7. Dezember 2018

'Mordsverrat: Nordseekrimi' von Ulrike Busch

Kindle (unlimited)
Aufruhr in St. Peter-Ording: In den Bewertungsportalen des dubiosen Geschäftsmanns Lukas Harzog werden die Hoteliers des beliebten nordfriesischen Urlaubsortes gezielt mit Schmäh-Kommentaren überzogen. Für deren Entfernung müssen sie teuer bezahlen.

Eines Morgens wird Harzogs Freundin, die Hotelbesitzerin Jessica Leverenz, tot in ihrer Wohnung gefunden. Selbstmord oder ein Versehen, vermutet Clarissa, die Schwester der Toten. Jessica war tablettensüchtig, und ihre Beziehung mit Harzog drohte zu scheitern.

Die Obduktion ergibt jedoch: Jessica wurde ermordet. Hat sich einer der zu Unrecht diffamierten Hoteliers an ihr für Harzogs Machenschaften gerächt? Tammo Anders und Fenna Stern ermitteln im Umfeld von Bewertungswahn, Fake-Accounts und Rufmord via Internet.

Band 2 der Reihe ‚Anders und Stern ermitteln‘ (Band 1: ‚Mordsrevanche‘).

Leseprobe:
Unter der weißen Kapuze des Schutzoveralls erkannte Fenna das Gesicht von Eike Hoböken, dem Leiter der Kriminaltechniker. Sie winkte ihm unauffällig zu.
Auf Ella gestützt, wandte Clarissa sich wieder der Gruppe aus Kripobeamten und Hotelmitarbeitern zu. Ihr Gesicht drückte Schmerz und Leid aus. »Wonach suchen Sie eigentlich am Fenster?«
»Wir machen unseren Job«, antwortete Hoböken. »Nichts weiter. Aber den machen wir gründlich.«
»Durch dieses Fenster kann aber doch niemand eingestiegen sein. Oder hat es etwa offen gestanden?« Clarissa wandte sich an ihre Assistentin. »Ella, war das Fenster offen?«
Ella schüttelte zaghaft den Kopf.
Fenna entging nicht, dass Clarissas Assistentin für den Bruchteil einer Sekunde zu Carina hinüberschielte, die die gespenstisch anmutende Szenerie vom Türrahmen des Schlafzimmers aus beobachtete.
Welche stumme Botschaft hatten die beiden Frauen in diesem Moment untereinander ausgetauscht?
Die Kommissarin wurde misstrauisch. »Stimmt das? Frau Kluck und Frau – wie war Ihr Name bitte?«
»Carina da Silva«, hauchte das Zimmermädchen.
»Danke. Frau Kluck, Frau da Silva, Sie waren doch beide vor Frau Leverenz hier. War das Fenster geschlossen, als Sie den Raum betreten haben?«
Ella sah erst zu dem Fenster hinüber, dann zu Clarissa und schließlich zu der Kommissarin. »Ja.«
Ihre Stimme klang brüchig. Sie bekräftigte ihre Antwort mit einem Nicken, als wollte sie die Zweifel ausräumen, die Fennas Frage ausgedrückt hatte.
»Frau da Silva, was sagen Sie dazu?«, fragte Fenna.
Carina zuckte mit den Schultern. »Weiß nicht. So weit bin ich nicht ins Schlafzimmer reingegangen.« Sie drehte sich um und zeigte auf eine Stelle im Wohnzimmer. »Ich bin da vorne stehen geblieben. Von da aus konnte ich das Fenster nicht sehen.«
Die Stelle, auf die sie gezeigt hatte, war ungefähr die, an der Fenna vorhin verharrt hatte, während Tammo im Türrahmen stand. Von dort aus konnte man tatsächlich nicht so weit in den Raum hineinblicken, dass man das Fenster sah. Trotzdem blieben Fenna Zweifel.
Die Spannung, die im Raum lag, ließ die Luft knistern. Die Augen von Fenna, Tammo, Gerhild und den Kriminaltechnikern, aber auch die von Clarissa richteten sich auf die beiden jüngeren Frauen, vor allem auf Ella.
Clarissa ging einen Schritt auf Fenna zu. »Sie hören doch, was meine Assistentin sagt.«
»Ich bitte Sie, Frau Leverenz«, sagte Tammo. »Bei einer so wichtigen Frage müssen wir nachhaken. Dafür sollten Sie Verständnis haben.«
