16. Dezember 2018

'Vereinte Welten: Der Auserwählte' von Anke Becker

Kindle (unlimited) | Taschenbuch
Zur Sicherung der Macht soll ein Kind gezeugt werden, ohne Liebe und ohne Zuneigung.

Der Auserwählte, zufällig herausgerissen aus seiner Welt, weiß nicht, was mit ihm geschieht. Der Weg ist weit, die von Frauen dominierte Galaxis voller Gefahren. Zwischen Liebe und Hass, Verrat und Loyalität entscheidet sich sein Schicksal, genauso wie das der vereinten Welten.

Leseprobe:
Er erblickte eine Raumfähre, die abdrehte und außerhalb seines Sichtfeldes landete. Er erkannte sie, Mitri hatte ihn gefunden.
Bevor der Aquiner den Mut aufbrachte loszurennen, sprang Shiran aus der sich öffnenden Ladeluke. Er traute seinen Augen nicht. Geschmeidig wie ein Fisch im Wasser huschte sie von Fels zu Fels. Jede noch so kleine Deckung ausnutzend, arbeitete sie sich zu ihm vor. Die Drehungen, das Abrollen und das Prüfen der Lage wirkte absolut kontrolliert, wie in langwierigem Drill antrainiert.
Kadân blieb vor Überraschung der Mund offen stehen. Er war überglücklich Shiran zu sehen, aber sein Verstand konnte die Bilder nicht einordnen.
Sie erreichte die Schleuse und warf ihm eine Betäubungswaffe zu. „Kannst du damit umgehen?“, fragte sie. Ihr Blick haftete einen Moment zu lange auf seinen zerschundenen Handgelenken.
„Ja, äh. Das werden wir gleich herausfinden.“ Der Aquiner wog die Waffe in den Händen.
Shiran zeigte neben die Schleusentür, dorthin wo er sich stellen sollte. „Schieß, wann immer du eine siehst.“
Die Worte, ihr Verhalten passten nicht zu der Frau, die er kennen gelernt hatte. Die gesamte Szene kam ihm vor wie ein seltsamer Alptraum. „Was ist das hier?“
„Ich rette dich, wenn es genehm ist. Soll ich wieder abhauen?“
Eine Kugel schlug zu Kadâns Füßen ein.
„Pass auf!“, fauchte sie ihn an.
Er wich zurück, tiefer hinter die Deckung.
„Vier Schützen“, stellte Shiran fest. „Eine lädt nach. Profis mit tödlichen Gewehren. Rein mechanisch, um den Wetterbedingungen standzuhalten. Eine gute Wahl.“
„Eine Vermutung?“
„Militärische Ausbildung!“
„Keine Forscherin?“
Shiran warf Kadân einen Blick zu, abschätzend und unsicher. Einen der nicht zu ihrem selbstbewussten Auftreten passte. „Nein, keine Forscherin“, antwortete sie knapp.
Er musste erstmal durchatmen. Wo eine Lüge war, vermutete er noch mehr. Aber warum täuschte sie einen Beruf vor? Eine Salve hämmerte gegen die Schleuse. Er fühlte die Vibrationen und richtete die Aufmerksamkeit wieder auf die Angreiferinnen. Ich sollte froh sein, dass sie mich gesucht und gefunden hat, ermahnte er sich selbst.
„Danke, dass du und Mitri dem Notsignal gefolgt seid. Das hätten Sie nicht tun müssen“, sagte er über den Lärm einschlagender Kugeln hinweg.
„Es gab kein Notsignal. Ich musste dich holen, du bist mein Auftrag.“
Kadân drehte sich um und starrte auf Shirans Rücken. „Ich bin was?“ Er vergaß die Gewehre, die auf sie zielten und die Schmerzen, die ihn quälten. Ihre erste Begegnung fiel ihm ein. „Wie meinst du das?“
„Dein Ernst? Das willst du jetzt wissen?“, rief sie ohne ihn anzusehen. „Könnten wir erstmal lebend hier raus kommen?“
Die Antwort, die ihm auf der Zunge lag, schluckte er hinunter. Verbissen lugte er um die Schleusentür und schoss auf die Angreiferinnen. Kaum hatte er sich heraus gewagt, pfiff eine Kugel dicht an ihm vorbei. Erschrocken zog er sich zurück.
„Bleib in Deckung“, schrie Shiran. Ihre Augen funkelten ihn an. Aus Sorge oder Wut, er wusste es nicht.
Nein, dachte Kadân, sie hat Recht, es war nicht die richtige Situation zum Reden. Doch wenn er heute draufging, wollte er wenigstens den Grund dafür erfahren.
Er betrachtete die Kämpferin, die zwei Schritte neben ihm hockte. Eine Frau, die ihm vollkommen fremd erschien. „In den letzten Stunden wurde ich gefesselt, zusammengeschlagen, ins All gefeuert und werde gerade von einer Übermacht Irrer beschossen. Warum?“, rief er.
