7. September 2018

'Countdown in Westerland' von Ulrike Busch

Kindle | Taschenbuch
Noch zwei Tage bis zu den ›Sylter Sommernachtsträumen‹. Johnny Quadt und seine Lebensgefährtin Eta, Veranstalter der gigantischen Strandparty, stecken mitten in den Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier. Plötzlich gerät Johnnys Leben in Gefahr. Nur knapp entgeht der technikverliebte Event-Manager einem Mordanschlag.

Will sein schärfster Konkurrent Alf Leefmann ihn für immer vernichten? Oder hat Johnnys Noch-Ehefrau ein mörderisches Problem mit ihrem Mann? Oder …

Kuno Knudsen und Arne Zander von der Kripo Wattenmeer suchen nach einer heißen Spur – bis die Situation eskaliert und der Täter sie eiskalt erwischt.

Band 5 der Reihe ‚Ein Fall für die Kripo Wattenmeer‘.

Leseprobe:
Jetzt wurde es ernst. Johnny spürte das Verlangen, einen Whiskey zu trinken oder etwas anderes in sich hineinzukippen, das seine Nervosität in die Schranken verwies. Zum fünften Mal innerhalb der letzten zwei Minuten schob er den Ärmel seines Sommerpullis zurück, um einen Blick auf die Armbanduhr zu werfen.
Worauf wartete er noch? Entschlüsse waren dazu da, umgesetzt zu werden.
Er ließ den Computer laufen, das Licht eingeschaltet. Das noch halb volle Glas Cola blieb auf dem Schreibtisch stehen. Ein letztes Mal, bevor er ging, sah er sich im Raum um. An diesem Tag würde er Weichen stellen. Nachher, wenn er zurückkehrte, würde sein Lebensgefühl ein anderes sein.
Er marschierte aus seinem Arbeitszimmer und stolzierte die Treppe hinab wie der einzige und alleinige König von Sylt. Ein Alf Leefmann musste doch zu packen sein.
Die Brieftasche steckte in der Hosentasche. Im Vorbeigehen nahm Johnny den Autoschlüssel von der Ablage im Flur. Er öffnete die Haustür. Draußen war Stille.
Er trat hinaus. Der Bewegungsmelder war eingeschaltet, doch das Licht vorm Eingang sprang nicht an.
Johnny kehrte ins Haus zurück, schloss die Tür, ging zum Sekretär und schrieb eine Notiz auf einen Zettel: LED in der Außenbeleuchtung auswechseln.
Er nahm eine Taschenlampe, öffnete die Haustür erneut und leuchtete zur Garage hinüber. »Amanda, öffne das Garagentor«, sprach er in das Mikrofon, das seine Worte zu der digitalen Assistentin weiterleitete.
Amanda gehorchte.
Johnny huschte ins Auto. Er fuhr bis zur Grenze seines Grundstücks, guckte nach links und rechts und bog in die Straße Richtung Süden ein.
Nun ging es immer geradeaus.
Wie oft war er diese Strecke in seinem Leben schon gefahren? Er kannte jede Düne. Jeden Parkplatz. Jedes Haus, das an der Straße lag. Jeden Fußweg, der ans Wasser führte. Jedes Restaurant am Strand. Und doch kam ihm jetzt alles so fremd und unwirklich vor.
Er dachte an Eta. Sie war jetzt bei dem Team in List. Vorhin hatte er sie angerufen. Hatte ihr gebeichtet, dass er sich auf den Weg zu einem Treffen mit Alf machen würde. Dass er eine Aussprache für unumgänglich hielt.
Natürlich hatte sie ihn für verrückt erklärt, für leichtsinnig. Aber sie war schlau genug, um zu wissen, dass das Schimpfen nichts half. Wenn er einen Plan hatte, hatte er einen Plan, und nichts und niemand konnte ihn daran hindern, den umzusetzen.
Er hatte sie gebeten, ihn unterwegs nicht anzurufen. Beim Gespräch mit Alf wollte er nicht gestört werden. Er würde sich melden, hatte er ihr zugesagt, so wie er es auch Isa versprochen hatte.
Rantum hatte er gerade hinter sich gelassen. Nun ging es auf Hörnum zu. In der Abenddämmerung zeigte der Himmel dieses Licht, das Frieden und Ruhe über das Wattenmeer legte. Doch in Johnnys Seele herrschten Aufruhr und Anspannung.
Das Handy klingelte, und Isas Nummer blinkte auf dem Display auf. Gleich darauf verstummte das Telefon wieder. Das war das gewohnte Zeichen, mit dem seine Tochter ihn bat: Ruf mich zurück, wenn du kannst.
Er tat ihr den Gefallen. »Was gibt’s denn, Püppi?«
»Ich wollte nur sagen, dass wir beim Grillen sind. Wenn du es eher schaffst als geplant ... Wo bist du denn jetzt genau?«