Die Hotelchefin strafte ihn mit einem beleidigten Augenaufschlag. Dann sprach sie weiter zu Fenna. »Ei¬gentlich ist es auch logisch, dass es so war. Ich selbst habe Jessica gestern Abend ausdrücklich gebeten, in dieser Nacht nicht bei offenem Fenster zu schlafen.« Sie seufzte und griff sich ans Kinn. »Wobei ich natürlich nicht ausschließen konnte«, fuhr sie leise fort, »dass sie es trotzdem öffnen würde. Sie war so ein Gewohnheitstier. Und bei all den Medikamenten hätte sie meine Bitte vergessen können. Aber wenn Ella sagt, das Fenster war geschlossen, dann war es so«
»Hat Ihre Schwester denn normalerweise bei offenem Fenster geschlafen?«, fragte Fenna.
»Ja, natürlich. Wir lieben die frische Nordseeluft über alles. Gerade bei Nacht riecht sie so würzig.«
»War das nicht leichtsinnig für eine Frau, die im Erdgeschoss wohnt?«, fragte Tammo. »Dann auch noch auf einem so einsam gelegenen Grundstück? Es gibt keinen Rollladen, nicht mal eine Jalousie oder Vorhänge. Von außen hat zwar niemand Einblick auf diese Seite des Hauses. Aber wer will, kann ganz gemütlich einsteigen, ohne dabei beobachtet zu werden.«
Clarissa nahm eine Verteidigungshaltung an. »Jessica wollte den freien Blick in den Himmel, auch nachts. Wenn sie wach wurde, wollte sie die Sterne sehen. Wollen Sie ihr das jetzt zum Vorwurf machen?«
»Nein«, sagte die Kommissarin. »Das wollen wir ganz bestimmt nicht. Aber sagen Sie, warum sollte Ihre Schwester ausgerechnet in der vergangenen Nacht das Fenster schließen? Ich nehme an, dafür gab es einen konkreten Anlass.«
Aus Gründen, die Fenna nicht verstand, bedachte Clarissa Lukas Harzog mit einem scharfen Blick.
Harzog fing ihn auf und ließ ihn an sich abprallen.
»Ja, es gab einen Anlass«, erwiderte Clarissa. »Wir haben im Dunkeln Leute auf dem Grundstück gesehen.« Sie ging zu der Tür, die ins Wohnzimmer führte, schob Carina zur Seite und streckte den Arm aus. »Dahinten, zwischen den Kiefern hindurch, sind sie weggelaufen.«
Fenna drückte sich an Carina vorbei, stellte sich an der Terrassentür auf die Zehenspitzen und verschaffte sich einen Überblick über das Gelände. »Was für Leute waren das? Haben Sie sich konkret bedroht gefühlt?«
Ella baute sich neben Fenna auf. »Wie würden Sie sich denn fühlen, wenn Sie zwei dunkle Gestalten sehen würden, die am späten Abend über Ihr Grundstück huschen? Hätten Sie in dem Fall nicht auch das Gefühl, es wäre besser, die Fenster geschlossen zu halten?«
Fenna Stern wäre nicht Kriminalhauptkommissarin geworden, wenn eine vorlaute, besserwisserische Frau wie diese Ella Kluck sie von ihrer Linie der Befragung hätte abbringen können. »Ich habe nach einer konkreten Bedrohung gefragt«, sagte sie in ruhigem, festem Ton. »Lag die vor?«
»N-nein.« Clarissa zuckte mit den Schultern. »Es war nur so ein Gefühl.«
»Was haben Sie gemacht, als Sie die Leute entdeckt haben?«, fragte Tammo, der ebenfalls wieder ins Wohnzimmer gegangen war.
»Zwei meiner Angestellten, beides junge, durchtrainierte Männer, sind rausgegangen und haben nachgesehen. Mit dem Schein ihrer Taschenlampen haben sie die Eindringlinge vertrieben.«
»Haben Sie danach noch einmal jemanden auf dem Grundstück bemerkt?«
»Nein. Wir waren müde. Ich bin nach oben in meine Wohnung und Jessica ...« Clarissas Stimme brach.
Fenna kehrte noch einmal ins Schlafzimmer zurück. Das Bett, in dem das Opfer lag, war ein französisches Bett, einen Meter vierzig oder einen Meter fünfzig breit.
»Ihre Schwester lebte allein in dieser Wohnung?«, rief sie Clarissa zu, während sie Lukas Harzog aus dem Augenwinkel beobachtete.
Harzogs Miene blieb kühl und ausdruckslos. Unmöglich, zu erraten, was in ihm vorging.

Im Kindle-Shop: Mordsverrat: Nordseekrimi (Anders und Stern ermitteln 2).
Mehr über und von Ulrike Busch auf ihrer Website.



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