18. Dezember 2018

'Harmonie zur Weihnachtszeit' von Heidi Dahlsen

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Sobald das Weihnachtsfest zur Pflichtveranstaltung wird, ist der Familienfrieden schnell gestört. Mit etwas Fantasie und Einfallsreichtum kann jeder das Beste für sich und seine Lieben daraus machen, sodass sogar die Schwiegermutter strahlt und die pubertierenden Kinder die Feiertage auf einmal gar nicht mehr so ätzend finden ...

"Harmonie zur Weihnachtszeit" enthält Geschichten rund ums beliebteste Fest des Jahres.

Leseprobe:
Aus: Zauber der Weihnacht

War das schön, als unsere Zwillinge Hannes und Cathleen noch klein waren. Bereits im Herbst machten sie sich Gedanken, was sie sich vom Weihnachtsmann alles wünschen wollen. Beim Schmücken für die Adventszeit halfen sie fleißig und übten unermüdlich Weihnachtslieder sowie Gedichte ein.
Um die Spannung am Heiligabend etwas zu erhöhen ging Papa mit ihnen eine Runde im Wohngebiet spazieren, denn sie hofften, den Weihnachtsmann zu finden.
Später standen sie am Fenster und drückten sich die Nasen platt.
Sie konnten es gar nicht erwarten, dass wir endlich die Kaffeetafel abräumten, damit auf dem Tisch Platz wurde, um die Geschenke auszupacken.
War das schön, als beide noch vor einigen Jahren am Krippenspiel teilnahmen. Sie waren so aufgeregt, dass sie sich den Text kaum merken konnten.
Hach, war das schön …

Meine Gedanken schweifen ab, denn wenn ich an das bevorstehende Weihnachtsfest denke, überkommt mich das Grauen.
Die Zwillinge sind unterdessen 15 Jahre alt. Gespräche zwischen uns sind kaum noch möglich, auch, weil beide ständig mit Kopfhörern in den Ohren rumlaufen. Das ist zwar eine geräuschlose Alternative zu der bisherigen lautstarken Musik, die aus ihren Zimmern dröhnt … jedoch unterstützt das unsere Kommunikation nicht.
Früher sprach ich sie an, wenn ich etwas von ihnen wollte … jetzt muss ich sie antippen. Sie zeigen mir deutlich, was sie von der Störung halten und fragen genervt: „Was issn???“
Als ich zum ersten Advent im Haus weihnachtlich dekorieren wollte, hörte ich sie murren: „So ein Kitsch! Muss das sein?“
„Wenigstens ein bisschen“, meinte ich und seufzte.