Shiran schenkte ihm einen kurzen Blick. „Übermacht? Quatsch, die schaffe ich!“ Mehrere Schüsse trafen die Kapsel. Kadân zuckte bei dem Lärm zusammen, Shiran grinste und zwinkerte ihm zu: „Mit den unpräzisen Waffen treffen die uns höchstens aus Versehen. Mach dir keine Sorgen, ich erklär es dir später.“
„Nein, verdammt! Was geht hier vor?“
Ihre Miene wurde streng, als ob sie einem störrischen Kind Einhalt gebieten wollte. Wortlos widmete sie ihre Aufmerksamkeit wieder den Angreiferinnen. Das Surren ihrer Betäubungswaffe erfüllte die Hitze des Abends.
Kadân fühlte, wie ohnmächtige Wut in ihm hochkochte. Tief sog er die Luft ein, um sich selbst zu beruhigen. „Was geht hier vor?“, fragte er noch einmal, mittlerweile mühsam beherrscht.
„Arg!“, hörte er Shiran aufschreien. Leicht drehte sie den Kopf in seine Richtung. „Du bist der Kandidat der ersten Priesterin für das Ritual auf dem Zentralplaneten. Reicht das? Bist du jetzt zufrieden?“
Die Antwort traf ihn, wie ein Schlag ins Gesicht. „Große Mutter, nein“, murmelte er. Eine Kugel streifte den Felsen neben ihm, kleine Splitter platzen ab. Es kümmerte ihn nicht, seine Gedanken arbeiteten.
Kadân wusste, wovon sie sprach. Die öffentlichen Videowände hatten ständig junge Männer gezeigt, Kandidaten für das Ritual. Obwohl er es kaum glaubte, ergab es einen Sinn. Er schloss die Augen und lehnte sich an die Schleusentür. All der Schmerz, nur dafür?
„Was ist deine Rolle bei dem Ganzen?“, fragte Kadân nach einem Moment.
Shiran sah ihn nicht an. „Ich sollte dich finden und beschützen.“
Er ächzte abfällig: „Das ist dir nicht besonders gut gelungen.“
„Es war alles gut, bis du auf dem Raumschiff die Priesterin besucht hast. Wie konntest du so blöd sein?“ Sie schoss mehrfach hintereinander. Eine Frau kreischte auf.
„Wie bitte? Du hättest mir auch einfach die Wahrheit verraten können.“
Die Gewehre verstummten. Shiran sah zu Kadân. „Verdammt, ich durfte es nicht. Klare Anweisung!“
„Nein, du ziehst es vor zu lügen. Warum ich? Warum hast du dich an mich rangeschmissen?“
„Bild dir bloß nichts ein! Die Magie der großen Mutter hat dich ausgesucht. Nicht ich.“ Shiran drehte sich zu ihm um und bedeutete Kadân, wieder auf die Angreifer zu achten.
Er schnaubte.
„Glaub mir“, blaffte sie in schriller werdender Tonlage, „ich hätte einen vorgezogen der gehorcht, wie es sich gehört. Einen der sich nicht mitten in einem Gefecht mit mir unterhalten will.“
Ein Geräusch fesselte ihre Aufmerksamkeit. Shirans Finger zeigten an, dass die Feinde wegrannten. Widerwillig umfasste der Aquiner die Waffe und schaute um den Rand der Tür.
„Wo kann ich mich bei der großen Mutter beschweren“, sprach er seine Gedanken aus. Ein naher Treffer ließ ihn zurückzucken.
Shiran huschte an Kadâns Seite. Sie stieß gegen sein Handgelenk, als sie sich vor ihn drängte. „Au!“, entfuhr ihm, er presste den Arm vor die Brust.
„Reiß dich zusammen“, schimpfte sie. „Wenn du nicht aufpasst, hast du schneller Gelegenheit dazu, als du denkst.“
„Du bist eine verdammte Lügnerin, Shiran“, zischte er.
Sie starrte ihn an. „Nenn mich, wie du willst“, sagte die Kämpferin kühl. „Könnten wir uns endlich auf die da draußen konzentrieren?“
Der Seefahrer nickte zähneknirschend und packte die Betäubungswaffe fest mit beiden Händen. Er schob sich dichter an sie heran, so dass er ihren Rücken berührte.
„Zwei sind noch übrig. Sie wollen uns umrunden. Auf keinen Fall dürfen sie den Raumtransporter erreichen.“
Der Aquiner roch die Überbleibsel ihres Parfums. Die Nähe, nach der er sich vor wenigen Tagen sehnte, war ihm unangenehm. Diese Frau, die ihn getäuscht und benutzt hatte, kannte er nicht.
Als sie den Kopf zu ihm drehte, sah sie die Verletzung an seinen Handgelenken. Die Härte in ihrer Miene verschwand. Sie schien über die Wunden streichen zu wollen. Kadân wich zurück, um der Berührung zu entgehen.

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