen. »Umso besser für mich.« Damit hielt sie die Kamera auf Nicole. »Bitte lächeln.«
Die drehte sich auf den Bauch und setzte ein entspanntes Gesicht auf. »Reicht das?«, fragte sie und versuchte, dabei nicht die Lippen zu bewegen.
»Jetzt noch einmal winken, dann hab ich genug Closeups.«
Nicole kam der Bitte nach, und dann wanderte die Kamera auf den kleinen Beistelltisch. »Was wird das für ein Video?«, fragte sie.
»Ich weiß es noch nicht genau«, antwortete Aileen und nahm einen großen Schluck von ihrem Virgin Mojito.
»Ich hab gedacht, ich versuche mich nach den ganzen schweren Projekten mal an etwas Leichtem. Vielleicht wird es ein simpler Vlog.« Sie legte sich auf den Rücken und genoss die Sonne auf der Haut. »Wie lange können wir die Yacht eigentlich benutzen?«
»Den ganzen Nachmittag«, antwortete Nicole – das war Teil ihrer Belohnung für den Chesterfield-Deal. Sie lächelte breit, weil sie an die Reaktion ihrer Mutter denken musste, als sie ihr von dem Erfolg erzählt hatte. Die wäre vor Stolz fast geplatzt. Und das würde nur noch besser werden, wenn die neue Sache auch ein Erfolg wurde. Nicole nippte genüsslich an ihrem pinkfarbenen Erdbeercocktail. Rosa, kalt und fruchtig auf der Zunge – himmlisch.
»Samt Kapitän?«, flüsterte Aileen verschwörerisch.
»Brandon?« Nicole drehte sich kurz nach hinten zur Führerkabine. Der junge Mann war in sein Handy vertieft.
Sie hätte natürlich auch selbst fahren können, aber ihre Devise lautete: Nimm nie weniger, als du kriegen kannst. Also grinste sie. »Der war im Angebot enthalten. Außerdem hab ich mir gedacht, er könnte dir gefallen.«
Aileen stupste ihr mit dem Fuß gegen das Bein. »Hey, ich bin jetzt verlobt.«
»Ich weiß, aber gucken schadet ja nicht.« Nicole lachte und Aileen wandte sich noch einmal um.
»Schnuckelig ist er ja schon, das muss man ihm lassen. Vielleicht wäre der ja etwas für dich«, feixte sie.
»Ganz nett, aber nichts für die Ewigkeit«, stellte Nicole trocken fest.
»Du warst schon mit ihm aus?«
»Er wohnt noch bei seiner Mama.«
Aileen starrte den jungen Mann ungläubig an. »Wirklich?« Das war leider kein Scherz. »In seinem Zimmer hängen noch seine Fußballposter und welche von Avril Lavigne.« Aileen lachte. »Na, dann bleib ich erst recht bei meinem Steve.« Sie bekam einen verträumten Gesichtsausdruck.
Nicole fragte sich, wie ihre Freundin es schaffte, immer noch wie ein verliebtes Schulmädchen auszusehen, wenn sie von ihrem Freund sprach. Insbesondere seit dem Heiratsantrag schwebte sie auf Wolke sieben. Natürlich war Steve nach einem romantischen Abendessen auf die Knie gesunken und hatte den Verlobungsring seiner Großmutter in einem Sektglas überreicht.
Er wusste nur allzu gut, wie zuckersüß romantisch Aileen veranlagt war.
»Was?«, fragte die. »Wieso lächelst du so?«
»Nichts«, antwortete Nicole. »Ich hab mir nur gerade vorgestellt, wie du aussiehst, wenn du später mal runzlig und grauhaarig mit Steve auf einer Veranda sitzt und er von seinem Schaukelstuhl aufsteht, um dich noch einmal anzuschubsen.«
Aileen lachte und warf dabei gut gelaunt den Kopf in den Nacken. »Also, erstens bekomme ich keine grauen Haare, ich hab nämlich gute Gene, und zweitens werden wir gemeinsam auf einer Hollywoodschaukel sitzen.«
Nicole verdrehte spielerisch die Augen. »Auf jeden Fall habt ihr beide riesiges Glück. Und ich bin von Herzen froh, dass du jemanden für dich gefunden hast.«
»Du findest auch noch jemanden«, sagte Aileen und legte ihr die Hand aufs Knie.