»Isa, ich bin auf dem Weg nach Hörnum. Es dauert noch, bis ich bei euch bin. Mach dir keine Gedanken, ja? Bis nachher.«
Resolut drückte er das Gespräch weg. Für Sentimentalitäten war jetzt nicht der richtige Augenblick. Was er brauchte, war höchste Konzentration.
Hörnum war erreicht. Seinen Wagen stellte er auf einem Parkplatz im Norden des Ortes ab, unweit von Häusern mit Ferienwohnungen. Die wenigen Menschen, die ihm auf dem Weg von hier durch den Ort begegnen würden, waren Urlauber. Sie kannten weder ihn, noch wussten sie, was ihm gestern widerfahren war. Er würde den Treffpunkt unbehelligt erreichen.
Er nahm nicht den üblichen Weg, der ihn zum Hafen geführt hätte und von dort über die Promenade am Restaurant vorbei in den Wald. Er wählte die Route durch den Ort, über den Odde Wai am nördlichen Fuß der Dünen entlang bis zu der Lichtung mitten im Holz.
Eltern mit einem vor Müdigkeit jammernden Kind kamen ihm entgegen. Sie beachteten ihn nicht. Ebenso wenig ein Paar, das sich knutschenderweise durch die Landschaft schob. Eine ältere Dame mit Hund grüßte ihn freundlich. Er kannte sie nicht, sie musste ihn wohl mit jemandem verwechseln. Oder sie suchte nur einen Menschen, mit dem sie sich unterhalten konnte.
Am Waldrand blieb er stehen, lehnte sich gegen einen Baum und rief Eta an. Die Verbindung war schlecht, als lägen Welten zwischen ihnen. »Wie weit seid ihr?«
»Ich mache mich gleich auf den Weg nach Kampen. In List läuft alles wie geplant. Die Bühnen stehen, die Anlagen sind installiert. Die Lichtschau wird bombastisch werden. Jetzt ist es noch zu hell, um die ganze Dimension zu erkennen. Wenn wir in Westerland fertig sind, will ich noch einmal jeden Standort abfahren und bei einem letzten Test prüfen, wie es im Dunkeln wirkt.«
Wie eifrig Eta bei der Sache war! »Übernimm dich nicht«, sagte Johnny. »Du brauchst deinen Schlaf. Wenn du erst um drei oder vier Uhr früh ins Bett kommst, hältst du bei der Eröffnungsfeier morgen Abend nicht durch. Außerdem ist die Lichtschau nicht mehr so spannend, wenn du heute schon alles gesehen hast.«
»Stimmt auch wieder. Eine kleine Überraschung sollte ich mir gönnen, als Lohn für all den Aufwand. Und wenn dein Gespräch mit Alf wirklich etwas bringt, hoffe ich, dass die Welt morgen anders aussieht und wir die ›Sommernachtsträume‹ gemeinsam eröffnen können.«
»Das ist mein Ziel«, sagte Johnny. »Deshalb treffe ich mich mit ihm.«
Etas Stimme wurde weich. »Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie das möglich sein soll, diese Veranstaltung ohne deine Anwesenheit zu eröffnen.«
»Dazu soll es auch nicht kommen. Du, ich muss langsam Schluss machen. Ich will auf keinen Fall zu spät zum Treffpunkt kommen. Nicht, dass Alf sofort wieder geht und dann behauptet, ich wäre nicht da gewesen.«
Eta lachte müde. »Das würde er nicht machen. Du meldest dich nachher noch mal?«
»Auf jeden Fall. Bis später.«
Er lehnte den Kopf gegen den Baumstamm, schloss die Augen und atmete tief in den Bauch hinein. Sein Herz beruhigte sich. Er setzte seinen Weg fort bis kurz vor der Bank, an der er sich mit Alf treffen wollte. Dort suchte er Deckung hinter Bäumen.
Schweiß stand ihm auf der Stirn. Ein Tropfen rollte in die rechte Augenbraue. Er zog ein Päckchen Pa¬piertaschentücher aus der Hosentasche und zupfte ein Stück heraus. Mit zitternder Hand schob er die übrigen Tücher wieder zurück. Seine fahrigen Finger pflückten das Tuch auseinander und tupften damit über die Stirn. Ungehalten schob er die eigenwillige Strähne zur Seite, die auf der feuchten Haut klebte. Er zerknüllte das Tuch und ließ es achtlos auf den Boden fallen.
Sein Herz schlug in der Dämmerung wie die Pauke eines Bühnenorchesters. Er atmete durch. Und wartete.
Niemand war zu sehen. Möwen kreischten. Im Hafen tutete ein Schiff. Irgendwo in seiner Nähe kackte Holz. Das Geräusch ängstigte ihn.

Im Kindle-Shop: Countdown in Westerland (Ein Fall für die Kripo Wattenmeer 5).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.

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