Am 23.12. reiste meine Schwiegermutter bereits nachmittags an. Die Zwillinge verkrümelten sich beizeiten zu ihren Freunden und wollten dort übernachten.
Oma war noch nicht richtig zur Tür rein und schon maßlos enttäuscht, hatte sie sich doch so sehr auf ihre beiden Enkelchen gefreut.
Sie schwärmte: „Hach, wie freue ich mich auf die leuchtenden Augen der Kinder wenn morgen der Weihnachtsmann kommt.“
Hans-Peter, mein Mann, schaute sie irritiert an und sagte: „Also, der Weihnachtsmann wird nicht persönlich kommen. Und die Augen deiner Enkel leuchten nur noch, wenn auf dem Geldscheinchen hinter der Eins mindestens zwei Nullen stehen.“
„Das kann ich nicht glauben“, erwiderte Oma. „Ich habe für beide einen warmen Schal gestrickt, den können sie gut gebrauchen. Die laufen doch den ganzen Winter viel zu luftig rum und ihr wundert euch, dass sie andauernd krank sind.“
„Hch mm mm“, hüstelte Hans-Peter, um nicht laut loszulachen.
„Was ist?“, fragte Oma.
„Sicher freuen sie sich über einen warmen Schal“, beschwichtigte ich sie und blitzte ihn warnend an.
Noch schnell packte ich das letzte Geschenk für Cathleen ein. Sie ging mir schon lange auf die Nerven mit diesem Wunsch. Eigentlich stößt es mich ab, wenn ich andere Kinder damit sehe, aber, na ja … es ist ja nur einmal Weihnachten im Jahr.
Oma schaute sich die Jeans an und fragte verwundert: „Warum schenkst du ihr eine kaputte Hose?“
„Man muss mit der Zeit gehen. Das ist heute modern. Alle laufen so rum.“
„Ich weiß“, antwortete sie. „Jedes Mal, wenn ich Menschen damit sehe, denke ich, die hätten einen Lumpensack durchwühlt. Also meine Kinder hätte ich so niemals rumlaufen lassen. Was hätten denn da die Leute gesagt?!“
„Stimmt´s Schatz“, antwortete Hans-Peter und zog mich tröstend in seinen Arm. „Uns ist das egal.“
Dankbar schaute ich ihn an. Das liebte ich an ihm. Er nahm mich immer in Schutz, vor allem gegenüber seiner Mutter.
Sie schaute unter den Weihnachtsbaum und ließ ihren Blick schweifen. „Habt ihr mir wieder so einen Präsentkorb zusammengestellt? Die Salami vergangenes Jahr war so hart, dass mir ein Zahn weggebrochen ist. Ihr wisst wohl nicht, wie teuer Zähne sind?“
Hans-Peter hob seine Augenbrauen. „Eigentlich war alles ganz frisch. Wann hast du die gegessen? Sicher erst Ostern? Wen wundert es dann?“
Sie holte ihre Päckchen für die Kinder, um sie unter den Baum zu legen. Aus beiden Tüten schaute etwas Plüschiges heraus.
„Was ist das?“, fragte Hans-Peter erstaunt.
„Das sind keine Schmusetiere“, antwortete sie. „Ich weiß doch, dass die Kinder dazu zu alt sind. Nein, die Dinger gab es bei unserem Discounter auf Marken. Genau wie früher …“ Sie lächelte verträumt. „Das sind lustige Figuren.“ Sie zog diese heraus und hielt sie uns entgegen.
„Ein Brokkoli und ein Pilz???!!! Wen willst du dafür begeistern?“, fragte ich erstaunt.
„Na Cathleen ist doch Vegetarier und Hannes mag Pilze, oder etwa nicht mehr?“
„Doch, doch“, meinte Hans-Peter, schlug sich auf die Schenkel und prustete los. „Nun können sie sogar vegan kuscheln. Hach, ist das modern. Aber ausgerechnet Gemüse?! Gab es kein Obst?“
„Schon, aber bevor ich meine Markenheftchen voll hatte, waren nur noch diese beiden zur Auswahl. Ich brauche ja nicht viel, da hat es etwas länger gedauert, als bei Leuten, die Großeinkäufe tätigen.“ Sie ist eine Meisterin des Themenwechsels. Sowie ein Gespräch ihrer Meinung nach unangenehm werden könnte, spricht sie schnell etwas anderes an. Deshalb fragte sie nun: „Was gibt es als Weihnachtsmenü?“ Bevor ich Luft holen konnte, um zu antworten, zählte sie im gleichen Atemzug auf, „also bei Annegret gab es voriges Jahr ein Fünf-Gänge-Menü, mit gefüllter Gans und selbstgemachten Klößen und eine klare Brühe vorneweg, die schmeckte wunderbar und Tiramisu zum Nachtisch und lauter Köstlichkeiten, von denen ich hier bei euch … na ja ...“ Sie schaute sich suchend in der Küche um … und dann mich erwartungsvoll an.
„Möhrensuppe“, antwortete Hans-Peter und lachte sich ins Fäustchen.
Oma riss die Augen auf. „Das ist nicht euer Ernst, oder? Na ja, wundern würde es mich nicht … euer Essen ist immer … sehr mager.“
Hans-Peter nickte. „Das nennt man gesunde Ernährung.“
„Du wirst schon satt werden“, antwortete ich und ließ sie im Ungewissen. „Lass dich überraschen.“

Im Kindle-Shop: Harmonie zur Weihnachtszeit.
Mehr über und von Heidi Dahlsen auf ihrer Website.



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