25. Juli 2018

'Die Tochter des Pianisten' von Lilian Kim

Kindle Edition | Tolino
Eine Geschichte über Menschlichkeit, Überwindung von Grenzen und dem Sieg einer außergewöhnlichen Liebe.

Japan 1987
Yasuko, eine junge Musikerin, wird mit ihrem Mann Jake von einem einsamen Strand entführt. Sie finden sich im Bauch eines Schiffes wieder, das sie an einen Ort bringt, der völlig von der Außenwelt abgeschottet ist und wo Recht und Gesetz nicht gelten. Nordkorea.
Dort wird Yasuko gefangen gehalten und gezwungen, nordkoreanischen Spionen zu einer falschen, japanischen Identität zu verhelfen, während Jake spurlos verschwindet. Mit der Zeit muss Yasuko erkennen, dass Jake mit dem Regime kooperiert und ihr früheres Leben eine Lüge war.
Ihre Hoffnung auf eine Flucht schwindet, bis sie einem geheimnisvollen Pianisten begegnet, der ihrem Schicksal eine völlig neue Wendung gibt.

Kalifornien 2016
28 Jahr nach den Ereignissen sucht eine junge Frau, die nach ihrer Geburt adoptiert wurde, nach ihren Wurzeln. Mit nichts, außer einem verblassten Stück Papier, auf dem der Name eines unbekannten Arztes und ein Datum vermerkt sind.
Ihre Suche führt sie auf eine Reise, an deren Ende ihr Leben in größte Gefahr gerät.

Aus dem Buch: „Liebe ist Bedingungslosigkeit, Yasuko. Liebe ist ein Klang, eine Melodie. Sie bestimmt den Takt, in dem dein Herz schlägt. Diese Melodie bist du.“

Leseprobe:
Prolog
Jahr des Tigers


Macau 1986
Die junge Asiatin starrte auf das Ungetüm. Sein tiefroter Kiefer, die weißen Reißzähne und die pechschwarzen Augen leuchteten im Dunkel der Nacht. Ein samtenes Weiß umgab seinen Kopf, goldene Ornamente und rote Schriftzeichen zierten den Körper.
Der Duft von Räucherwerk lag in der Luft, als die Prozession unter lautem Trommeln an ihr vorbeizog. Sie sah dem Drachen nach, der von zehn Männern durch die Straßen Macaus getragen wurde. Wǔ lóng, der Drachentanz, kündigte das neue Jahr an, welches im Zeichen des Tigers stand.
An den Fassaden der portugiesischen Kolonialbauten, die mit ihren weißen Rundbogenfenstern und Stuckverzierungen der asiatischen Enklave ein europäisches Flair verliehen, waren rote Lampions angebracht. Menschen, fliegende Händler, Verkaufsstände, die Niángāo –süßen Reiskuchen – anboten, bevölkerten die schmalen Gassen. In der Ferne war noch immer das dumpfe Geräusch der Trommeln und das Zischen der Feuerwerkskörper zu hören.
Sie bog in eine dunkle Gasse und musterte die Häuser, an denen sie entlangschritt.
Vor einer unscheinbaren, schwarzen Tür blieb sie stehen und klopfte an. Von drinnen war ein Poltern zu hören, männliche Stimmen und lautes Lachen drangen bis nach draußen. Sie runzelte die Stirn bis sich tiefe Falten bildeten, ein untrügliches Anzeichen ihrer aufkommenden Wut. Die Tür wurde ruckartig aufgerissen und ein blonder, hochgewachsener Weißer stand lachend vor ihr. Als er die Frau erkannte, entglitten ihm seine Gesichtszüge.
»Was machst du hier?«, zischte er, bemüht von den Personen im Haus nicht gehört zu werden. Er trat zu ihr hinaus und schloss die Tür. Dann zog er sie in eine Häuserlücke und betrachtete ihr Gesicht im flackernden Schein einer Laterne.
Das streng zurück gekämmte und hochgesteckte Haar verlieh ihrem Aussehen etwas Kaltes, was durch ihre schneeweiße Haut und das Rot ihrer Wangen noch unterstrichen wurde.
»Wir sind in Schwierigkeiten. Ich komme nicht an das Erbe meines Vaters. Wir werden die Schulden nicht zurückzahlen können«, sagte sie aufgebracht.
Er packte ihre Schultern. »Bist du verrückt geworden? Du solltest das doch lösen, während ich in Macau bin! Und jetzt tauchst du hier auf und überbringst mir schlechte Neuigkeiten!«
Tränen stiegen in ihre Augen. »Ich habe alles versucht, aber konnte nichts tun! Wie kannst du mir nur Vorwürfe machen? Wir tauchen einfach unter. Komm mit mir, bitte«, flehte sie verzweifelt. Er drückte sie gegen die Hauswand.
»Untertauchen, verdammt, du bist wirklich schön anzuschauen, aber unsagbar dumm. Wir haben den Nordkoreanern ein Geschäft versprochen, was wir nicht einhalten können. Was glaubst du, werden die mit uns machen? Hm, was glaubst du?« Als er ihr so nah kam, dass sie seinen Atem an ihrem Hals spüren konnte, stieß sie ihn von sich. »Du weißt selbst, was zu tun ist, um uns zu retten.«, sagte sie mit eisiger Stimme und lief in die Dunkelheit.

Im Kindle-Shop: Die Tochter des Pianisten.
Für Tolino: Buch bei Thalia
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