»Brauche ich gar nicht«, erwiderte sie bestimmt. »Ich bin auch so glücklich.« Schließlich hatte sie ihren Weg ganz bewusst gewählt. Die kleine, aufstrebende Maklerfirma für Luxusimmobilien, in der sie arbeitete, war ihr Leben. Noch viel wichtiger: Ihre Arbeit machte ihr Spaß, und sie würde sie gegen nichts in der Welt eintauschen wollen. Nicht mal gegen einen Steve.
Normalerweise hätte es jetzt eine Standpauke gegeben.
Aber offensichtlich hatte selbst Aileen bei dem umwerfenden Wetter und dem gemütlichen Schaukeln der Yacht keine Lust, ihr einen Vortrag über die Vorzüge einer Beziehung zu halten.
Nicole atmete erleichtert durch, schmeckte Salz auf ihrer Zunge und roch das würzige Aroma ihrer sonnengewärmten Haut, das sie jedes Mal an ihre Kindheit erinnerte. An Barbecue im Garten, rotes Wassereis und Luftmatratzen im Schwimmbecken.
Herrlich, ihr erster freier Nachmittag seit … mindestens zwei Jahren?
Ein mehr als seltsames Gefühl. Aber irgendwie angenehm. Sonnenglanz, Bruthitze, ihre beste Freundin neben sich, und das gleichmäßige Schaukeln des Bootes unter ihren Körpern.
Einfach nur entspannen und an gar nichts denken.
Einatmen, Luft anhalten, ausatmen …
Und dann klingelte ihr Handy.
Miami von Will Smith summte über den Ozean.
Sie erntete einen tadelnden Blick von Aileen, als sie nach dem Smartphone griff.
Das Display sagte ihr, es war der Gutachter.
So ein Mist, warum ausgerechnet jetzt?
»Lass mich raten«, sagte Aileen. »Ein wichtiger Kunde, den du nicht warten lassen kannst.«
»Sorry«, sagte sie. »Aber ich muss wirklich …«
Ihre Freundin verdrehte die Augen. »Ja, ja, geh schon ran.«
Nicole hob ab und sprach in knappen Worten mit dem viel gefragten Mann.
»Ich bin gleich da«, sagte sie zum Schluss in das Gerät und legte auf. Sie blickte ihre Freundin entschuldigend an.
»Sag es nicht«, drohte Aileen. »Ich warne dich! Ich schneide das Video so, dass du aussiehst wie ein dämonisches Meermonster.«
»Es tut mir leid, aber es kann wirklich nicht warten. Der Gutachter, von dem ich dir erzählt habe … Er hat sich bereiterklärt, einen inoffiziellen Blick auf das poten- zielle Grundstück zu werfen. Das kann ich mir einfach nicht entgehen lassen.«
»Riskiert er damit nicht seinen Job?«, fragte Aileen misstrauisch.
»Nicht, wenn wir uns auf ein Date treffen und zufällig dort spazieren gehen«, sagte Nicole unschuldig.
»Du bist ein Schlitzohr«, sagte Aileen.
»Nur kreativ.« Sie grinste breit. »Bitte, es ist wirklich wichtig. Das Grundstück ist unbebaut und riesig.« Sie machte eine ausladende Geste. »Es liegt direkt am Wasser, und wir wollen nur einen ganz kleinen Blick darauf werfen, solange der Besitzer nicht in der Stadt ist. Wenn du möchtest, kannst du mitkommen.«
»Ich weiß nicht, ob dein Date das so prickelnd fände. Außerdem kann ich mir Schöneres vorstellen, als mir stundenlang die Hacken abzulaufen, um Gras anzugucken.« Nicole biss sich auf die Unterlippe. »Ich kann ihm auch absagen … aber es ist wirklich eine einmalige Gelegenheit. Dagegen ist der Chesterfield-Deal ein Witz. Ganz ehrlich. Wenn meine Informationen stimmen und ich das Projekt so umsetzen kann, wie ich mir das vorstelle, dann reden wir von einer Partnerschaft in der Firma!« Ihr ganzer Körper kribbelte, wenn sie nur daran dachte. »Aber ich will dir auch nicht den Nachmittag verderben.« Vielleicht könnte sie das Treffen auf morgen Früh verlegen … irgendwie.
