17. Dezember 2018

'Der Kodex: Tief im Westen' von Toby Winter

Kindle (unlimited)
Ein Ruhrpott-Krimi aus Dortmund
Nur wer die Rätsel der Vergangenheit löst, kann die Zukunft retten!

1990 hält Dortmund eine Gruppe von Serienkillern, die sich selber das Dreigestirn nennen, in Atem. Vor jedem Anschlag erhält die Polizei kryptische Rätsel, die auf den nächsten Mord hinweisen. Richard Kramer und seine Kollegen von der Kripo Dortmund setzen alles daran, die brutalen Mörder zu stoppen und ihrem perversen Spiel ein Ende zu bereiten. Schnell entwickelt sich ein Katz und Maus-Spiel, in dem die Attentäter der Polizei immer ein Schritt voraus zu sein scheinen.

Dreißig Jahre später stößt Marvin Hintz, ein junger Polizeianwärter, auf den alten Fall. Er muss schmerzlich erfahren, dass der ungelöste Fall noch immer brandgefährlich ist. Sein Leben und das seiner Liebsten wird von Unbekannten bedroht und ohne es zu wollen, wird er in eine Reihe gefährlicher Ereignisse gezogen, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint ...

Leseprobe:
Fasziniert starrte er auf den Becher, der sich schnell mit dem roten Lebenssaft füllte. Gleich würde er überlaufen. Wie schnell doch ein Liter aus einer Vene fließen konnte, dachte er verwundert.
Mit den Fingern der linken Hand hielt er den Schlauch zu und tauschte schnell den Becher gegen einen Neuen. Den Vollen stellte er neben die beiden anderen auf den wackeligen Tisch neben sich. Er hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, wie viele Liter Blut eigentlich in einen Menschen passten. Nun ja, es waren auf jeden Fall mehr als drei Liter.
Er schielte kurz nach rechts, ob die Kamera noch lief. Beruhigt, da die kleine rote Lampe immer noch blinkend die Aufzeichnung anzeigte, wandte er sich erneut dem vierten Becher zu. Dieser war auch schon wieder zu einem Drittel gefüllt.
Fast zärtlich strich er der Frau über den Kopf. »Ruhig, bald hast du es geschafft«, flüsterte er ihr zu.
Die Frau öffnete schwerfällig die Augen, zu mehr Gegenwehr war sie nicht mehr fähig. Vor ein paar Minuten hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da hatte sie noch geschrien und sich wild in ihren Fesseln aufgebäumt, aber nun schaffte sie es nicht einmal mehr, eine Hand zu heben, während unaufhörlich weiteres Blut aus ihrer aufgeschnittenen Pulsader floss.

Zehn Minuten später tröpfelte es nur noch leicht und er stellte den halb vollen, fünften Becher beiseite.
Langsam öffnete er eines ihrer Augenlider. Eine Reaktion ihrerseits konnte er nicht mehr feststellen. Sie war tot, verblutet in dieser dreckigen Lagerhalle am Hafen. Zur Sicherheit rüttelte er sie am Oberkörper und schlug ihr mit der flachen Hand in das bleiche Gesicht.
Seufzend stand er auf und griff nach der Kamera, die immer noch die gespenstische Szenerie aufnahm. Er löste sie von ihrem Ständer und trat mit ihr näher an sein Opfer heran. Er filmte die tote Frau von allen Seiten, um ja kein Detail zu verpassen.
Befriedigt schaltete er die Kamera aus. Er hatte es tatsächlich getan. Seinen ersten Mord. Jetzt würde er sicherlich im Club aufgenommen. Ein heiseres Lachen verließ seine trockene Kehle.
Erschöpft sank er auf den wackeligen Campingstuhl und spulte das Band zurück.
Ohne eine Miene zu verziehen, schaute er sich noch einmal den Todeskampf der jungen Frau an. Er kannte sie nicht persönlich. Sie war mehr ein Zufallsopfer. Es hätte genauso gut auch jemand anderes treffen können. Tim hatte die erste genommen, die ihm über den Weg gelaufen war. Die junge Frau war im Wald gejoggt. Genau dort, wo er sich auf die Lauer gelegt hatte. Es war früh am Morgen gewesen, noch keine sieben Uhr.
Im Wald hielt sich außer ihnen beiden niemand auf und das war gut so, denn er konnte keine Zeugen gebrauchen. Wie ein dunkler Schatten war er aus dem Gebüsch gesprungen und hatte die Frau zu Boden gerungen.
Gedankenverloren tastete er mit den Fingern über seine Wange. Das Blut war längst getrocknet, es brannte nur noch ein bisschen. Sie hatte lange Nägel und sich heftig gewehrt. Nur gegen ihn war sie chancenlos gewesen. Mit dem vorbereiteten, Chlorophyll-getränkten Tuch hatte er sie schließlich außer Gefecht gesetzt.
Danach kam der schwierigste und gefährlichste Teil seiner Operation. Er musste sie durch den kleinen Wald bis zu seinem Auto tragen, ohne dabei gesehen zu werden. Nachdem er sich noch einmal vergewissert hatte, dass er alleine auf dem Parkplatz war, warf er sein Opfer in den Kofferraum und fuhr auf direktem Weg zur Lagerhalle. Hier hatte er alles vorbereitet. Becher standen bereit und die Kamera wartete schon ungeduldig auf ihren Einsatz.
Als sie endlich nach ein paar Stunden aufwachte, quälte er sie mit Zigaretten und diversen anderen Spielzeugen. Sie hatte ihn beschimpft und als das nichts half, angefleht. Er hatte alles mit einem Lächeln über sich ergehen lassen.
Irgendwann verlor er die Lust am Foltern. Er wollte schließlich sehen, wie jemand starb. Genüsslich schnitt er der vor Verzweiflung schreienden Frau, die Pulsader auf und fing das Blut neugierig auf. Dabei sah er zufrieden zu, wie sie immer schwächer wurde, bis sie schließlich starb.
Sein erster Mord, aber bestimmt nicht sein letzter. Schließlich tat er das, um in den Club aufgenommen zu werden. Und die Eintrittskarte war, einen Menschen zu töten, egal wie.
Nun musste er nur noch die Zeitungsannonce aufgeben und warten, dass man ihn kontaktierte.

Im Kindle-Shop: Der Kodex: Tief im Westen - Ein Ruhrpottkrimi aus Dortmund.
Mehr über und von Toby Winter auf seiner Website.



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