25. Oktober 2018

'Sündenrächer: Ein Aachen Krimi' von Frank Esser

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Hansens 2. Fall

Der Wachmann Herbert Neumann und der Mediziner Michael Lessing werden innerhalb weniger Tage brutal gefoltert und anschließend ermordet. Doch die Todesumstände sind nicht die einzigen Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Männern. Schnell finden Hansen und sein Team heraus, dass die Opfer eine gemeinsame Vergangenheit in der DDR verband. Deshalb reisen Hansen und Riedmann nach Dresden, der Heimatstadt der ermordeten Männer, wo sie bei ihren Ermittlungen tatkräftig von Oberkommissar Marcus Dohms unterstützt werden.

Die Indizien deuten darauf hin, dass das Mordmotiv mit einem Ereignis vor dem Mauerfall zusammenhängen könnte. Dann geschieht ein weiterer Mord ...

Leseprobe:
Samstag, 16. September 2017
Herbert Neumann freute sich schon seit Tagen auf seinen freien Samstag. Den Ersten seit drei Wochen. Neumann arbeitete als Wachmann bei der WUSA, der Wach- und Schließgesellschaft Aachen. Er bevorzugte seit einigen Monaten Nachtschichten oder die Wochenenddienste, weil er dadurch mehr Geld verdienen konnte. Da seine Frau Sonja vor gut einem Jahr gestorben war und er seitdem alleine lebte, machte ihm das auch nicht viel aus. So konnte er immerhin den einen oder anderen Euro sparen. Von dem Ersparten, der Rente seiner verstorbenen Frau sowie der eigenen Rente konnte er sich in ein paar Jahren sicherlich einen angenehmen Lebensabend gönnen.
Den heutigen freien Tag hatte er bisher in vollen Zügen genossen. Er war früh aufgestanden, hatte seine Wocheneinkäufe erledigt und den Rasen gemäht. Nach dem Mittagessen war er dann in den Aachener Stadtwald gefahren, um einen langen, ausgedehnten Spaziergang zu machen. So wie er es früher auch gerne mit Sonja getan hatte.
Jetzt, am frühen Abend, freute er sich auf die Sportschau. Bis zum Beginn der Sendung hatte er noch knapp zehn Minuten Zeit. Die nutzte er, um sich schnell ein paar Butterbrote zu schmieren. Er hatte es sich in seinem Fernsehsessel gemütlich gemacht und eine Flasche Bier geöffnet, als die Sendung begann. Er wollte gerade in sein mit Salami belegtes Brot beißen, da glaubte er, ein Geräusch zu hören. Er hielt kurz inne, schaltete den Ton am Fernseher mit der Fernbedienung leiser und lauschte. Aber da war nichts. Offensichtlich hatte er sich geirrt. Neumann schaltete den Ton an seinem Fernseher wieder lauter und widmete sich wieder der Sportsendung.
In der ersten Werbepause brachte er das schmutzige Geschirr in die Küche. Im Flur stutzte er kurz. Er hätte schwören können, dass er die Küchentür vorhin geschlossen hatte. Aber vielleicht hatte er sich auch nur geirrt. Er wurde langsam vergesslich, wie er sich eingestehen musste. Als er die Küche betrat, nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Dann spürte er auch schon einen heftigen Schlag auf seinem Hinterkopf. Jäh wurde es dunkel um ihn herum. Als Neumann wieder zu sich kam, drehte sich das Zimmer um ihn herum. Nur schemenhaft nahm er wahr, wo er sich befand. Er saß mitten in seinem Wohnzimmer. Sein Kopf schmerzte fürchterlich.