Mit einem Seufzen verdrehte Aileen die Augen. »Wir wissen beide ganz genau, dass ich dich sicher nicht davon abhalten werde, deinen nächsten Millionendeal an Land zu ziehen.«
Nicole fiel ihrer Freundin um den Hals. »Ach, Aileen, du bist einfach die Beste.«
»Ich weiß«, sagte die und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen.
»Weißt du was?«, sagte Nicole. »Du kannst die Yacht behalten.«
»Allein mit Brandon?« Aileen blickte skeptisch zu dem shirtlosen Mann hinüber, der sich gerade nach vorne beugte und wild auf seinem Handy herumtippte.
»Du kannst ja Steve fragen, ob der Zeit hat«, schlug Nicole vor.
Aber ihre Freundin schüttelte traurig den Kopf. »Der hat gerade einen ganz großen Fall und ist bis übermorgen in New York. Ich könnte höchstens ein paar Landschaftsaufnahmen machen …«
»Siehst du, das klingt doch toll. Du kannst die ganze Küste entlangfahren, wenn du möchtest.«
Aber Aileens Begeisterung hielt sich verständlicherweise in Grenzen.
»Und wenn du keine Lust mehr hast, bittest du Brandon, dir die Superman-Pose zu zeigen.«
»Superman-Pose?« Aileens Blick huschte zu dem jungen Mann hinüber.
»Glaub mir, du lachst dich genauso kringelig wie ich«, flüsterte Nicole. Dieser Lachanfall bei ihrer letzten und einzigen Verabredung war auch der Grund, weshalb der arme Brandon sich die ganze Zeit hinter seinem Handy versteckte. Die Sache war ihm immer noch peinlich. »Und ich machs wieder gut. Versprochen«, fügte Nicole hinzu. »Heute Abend, Insomnia Cookies und ein Spaziergang über den Ocean Drive.«
»Schokoladeneis als Wiedergutmachung?« Aileens Augen leuchteten.
»So viel du willst, und ich zahle.«
»Abgemacht.« Aileen hielt ihr die Hand entgegen und die beiden Freundinnen schlugen ein.
Wenigstens etwas. Nicole freute sich, dass sie Aileen doch noch glücklich machen konnte. Damit war die Sache geritzt.
»Brandon!«, rief sie zum Steuer. »Du musst mich absetzen.«
Der beschwerte sich natürlich nicht. Wahrscheinlich war er ziemlich erleichtert, dass er nicht noch mehr Zeit in ihrer Nähe verbringen musste.
Der Motor der Yacht sprang an und die Summer Spirit setzte sich in Bewegung.
Nicole ließ sich in ihre Kissen zurücksinken und genoss für einen letzten Augenblick die Sonne in ihrem Gesicht.
Da machte der Motor plötzlich Rums und die Yacht vollführte einen winzigen Hüpfer.
»Alles in Ordnung?«, rief sie nach hinten.
»Seegras«, antwortete ihr Fahrer.
Nicole richtete sich auf und ließ den Blick ein letztes Mal über das spiegelnde Wasser gleiten.
Tatsächlich schien alles in Ordnung zu sein, aber sie würde eine Motorinspektion veranlassen, nur um sicherzugehen. Schnell tippte sie eine entsprechende Erinnerung in ihr Handy und schlüpfte dann in ihre hellblauen Jeans und die schneeweiße Bluse.
Aileen hielt inzwischen die Kamera auf das glitzernde Blau.
Und ja, Nicole trauerte dem freien Nachmittag auch ein wenig nach. Aber andererseits war das die Chance ihres Lebens. Mit ein bisschen Geschick und guter Vorbereitung war sie noch in diesem Jahr Partnerin bei P&G Luxus Real Estate.
PP&G, korrigierte sie sich selbst und musste lächeln.
Sonnenstrahlen kribbelten auf ihrer Haut und versprachen einen aufregenden Nachmittag.

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