Diverse Fragen gingen ihm durch den Kopf. Wie lange war er bewusstlos gewesen? Und was war überhaupt passiert? War er von einem Einbrecher niedergeschlagen worden? Erst jetzt bemerkte er, dass er an einen Stuhl gefesselt war. Mit Kabelbindern. Er war absolut bewegungsunfähig. Sein Mund war mit Klebeband zugeklebt. Und sein Oberkörper war nackt. Die Rollläden waren heruntergelassen. Nur die Leselampe neben der Couch spendete spärliches Licht. Und er war nicht allein. In seinem Fernsehsessel, etwa zwei Meter von ihm entfernt, saß ein Mann. Etwa dreißig Jahre alt. Übergewichtig und irgendwie unscheinbar. Er hatte ihn noch nie gesehen. Der Fremde saß einfach nur da und beobachtete ihn. Nach schier endlosen Sekunden stand er langsam auf und kam einen Schritt auf Neumann zu. Ihm fiel auf, dass der Eindringling nicht maskiert war. Auch wenn er den Mann nicht kannte, er würde ihn beschreiben und der Polizei genaue Angaben machen können.
Neumann geriet allmählich in Panik. Er war kein reicher Mann. Das wenige Geld, das er angespart hatte, konnte den Mann wohl kaum ernsthaft interessieren. Eine beängstigende Stille lag in dem Raum. Was immer der Unbekannte von ihm wollte, er sagte kein Wort. Er stand einfach nur da und starrte Neumann an. Es war offensichtlich, dass er die Angst des gefesselten Mannes genoss. Dann nestelte er plötzlich an seiner Hosentasche, holte ein Päckchen Zigaretten und ein Feuerzeug hervor und zündete sich eine Zigarette an. Genüsslich zog er zweimal daran. Das Päckchen samt Feuerzeug verschwand wieder in seiner Hosentasche. Dann machte er einen Schritt auf Neumann zu und blies ihm den Zigarettenrauch mitten ins Gesicht. Dabei lächelte er sein Opfer an. Anschließend zog er ein weiteres Mal an seiner Zigarette und ohne Vorwarnung näherte er sich und drückte die glühende Zigarettenkippe ganz langsam auf dem Handrücken der rechten Hand, die an die Stuhllehne gebunden war, aus.
Ein stechender Schmerz durchfuhr Neumann. Er hätte lauthals aufgeschrien, hätte das Klebeband auf seinem Mund das nicht verhindert. Erst langsam klang der Schmerz wieder ab und ging über in ein dumpfes, brennendes Gefühl. Aber viel Zeit zum Verschnaufen blieb ihm nicht, denn der Unbekannte setzte erneut an, eine Zigarette auf seiner Haut auszudrücken. Diesmal war es der Handrücken der linken Hand.
Dieser Vorgang wiederholte sich mehrere Male, nun auch auf dem entblößten Oberkörper. Sobald eine Kippe abgebrannt war, zündete er auch schon die nächste an. Die Schmerzen, die Herbert Neumann auszuhalten hatte, waren unerträglich. Aber sein Peiniger kannte keine Gnade. Erst nach der vierten Zigarette hatte diese Tortur ein Ende. Noch ehe er gänzlich das Bewusstsein verlor, traf ihn ein harter Schlag mitten ins Gesicht. Die Nase brach mit einem lauten Knacken und Blut lief ihm aus der Nase.
»Es wird nicht geschlafen, Neumann. Du sollst schließlich genießen können, was hier mit dir passiert«, verhöhnte ihn der Mann auf einmal.
Neumann versuchte zu antworten, aber das war natürlich nicht möglich mit dem zugeklebten Mund.
»Wirst du um Hilfe schreien, wenn ich das Klebeband entferne?«
Herbert Neumann schüttelte den Kopf.
»Also gut. Ich entferne es jetzt. Aber ich warne dich. Ein Mucks von dir und es knallt.«
Keine Sekunde später riss der Unbekannte ihm das Klebeband mit einer fließenden Bewegung vom Mund. Neumann schnappte nach Luft. Schreien war ohnehin sinnlos, hier hörte sie niemand.
»Ich gebe Ihnen mein ganzes Geld, aber bitte hören Sie mit dieser Quälerei auf«, war das Erste, was Neumann flehend von sich gab. Der Mann verfiel sogleich in ein langes, herzhaftes Lachen.
»Du glaubst also ernsthaft, dass ich das hier wegen Geld mache?«
Genau solch eine Antwort hatte Neumann befürchtet. Das, was hier mit ihm geschah, war geplant und nicht einfach nur spontane Willkür. Wie sollte er nur aus dieser Situation wieder herauskommen? Er setzte alles auf die Fortsetzung des Gesprächs.

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